Schifkorn, Rudolf (1817-1882), Techniker

Schifkorn Rudolf, Techniker. * Bruck a. d. Mur (Stmk.), 19. 1. 1817; † Wien, 16. 3. 1882. Sohn des Maximilian S., Kaufmanns, ständ, steiermärk. Beamten sowie Inhabers eines Knabenpensionats in Graz, und dessen zweiter Gattin, Sophia, geb. von Huber; besuchte 1823–30 die Musterhauptschule in Graz, ging 1831 bei einem Galanterietischler in die Lehre und betrieb dann techn. Stud. in England. Von dort dürfte er mit dem engl. Schöpfer des Plans für die Budapester Kettenbrücke als Ass. bei deren Ausführung (1839–45) wieder auf den Kontinent gekommen sein. 1850 wurde er durch das Min. für Handel und öff. Bauten zum Ing.-Ass. 2. Kl. ernannt, 1851 bei der österr. Post eingestellt und zum Werkführer der Telegraphenwerkstätte Wien ernannt. Diesen Posten bekleidete S. bis zur Auflösung derselben 1872. 1853 erhielt er ein Privileg auf ein neues Brückensystem mit gußeisernen und schmiedeeisernen Tragteilen, 1869 eines für weitere Verbesserungen an diesem. Aber auch auf anderen Gebieten bewies S. seine techn. Fähigkeiten: 1859 führte er im Rahmen seines Dienstes die viel beachtete Verlegung eines Unterseekabels entlang der dalmatin. Küste von Triest nach Venedig durch, 1871 erhielt er ein Privileg für die Verbesserung der Papierführung des Morse-Telegraphen-Schreibapparats, 1877 ein weiteres für das von ihm entwickelte Etuischloß. Für seine Erfindungen wurde er bei mehreren internationalen Ausst. ausgezeichnet. Mit der Entwicklung seines Brückenbausystems, das die Fachwelt tw. enthusiast. begrüßte, fand er vorerst größte Anerkennung. 1856–68 entstanden 116 Eisenbahnbrücken für die österr. Bahnen nach seinem System sowie seinen Berechnungen und Plänen. Er stand sogar schon in Unterhandlungen mit England und den USA zwecks Übernahme seines Brückensystems, als er durch den 1868 erfolgten Einsturz der Brücke über den Pruth nahe Czernowitz (Černivci), der zum Austausch sämtlicher genannten Brücken bis 1894 führte, das Ende seiner Erfolge erleben mußte.

W.: 38 Brücken für die Carl Ludwig-Bahn, 70 für die Linie Lemberg-Czernowitz, 8 für die Böhm. Westbahn, die Radnitzer Flügelbahn sowie die Strecke Kralup-Turnau, alle 1856–68; usw. – Nachlaß, Techn. Mus. für Ind. und Gewerbe, Wien.
L.: J. Langer, in: Z. des Oesterr. Ing.- und Architekten-Ver. 17, 1865, S. 70ff.; W. Bukowski, ebenda, 17, 1865, S. 93ff.; Geschichte der Eisenbahnen 2, S. 285f.; E. Winkler, Eisenbahnbrückenbau, 1875; Triumph der Technik. Pionierleistungen österr. Erfinder, 1963, S. 61.
(R. Keimel)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 128
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