Schildbach, Johann Gottlieb (1765-nach 1820), Schriftsteller und Schauspieler

Schildbach Johann Gottlieb, Schriftsteller und Schauspieler. * Schweidnitz (Świdnica, preuß. Schlesien), 1765; † Budapest (?), nach 1820. War 1771 als Mitgl. der Schuchschen Theatertruppe in Breslau (Wrocław) und kam wahrscheinlich 1784 nach Wien, von wo er 1785 als Schauspieler und Theaterdichter nach Ofen (Budapest) ging. 1790/91 war er Souffleur in Prag, auch dort (noch 1793) verfaßte er eine Reihe von Stücken, 1797/98 als Schauspieler und wiederum Schriftsteller in Preßburg (Bratislava), danach wirkte er in Wien am Freihaustheater bzw. Theater a.d. Wien unter den Dion. Schikaneders und Zitţerbarths, zeitweise als Schauspieler, aber insbes. als Theaterdichter reüssierend. Auch S.s Frau, Anna ( * Prag, 1769; † Wien, 15. 3. 1811), stand bei Schikaneder im Engagement. 1806/07 war S. am Leopoldstädter Theater, ab 1807 wieder am Theater a. d. Wien und 1812/13 auch am Josefstädter Theater. Wohl in erster Linie zerrüttete finanzielle Verhältnisse veranlaßten ihn, Wien zu verlassen und seiner Tochter Karoline, einer Sängerin, nach Pest zu folgen, wo noch 1820 neue Werke von ihm aufgef. wurden. Neben zahlreichen für den Tag verfaßten Gelegenheitsged. zu patriot. und wohltätigen Anlässen verfaßte S., ein typ. Repräsentant seiner Zeit, eine Reihe von – nur z. Tl. gedruckten – Spielen, zumeist für die Wr. Vorstadttheater; er übers, aus dem Französ., bearb. dt. und französ. Spiele und schloß sich der Mode der Bearb. zu Singspielen an. Sein Ehrgeiz (u. a. in „Der Durchmarsch“, 1801) nach Verbindung von Episoden und Haupthandlung, nach Charakterzeichnung und gefälliger Glaubwürdigkeit der Vorgänge übertrifft seine Fähigkeiten. Nach Themen und Ton ist er ein Erbe des 18. Jh.; patriarchal. Verhältnisse in Familie und Ges., Großmut im Verhalten, beherrschen die Schilderung, Vaterlandsliebe ist, bes. in den Jahren der Franzosenkriege, vielfach der Motor der Handlungen. S.s Spiele entstehen aus guter Kenntnis der dramat. Literatur Wiens, als treue Abbildung des Lebens in Wien bzw. des ung. Lebens („Die Ehrenmünze“, 1797).

W.: Der Landesvater. Eine Cantate, 1805; Die Feuersbrunst zu Ofen. Ein Ged. mit Chören, 1810; Abschied von Wien, 1813; Ges. Ged., 1818; usw. Dramen: Der Fürstentempel, 1792; Die Rekrutierung, 1793; Die Verlegenheit, 1793; Die Generalprobe, 1804; Dienst und Gegendienst, oder Walltrons zweyter Theil, 1804; Der Millionär, 1804; Pauline, 1805; Die Dienstboten in Wien, 1806; Es bleibt unter uns, 1807; Die Huldigung der Musen, 1808; Glück durch Unglück, 1808; Biedersinn und Vaterlandsliebe, 1809; usw.
L.: K. Glossy, in: Jb. der Grillparzer-Ges. 25, 1915, s. Reg.; H. A. Mansfeld, in: Jb. der Ges. für Wr. Theaterforschung 11, 1958, S. 150; ADB 54; Brümmer, 18. Jh.; Giebisch-Gugitz; Goedeke, s. Reg.; Kosch; Kosch, Theaterlex.; Nagl-Zeidler-Castle 2, s. Reg.; Portheim-Kat.; Wurzbach; Bäuerle’s Memoiren 1, 1858, S. 99, 187ff.; M. Schlesinger, Geschichte des Breslauer Theaters, 1898, S. 63; G. Gugitz, Der Weiland Kasperl (J. La Roche), 1920, s. Reg.; F. Hadamowsky, Das Theater in der Wr. Leopoldstadt 1781–1860 ( = Kat. der Theatersmlg. der Nationalbibl. in Wien 3), 1934, s. Reg.; O. Rommel, Die Alt-Wr. Volks-Komödie, (1952), s. Reg.; K. Adel, Geist und Wirklichkeit, (1967), s. Reg.; W. Binal, Dt.sprachiges Theater in Budapest . . . ( = Theatergeschichte Österr. 10/1), 1972, s. Reg.; Mitt. E. Fleissner-Moebius, Wien.
(K. Adel – E. Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 131
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