Schlar, Josef (1861-1922), Dirigent und Pianist

Schlar Josef, Dirigent und Pianist. * Feldkirchen b. Graz, 10. 4. 1861; † Schliersee, Bayern (Deutschland), 23. 3. 1922. Aus kleinen Verhältnissen stammend und früh verwaist, war S. mit zehn Jahren Chorknabe und Hilfsorganist an der Franziskanerkirche in Graz und wurde nach Besuch des dortigen Pädagogiums Volksschullehrer. Als Musiker war er zunächst Autodidakt. Da S. mittellos war, sich aber ganz der Musik widmen wollte, wurde er Mitgl. der Militärkapelle des IR 27. Seine musikal. Stud. vollendete er anschließend in Leipzig, München und Berlin, wo er als Klavierlehrer bes. in hochadeligen Kreisen Ansehen genoß (zu seinen Schülern zählten Georg Prinz v. Preußen und Charlotte Erbprinzessin v. Sachsen-Meiningen). Ab 1885 trat S. als Pianist solist, und auch als Begleiter sehr erfolgreich an die Öffentlichkeit. Nach einer kurzen, nicht ungetrübten Kapellmeistertätigkeit in Graz (ab 1892), wo er Possen und Operetten dirigieren mußte, wurde er 1893 vom Generalintendanten der Hoftheater in Berlin, Hannover, Kassel und Wiesbaden, Georg v. Hülsen, als Dirigent nach Wiesbaden (zunächst unter Řebíček, s.d.) berufen und wirkte dort bis Ende 1921 als Hofkapellmeister. S. war 1900 Mitbegründer und in der Folge musikal. Leiter der Wiesbadener Festspiele und erweckte bes. bei den „Kaiser-Festspielen“ 1902 durch seine von W. Kienzl (s. d.) gelobten Bearb. von Glucks „Armide“ und Webers „Oberen“ Aufmerksamkeit. Auch als 1. Operndirigent an der Berliner Hofoper konnte er seine allg. gerühmte Begabung unter Beweis stellen. S., der überdies einen ausgezeichneten Ruf als Wagnerinterpret hatte, war auch als Komponist eigener Werke anerkannt und erhielt mehrere Kompositionsaufträge von dem ihm freundschaftlich verbundenen K. Wilhelm II. Das von S. musikal. bearb. Ballett „Sardanapal“ wurde 1908 in Berlin unter außergewöhnlicher Prachtentfaltung aufgef. Er war kgl. preuß. Prof. und Träger zahlreicher Orden. 1903 heiratete er die ab 1891 am Wiesbadener Hoftheater engagierte Mezzosopranistin Nelly (Cornelia) Brodmann ( * St. Gertraud i. Lavanttal/Kärnten, 25. 11. 1863), die 1888–90 am Wr. Konservatorium der Ges. der Musikfreunde ausgebildet worden war.

W.: Musik zu den Festspielen Adlerflug, uraufgef. 1901, Kerkyra, uraufgef. 1913, Döberitz, Salve; usw.
L.: Wiesbadener Ztg. vom 25., Neues Grazer Tagbl. vom 27. 3. (Abendausg.) 1922; Frank-Altmann; Suppan; O. Weddigen, Geschichte des Kgl. Theaters in Wiesbaden, 1894, S. 65, 119; W. Kienzl, Aus Kunst und Leben. Ges. Aufsätze, 2. Aufl. 1904, S. 83ff.; Dt. Zeitgenossenlex. 1905; F. Pazdírek, Tonkünstler- und Verleger-Almanach der Musikliterar. Bll., 1905, S. 159ff. (mit Bild); Wer ist’s?, hrsg. von H. A. L. Degener, 3. Ausg. 1908; Deutschlands, Österr. -Ungarns und der Schweiz Musiker in Wort und Bild, 1909/10; F. Stieger, Opernlex. 1/3, 1975, S. 1084, 2/3, 1978. – Nelly S.: Ber. über das Conservatorium . . . der . . . Ges. der Musikfreunde in Wien . . . 1888–89, 1889, S. 13, 1889–90, 1890, S. 13, 62, 72, 87f., 92, 95; Eisenberg, Bühnenlex.; Archiv der Diözese Gurk, Klagenfurt.
(U. Harten)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 170
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