Schlegel, Richard (1906-1945), Wasserbautechniker, Landesplaner und Baugeschichtsforscher

Schlegel Richard, Wasserbautechniker, Landesplaner und Baugeschichtsforscher. * Salzburg-Riedenburg, 13. 3. 1906; † am Krippenstein b. Obertraun (OÖ), 9. 3. 1945 (verunglückt). Sohn des Postamtsdir. Karl A. Schlegel, aus einer von Nordböhmen nach Salzburg eingewanderten Familie und der Karoline Weinkamer, aus einer bekannten, aus Franken stammenden Kaufmannsfamilie; stud. 1924–32 Wasserbau an der Techn. Hochschule in Wien, 1932 Dipl.Ing. Fand 1933 beim Landesbauamt Salzburg im Referat für Wasserbau Verwendung und wurde 1938 zum Landesplaner von Salzburg ernannt, 1944 aber zur Gebirgsart. einberufen. S. arbeitete zu Beginn seiner amtlichen Tätigkeit zumeist im Außendienst, vor allem bei der Salzachregulierung im Oberpinzgau. Als Landesplaner versuchte er, zeitbedingte Bauaufgaben unter Bewahrung des überlieferten Bestands zu lösen und legte daher eine alle Siedlungs- und Hauslandschaften Salzburgs umfassende Kartei an. Für denkmalpfleger. Zwecke und als Grundlage für eine traditionsgebundene Weiterentwicklung der Hausformen begann er mit der Anlage einer Bauernhauskartei, in der er alle einschlägigen Objekte des Landes erfassen wollte. Schon als Schüler hist. und künstler. interessiert, widmete sich S. früh baugeschichtlichen Forschungen, begann noch vor seinem Eintritt in den Landesdienst mit der Smlg. von Stadtansichten, Einzelbildern und Plänen, die er im zuge seiner amtlichen Tätigkeit in den verschiedenen Landesteilen fortsetzte; mit der Zeichner. Ausarbeitung konnte er das Interesse breiterer Kreise wecken. Ab 1938 intensivierte er seine Arbeiten zur Entwicklung der Stadtplanung. Hervorzuheben sind seine Stud. über die Burgen des Oberpinzgaus, zur Stadterweiterung in Vergangenheit und Gegenwart, über städt. und bäuerliche Haustypen sowie allg. zur Salzburger Kulturlandschaft. Im Mittelpunkt stehen jedoch seine Forschungen über die Festung Hohensalzburg, deren Ergebnisse erst postum publ. wurden. In einem sehr bekannt gewordenen Steckbild von Salzburg veranschaulichte er ungemein plast. die bauliche Entwicklung der Stadt. S., der schon ab 1933 eine rege Vortragstätigkeit entwickelt hatte, gehörte ab 1935 der Ges. für Salzburger Landeskde. an, widmete sich intensiv dem Ver.Leben und fungierte ab 1938 als deren Vorstand. Er verband seine techn. Kenntnisse und Aufgaben mit Verständnis für hist. Werte und geschichtliche Entwicklung. Mit der von ihm entwikkelten Aufnahmemethode wies er der Hausforschung völlig neue Wege.

W.: Steckbild von Salzburg, 1932–34, Zeichnungen, alle Familienbesitz. – Publ.: Das Salzburger Grabendach, in: Mitt. des Salzburger Stadtver. 2, 1936; Das Bürgerspital, ebenda, 3, 1937; Das Stadtbild von Salzburg, in: Mitt. der Ges. für Salzburger Landeskde. 79, (1939); Ein frühgot. Palas im Schloß Goldegg i. P., ebenda, 81, (1941); Baufunde durch Rauhreifbildungen in Salzburg, ebenda, 82/83, (1942/43); Die Wehrbauten des Mittelalters und der Neuzeit im Reichsgau Salzburg, in: Salzburger Heimatkal. 1945, (1944); Veste Hohensalzburg, (1952); Offizieller illustrierter Führer durch die Festung Hohensalzburg, ergänzt von H. Klein, 1955 (mehrfach aufgelegt); Das Bauernhaus im Lamprechtshausener Dreieck, bearb. und ergänzt von K. Conrad, in: Mitt. der Ges. für Salzburger Landeskde. 100, (1960); hist. Beitrr. für Ztg., u. a. Salzburger Landesztg., Salzburger Volksbl., Salzburger Ztg.; usw. – Smlg. von Stadtansichten usw., Familienbesitz, Salzburg.
L.: H. Klein, in: Mitt. der Ges. für Salzburger Landeskde. 84/85, (1944/45), S. 199ff.; K. Conrad, ebenda, 100, (1960), S. 579ff.; Salzburger Kulturlex.; Mitt. W. Schlegel, Salzburg.
(R. R. Heinisch)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 180
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