Schlenk, Karl (Carl) Heinrich (1856-1924), Techniker und Lehrer

Schlenk Karl (Carl) Heinrich, Techniker und Schulmann. * Wien, 26. 11. 1856; † Wien, 9. 1. 1924. Ab 1884 Gatte der Musikerin Ellen (Helene) S.-Lechner (s. unten); stud. 1874–76 Bauing.Wesen, 1877–79 Maschinenbau bei Radinger (s. d.) an der Techn.Hochschule in Wien; 1879/80 als Werkstättenass. bei der Österr. Staatseisenbahnges. in Wien tätig, wirkte er anschließend bis 1882 als Vorstand der Lokomotivreparaturwerkstätte in Amstetten, leitete daneben 1880/81 aber auch die Baggerarbeiten im Zuge der Donauregulierung. 1882/83 stand er im Dienst der Anglo Austrian Brush Electric Light Comp., wurde 1884 Lehrer, 1891 Leiter der Sektion Elektrotechnik am Technolog. Gewerbemus. in Wien, 1899 Oberinsp. sowie Vorstand der Eichstation für Elektrizitätszähler und Wasserverbrauchsmesser, 1916 Tit. HR im Arbeitsmin.; 1919 i. R. S., der schon im Privatdienst mit der Installation der öff. Beleuchtung von Temesvar (Timişoara) und des elektr. Lichts in der Wr. Hofoper betraut gewesen war, richtete am Technolog. Gewerbemus, die Versuchsanstalt für Elektrotechnik, die erste dieser Art in Österr., ein, unterhielt enge Kontakte zur Elektroind. und trat für die einheitliche Eichung von Elektrizitätszählern und Wasserverbrauchsmessern ein. Als erster Leiter des dafür verantwortlichen Amts sorgte er für dessen organisator. sowie techn. Aufbau, erwirkte 1913 den Bau eines eigenen Gebäudes mit modernen techn. Gegebenheiten und hatte Anteil an der Ausarbeitung der Eichvorschriften. Organisator. hochbegabt, zählte S. 1883 zu den Gründern des Elektrotechn. Ver., bei dem er in der Folge wichtige Funktionen bekleidete; von Beginn an war er, mit Unterbrechungen, Ausschußmitgl., ab 1894 mehrmals Vizepräs, und Präs. Er entfaltete dabei vielfache Aktivitäten; so organisierte er den Ver.Betrieb, initiierte die Gründung der Vereinigung der Elektrizitätswerke und eines Österr. Elektrotechn. Komitees bei der Internationalen Elektrotechn. Komm., dessen Präs. er wurde, und war maßgeblich beteiligt an jener des Techn. Mus. in Wien. S. wirkte im Arbeitsausschuß, später als Kurator und Mitgl. des Direktoriums bzw. des Vorstandsrats. Er wurde vielfach geehrt, u. a. 1913 Ehrenmitgl. des Elektrotechn. Ver. S., zu dessen Schülern der Automobilkonstrukteur Ferdinand Porsche zählte, war um die Vereinheitlichung der Schraubengewinde erfolgreich bemüht und machte sich vor allem um die Entwicklung der Starkstromtechnik sowie das techn. Musealwesen in Österr. verdient. S.s Frau, Ellen (Helene) S.-Lechner ( * Wien-Penzing, 28. 7. 1859; † Wien, 24. 3. 1940), Tochter des Wr. Verlagsbuchhändlers Rudolf Lechner und Schwester der für die Biographie Mahlers (s. d.) wichtigen Musikerin Natalie Bauer-Lechner, stud. 1866–72 am Wr. Konservatorium der Ges. der Musikfreunde Violine (Schülerin Josef Hellmesbergers) – Abschluß mit Diplom – und Klavier. Sie komponierte, war Konzertmeisterin des Wr. Frauen-Symphonie-Orchesters, wirkte in verschiedenen Quartettvereinigungen mit und trat auch als Solistin (sie galt u. a. als Brahms-Spezialistin) hervor.

W.: Einführung einheitlicher Schraubengewinde in die Elektrotechnik und Feinmechanik, in: Mitth. des k. k. Technolog. Gewerbe-Mus. in Wien, NF 3–4, 1893– 94; Elektr. Gleichstrom-Anlagen, in: Großind. Österr. 3, 1898; usw. Red.: Niederösterr. Gewerbe-Ver. Mitth. des k. k. Technolog. Gewerbe-Mus. in Wien. Section für Metall-Ind. und Elektrotechnik . . . 5ff., 1889ff.
L.: N. Fr. Pr. vom 11. 1. 1924; Elektrotechnik und Maschinenbau 41, 1923, S. 392; F. Drexler, ebenda, 42, 1924, S. 73 (mit Bild); A. Marx, ebenda, 42, 1924, S. 74f.; R. Edler, ebenda, 42, 1924, S. 75f.; L. Kusminsky, ebenda, 42, 1924, S. 76f.; L. Erhard, ebenda, 42, 1924, S. 77; Eisenberg, 1893, Bd. 2; W. Exner, Das k. k. Technolog. Gewerbe-Mus. . . . 1879–1904, 1904, s. Reg., bes. S. 227f.; Techn. Mus. für Ind. und Gewerbe, Allg. Verw.A., beide – Wien. Ellen S.-Lechner: Neues Wr. Tagbl. vom 28. 3. 1940; Ber. des Conservatoriums der Ges. der Musikfreunde in wien . . . 1871–72, 1872, S. 56, 60, 69, 72; Z. für Musik 107, 1940, S. 306; C. F. Pohl, Die Ges. der Musikfreunde des österr. Kaiserstaates und ihr Conservatorium, 1871, S. 171; H. Killian, G. Mahler in den Erinnerungen von N. Bauer-Lechner, (1984), S. 10, 17; Mitt. E. Czerwenka, G. Haas, H. Killian, alle Wien; Pfarramt, St. Peter, Wien.
(Ch. Hantschk – H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 186f.
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