Schlesinger, Akiva Joseph (1837-1922), Rabbiner und Zionist

Schlesinger Akiva Joseph, Rabbiner und Zionist. Geb. Preßburg (Bratislava), 7. 12. 1837; gest. Jerusalem, 29. 4. 1922. Stud. an verschiedenen ung. Rabb.Schulen, u. a. bei Moses Schick (s. d.) in Preßburg. 1892 heiratete S. die Tochter des Rabb. Hillel Lichtenstein, der als einer der Extremisten der Orthodoxie galt. S. selbst war ein Gegner des Reformjudentums und der beginnenden Assimilation. In seinem sehr verbreiteten Buch „Ha-Lev ha-Ivri“ (Das hebr. Herz), 1865, kommentierte er das Testament von Moses Schreiber (Sofer) und schuf damit eine wesentliche Grundlage der Orthodoxie. S. befürchtete, daß ein praktiziertes Judentum einer Konfrontation mit den Einflüssen des täglichen Lebens nicht standhalten würde. Er vertrat auch die Ansicht, daß Juden keine Fremdsprachen lernen sollten. Er befürwortete die Emigration nach Palästina und wanderte selbst 1870 nach Jerusalem aus. In der Broschüre „Hevrat Mazirei Atarah le Yoshnah“ (Die Ges. für die Wiederherstellung von Kronen in ihrer alten Pracht), 1873, propagierte er die Gründung einer weltweiten Vereinigung für die religiöse Festigung des Judentums. Diese sollte Schulen gründen, in denen die Jugend in religiösem Geist erzogen würde. Jerusalem sollte Zentrum einer von den Früchten ihrer Arbeit im Geiste der Torah lebenden jüd. Gemeinde werden. S., der für die Einhebung von Steuern für den Aufbau des Landes sowie für die Forcierung landwirtschaftlicher Niederlassungen eintrat, gehörte 1878 zu den Mitbegründern der Siedlung Petach-Tikvah. Als Sprecher einer Gruppe von Gleichgesinnten in Jerusalem engagierte er sich im Sinne einer Änderung der Halukka (Organisation zur Verteilung von Geldern aus der Diaspora an Bedürftige), was zu anhaltender wechselseitiger Polemik führte. Der Großteil seiner Ideen wurde nach seinem Tod von den späteren Zionisten aufgegriffen.

L.: Enc. Hebr.; Enc. Jud.; A. Y. Sah’rai, Rabbi A. J. S., 1942; D. Vital, The Origins of Zionism. 1980, S. 8.
(S. Höhne – Sh. Spitzer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 189
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