Schlitter von Niedernberg, Karl Frh. (1812-1878), Feldzeugmeister

Schlitter von Niedernberg Karl Frh., General. Geb. Wien, 26. 1. 1812; gest. ebenda, 24. 3. 1878. Sohn eines aus kurtrier. Militärdienst 1801 in die k. k. Armee übergetretenen und 1832 nob. Off.; trat 1826 als unobligater Rgt.Kadett in das IR 4 ein und kam zur Grazer Kadettenkomp., 1829 aber wieder zu seinem Rgt. zurück. 1831 als Fähnrich ausgemustert, wurde er noch im selben Jahr Unterlt., 1838 Oblt., 1840 Kapitänlt., 1844 Hptm., 1847 Mjr., im April 1848 Obstlt., im Dezember desselben Jahres Obst., 1850 GM, 1857 FML, wurde 1867 auf eigenes Ansuchen in die Disponibilität versetzt, mit Ende des Jahres als FZM ad honores i. R. Fand vorerst als Truppenoff. sowie zeitweise bei Mappierungsarbeiten in Ungarn Verwendung, diente dann jedoch ab 1833 vornehmlich beim lombard.-venetian. Gen.Kmdo. bzw. beim Gen.Quartiermeisterstab. Auf bes. Anforderung Radetzkys (s. d.) hin wurde er 1843 Adlatus des Gen.Kmdo.Adj., tat sich in den Kämpfen 1848/49 in Oberitalien hervor und überbrachte die Siegesmeldung von Custoza nach Wien. Im Oktober 1849 rückte er zum Gen.Adj. Radetzkys auf, geriet aber bald in Gegensatz zum Ziviladlatus des Feldherrn und Gouverneurs, da er die militär. Aspekte in der Verwaltung des Landes bes. berücksichtigt sehen wollte. 1850 kam er als Brigadier nach Brünn (Brno), 1853 zum Armeeoberkmdo. nach Wien und war dann der Militärzentralkanzlei zugeteilt. Hier trug er während der nächsten Jahre die Hauptlast an Maßnahmen für Vorbereitung und Durchführung einer im zentralist. Sinn gehaltenen Reform der Militäradministration, die seit den Zeiten Erzh. Karls (s. d.) nicht mehr verbessert worden war. Darüber hinaus trat er weiterhin für eine Präponderanz des Militärs in der Verwaltung des Reiches ein und nahm im Militärwesen für das Adj.Korps und gegen den Gen.Stabsdienst Stellung, was, wie sich schließlich herausstellte, einer Zurückdrängung der kalkulierten und gefechtsmäßigen Vorbereitungen für den Mobilisierungsfall nahekam. Auch in Fragen der Bewaffnung wie der Reglements nahm er bestimmenden Einfluß und avancierte 1859 zum Gen.Adj. des K. Infolge seiner Position lastete man ihm die Mitverantwortung für die Niederlagen im Feldzug 1859 an. Noch im selben Jahr wurde er vom Dienst in der Zentrale enthoben und Divisionär beim 4. Armeekorps, 1861 dem Landesgen.Kmdo. in Agram (Zagreb) zugeteilt. S. war seit 1850 mit Johanna Christina, einer Tochter des GM und Brigadiers von Wien, Josef v. Russ, verheiratet. Träger zahlreicher in- und ausländ. Orden, wurde S. 1851 Frh., 1857 Geh.Rat, 1862 2. Inhaber des Linien-IR 46. Er zählte lange zu den einflußreichsten Persönlichkeiten der Armee, konnte jedoch nach 1859 nicht mehr in deren Gestaltung und Organisation eingreifen und fand weder im Feldzug von 1864 noch im Krieg von 1866 Verwendung.

L.: H. Kramarsch, FML Karl Frh. S. v. N., phil. Diss. Wien, 1968; KA Wien.
(P. Broucek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 208f.
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