Schlitter, Johann (1829-1901), Polizeidirektor

Schlitter Johann, Polizeidirektor. Geb. Niemes, Böhmen (Mimoň, Tschechoslowakei), 25. 2. 1829; gest. Payerbach (NÖ), 8. 1. 1901. Sohn eines Beamten, Vater des Vorigen; stud. 1847–52 an der Univ. Prag (Praha) Jus. S. trat 1852 als Praktikant in die Polizeidion. Prag ein, kam 1853 als Konzeptsadjunkt an die Polizeidion. Venedig (Venezia) und 1855, wegen ao. Verdienste beim Aufdecken einer Fälscherbande zum Koär. befördert, nach Udine. Ab 1856 im Präsidium in Venedig tätig, war er in den Jahren 1857–59 mit der Leitung des Kommissariats in Vicenza betraut. 1865 wurde er zum Oberkoär. und Leiter des Präsidialbüros ernannt. Im Kriegsjahr 1866 war S. dem Armeekmdo. in Verona zugeteilt und wurde mit zahlreichen geheimen Missionen im Ausland betraut. Nach dem Verlust Venetiens versetzte man ihn 1867 nach Brünn (Brno); 1878 Polizeirat, 1879 Leiter der Polizeidion. in Brünn und w. Polizeirat. 1880 Reg.Rat und Polizeidir., 1891 krankheitshalber i. R. und HR. 1875 und 1885 zeichnete sich S. bei Arbeiterunruhen in Brünn durch kluges, besonnenes Vorgehen aus, sodaß ihm das Statthaltereipräsidium lobende Anerkennung aussprach. Ab 1869 veranstaltete S. für Brünner Kinderbewahranstalten jährliche Smlgg., weshalb er sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung erfreute. S. war in erster Ehe (1858), aus der sein Sohn und eine Tochter entstammten, mit Pauline Ambrosi verheiratet, in zweiter (1874) mit Auguste, der Schwester seiner Frau.

L.: Brünner Ztg., Wr. Ztg. und Mähr.-Schles. Correspondent vom 9. 1. 1901; H. Heller, Mährens Männer der Gegenwart 2, 1888; Allg. Verw. Α., Wien.
(J. Kubalek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 208
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