Schloenbach, (Georg Justin Carl) Urban (1841-1870), Geologe und Paläontologe

Schloenbach (Georg Justin Carl) Urban, Geologe und Paläontologe. Geb. Liebenhalle, Hannover (Salzgitter, Deutschland), 10. 3. 1841; gest. Berszászka, Banat (Berzasca, Rumänien), 13. 8. 1870. Sohn eines Geologen und braunschweig. Obersalineninsp., evang. AB; stud. nach Besuch der Gymn. in Goslar und Hildesheim 1859/60 Chemie, Botanik und Physik an der Univ. Göttingen, 1860/61 Mineral., Geognosie und Petrefaktenkde. in Tübingen, u. a. bei Friedrich August v. Quenstedt, 1861/62 in München, wo er im Hause des Paläontologen Albert Oppel verkehrte, 1862/63 in Berlin und wurde 1863 an der Univ. Halle zum Dr. phil. prom. S., der schon 1862 eine Forschungsreise in den Schweizer Jura unternommen hatte, bereiste nach seiner Prom. dt., französ. und tirol. Gebiete, erhielt 1867 den Ruf an eine zu gründende Bergakad. in Peru, den er ausschlug, und trat im selben Jahr als Sektionsgeologe in die Geolog. Reichsanstalt in Wien ein. 1870 als o. Prof. für Mineral., Geol. und Paläontol. an das Dt. Polytechnikum in Prag (Praha) berufen, begab er sich zur Beendigung begonnener Kartierungsarbeiten noch ins Gebiet der Banater Militärgrenze, wo er, bedingt durch die extremen Verhältnisse, verstarb. Sein weitgestecktes, bes. paläontolog. Interesse konzentrierte sich zunächst auf den norddt. Jura, später auf die Kreide u. a. Böhmens und deren Brachiopodenfauna, zu deren stratigraph. Gliederung er Wesentliches beitrug. Auch machte er viele paläontolog. Unika bekannt, wie die Kopffüßler (Belemniten) aus der Kreide von Grünbach (NÖ) sowie dem Eozän von Ronca (Italien) oder die Sepia ausdem Neogen von Baden (NÖ). Er hinterließ zahlreiche Abhh., davon allein 50 in den Publ. der Reichsanstalt, obwohl er viele erfolgversprechende Ansätze nicht vollenden konnte. 1873 stiftete sein Vater zu seinem Andenken ein Auslandsreisestipendium für Geologen der Reichsanstalt. Trotz seines kurzen wiss. Wirkens erwarb sich S. internationale Anerkennung.

W.: Ueber den Eisenstein des mittleren Lias im nordwestlichen Deutschland . . ., in: Z. der Dt. geolog. Ges. 15, 1863; Beitrr. zur Jura- und Kreideformation im nordwestlichen Deutschland, in: Palaeontographica 13, 1866; Kleine paläontolog. Mitth. (u. a. über Belemniten und Sepia), in: Jb. der k. k. geolog. Reichsanstalt 17–19, (1867–69); Ueber die Brachiopoden der norddt. Cenoman-Bildungen, in: Geognost.-Paläontolog. Beitrr. 1, 1868; Die Brachiopoden der böhm. Kreide, in: Jb. der k. k. geolog. Reichsanstalt 18, (1868); usw.
L.: Wr. Ztg. vom 17. 8. 1870; E. Tietze, in: Jb. der k. k. geolog. Reichsanstalt 21, (1871), S. 59ff. (mit Werksverzeichnis); Geological Magazine 8, 1871, S. 477f.; E. Hebert, in: Bulletin de la Société Géologique de France, Ser. 3, 1, 1873, S. 300f.; Verhh. der k.-k. geolog. Reichsanstalt, 1873, S. 119ff.; ADB; Poggendorff 3; Die k. k. Dt. Techn. Hochschule in Prag 1806–1906, red. von F. Stark, 1906, S. 349ff.; K. Lambrecht – W. und A. Quenstedt, Palaeontologi ( = Fossilium Cat. 1, 72), 1938, S. 383; H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae ( = Cat. Fossilium Austriae 15), 1971; W. A. S. Sarjeant, Geologists and the History of Geology 3, 1980.
(F. Stojaspal)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 212
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>