Schlosser, Theodor (1822-1907), Apotheker

Schlosser Theodor, Apotheker. Geb. Wien, 11. 3. 1822; gest. Ischl (Bad Ischl, OÖ), 22. 6. 1907. Entstammte einer angesehenen Wr. Apothekerfamilie; absolv. nach dem Besuch des Schottengymn. in Wien ab 1898 seine pharmazeut. Lehrzeit an der väterlichen Apotheke zum Hl. Florian in Wien IV., 1842 Tirozinalprüfung, und stud. anschließend bis 1843 Chemie an der Univ. Berlin, u. a. bei Heinrich Rose und Robert Mitscherlich, 1843–44 an der Univ. Gießen bei Justus v. Liebig; er vervollkommnete seine pharmazeut. Ausbildung in London sowie Paris und setzte seine Stud. nach den philosoph. Jgg. ab 1846 an der Univ. Wien fort, 1847 Mag. pharm., 1848 Dr. pharm. Schon ab 1847 an der väterlichen Apotheke tätig, leitete er diese 1852–92, widmete sich daneben intensiv chem.-pharmazeut. Forschungen, war ab 1849 bis zur Einführung ständiger Gerichtschemiker 1857 mit der Untersuchung von Vergiftungsfällen betraut und ab 1853 bzw. 1868 und 1888 Mitgl. der Komm. für die Hrsg. der 5. – 7. Ausg. der Pharmakopoea Austriaca. Er befaßte sich auch mit Standesfragen, fungierte 1865–69 als Erster Vorsteher, bis 1892 als Ausschußmitgl. des Wr. Apotheker-Hauptgremiums und zählte 1861 zu den Gründungsmitgl. des Allg. österr. Apotheker-Ver., dessen Direktorium er 1870– 98 angehörte. Er forderte ein gem. Vorgehen von Gremium und Ver. bei der Bewältigung wiss. und prakt. pharmazeut. Probleme sowie in Standesfragen, machte sich um Schule und Labor des Ver. verdient und gründete 1866 die Krankenversicherung sowie das Pensionsinst. für Pharmazeuten. Auch regte er, neben Anton Schürer v. Waldheim, die Errichtung der 1898 als erstes Privatlabor dieser Art in Österr. eröffneten Untersuchungsanstalt für Nahrungs- und Genußmittel an. Beide Söhne, sowohl August S., dem er 1892 die Leitung der Apotheke übergeben hatte, als auch der Jurist Dr. Karl S. gingen ihm im Tod voraus. Als Apotheker und Wissenschafter hoch angesehen, war er 1862– 92 Gastprüfer bei den pharmazeut. Rigorosen, 1889–93 ao. Mitgl. des Obersten Sanitätsrates und wurde u. a. Ehrenmitgl. des Allg. österr. Apotheker-Ver. (1886), des Dt. akadem. Pharmazeuten-Ver. in Wien sowie der Pharmazeut. Ges. in St. Petersburg. S. gilt als der um die wiss. wie prakt. Pharmazie meistverdiente Apotheker der zweiten Hälfte des 19. Jh.

W.: Ueber die Constitution der Galle, gem. mit J. Theyer, in: Annalen der Chemie und Pharmacie 48, 1843; Beitrr. zur Kenntnis der Galle und deren Zersetzungsproducte, gem. mit J. Theyer, ebenda, 50, 1844; Geschichte der Chemie, 1848; Arzneikörper der letzten 50 Jahre, 1899; kleinere Abhh. u. a. in Z. des Allg. österr. Apotheker-Ver.; usw.
L.: Pharmaceut. Post 22, 1889, S. 389, 40, 1907, S. 485; Z. des Allg. österr. Apotheker-Ver. 45, 1907, S. 378ff. (mit Bild); Eisenberg, 1893, Bd. 2; L. Hochberger – J. Noggler, Geschichte der Wr. Apotheken ( = Geschichte der Apotheken und des Apothekenwesens in Wien 2), 1919, S. 111 f.
(O. Nowotny)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 219
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