Schmidt auf Altenstadt, Maximilian von (1853-1920), Chemiker

— auf Altenstadt Maximilian von, Schmidt auf A., Chemiker. Geb. Wien, 15. 5. 1853; gest. ebenda, 10. 9. 1920. Sohn des Vorigen. Stud. 1873–76 an der Chem.-techn. Fachschule der Techn. Hochschule in Wien und daneben ab 1874 auch an der dortigen Univ. 1879 legte er die Lehramtsprüfung für Chemie und Naturgeschichte an Oberrealschulen ab, absolv. anschließend das Probejahr an der Schottenfelder Realschule, arbeitete aber gleichzeitig als Volontär an der Univ. Wien, wo er 1876–78 Staatsstipendist am 1. chem. Laboratorium gewesen war. 1880–86 wirkte er als Ass. an der Techn. Hochschule und widmete sich anschließend chem.-technolog. Arbeiten an der Univ. Wien. Ab 1891 Ass. am Inst. für Chemie an der Hochschule für Bodenkultur, habil. er sich dort 1892 für analyt. Chemie und wurde 1896 Hon.Doz., 1897 Lehrbeauftragter für analyt. Chemie, 1906 ao. Prof. und Vorstand des agrochem. Laboratoriums, 1912 o. Prof. ad personam. Seine 1918 erfolgte Wahl zum Rektor konnte er aus gesundheitl. Gründen nicht annehmen. An der Univ. vorzugsweise an chem. Gemeinschaftsarbeiten, u. a. über verschiedene Säuren, beteiligt, verlagerte er den Schwerpunkt seiner wiss. Forschungen später auf Probleme der Korksubstanz. Gemäß seinen auf die Praxis hin ausgerichteten Anlagen beschäftigte er sich weitgehend mit techn. Problemen und meldete eine Reihe von Patenten an, so für die Herstellung von Degras aus Tran, von Alkohol aus Sulfitlauge oder Kerzenmaterialaus Ölsäure. Er entwikkelte auch ein Verfahren zur Herstellung von Kokosbutter, das eine gewisse volkswirtschaftl. Bedeutung erlangte. Mit seinen dem prakt. Unterricht an Hochschulen dienenden Monographien erlangte er auch im Ausland Anerkennung.

W.: Über eine Modification der Sauer’schen Schwefelbestimmungs-Methode,gem. mit H. Weidel, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 75, Abt. 2, 1877; Über die Einwirkung von Brom auf Phenoldisulfosäure, ebenda, 77, Abt. 2, 1878; ÜberDerivate der Phenoldisulfosäure, gem. mit L. Barth, ebenda, 79, Abt. 2, 1879; Über die Bildung der Cinchomeronsäure aus Chinin und deren Identität mit einer Pyridindicarbonsäure, gem. mit H. Weidel, ebenda, 79, Abt. 2, 1879; Untersuchungen über das Stuppfett, gem. mit H. Goldschmiedt, ebenda, 83, Abt. 2, 1881; Notizen über Halogenderivate, gem. mit R. Benedikt, ebenda, 88, Abt. 2, 1884; Quantitative Reactionen zur Ausmittlung einiger Harze, gem. mit F. Erban, ebenda, 94, Abt. 2, 1887; Anleitung zur Ausführung agriculturchem. Analysen, 1892; Agrochem. Übungen, 1896; Einführung in die qualitative chem. Analyse, 1896, 3. Aufl. 1919; Zur Kenntnis der Korksubstanz, 3 Mitt., in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 112, Abt. 2 b, 1903, 119, Abt. 2 b, 1910, auch selbständig; usw.
L.: J. Stritar, in: Wr. Landwirtschaftl. Ztg. 70, 1920, S. 520; Eisenberg, 1893, Bd. 2; Poggendorff 3–4, 6; 60 Jahre Hochschule für Bodenkultur in Wien, 1933, Tl. 1, S. 94, Tl. 2, S. 17; 100 Jahre Hochschule für Bodenkultur in Wien 1872–1972, 1, 1972, S. 101, 177.
(K. Kadletz)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 304f.
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