Schmidt, Carl Eugen (1865-1948), Theologe und Seelsorger

— Carl Eugen Schmidt, Theologe und Seelsorger. Geb. Preßburg/Pozsony, Oberungarn (Bratislava, Tschechoslowakei), 29. 10. 1865; gest. ebenda, 22. 10. 1948. Sohn des Klavierbauers Carl Jakob Ludwig S., Enkel des Klavierbauers Carl Wilhelm S. (beide s. d.); evang. AB; während des Besuches des Lyzeums in Preßburg (1876–84) widmete sich S. als Mitgl. des Dt. Ver. dem Stud. der dt. Klassiker. 1884/85 stud. er Dt. und Phil. an der Univ. Wien, ab 1885 Theol. an der Theolog. Akad. Preßburg, 1888 Theol. und Phil. an der Univ. Heidelberg, 1888/89 Theol. an der Univ. Berlin, wo er bes. von Franz Steinmeyer beeinflußt wurde; 1907 Lic. theol., 1889 ordiniert, arbeitete S. zunächst als Pfarramtsgehilfe in Preßburg (wo er den Rest seines Lebens wirkte), wurde jedoch bereits 1890 zum Pfarrer gewählt. Im selben Jahr Religionslehrer an der Handelsakad. und an der Lehrerbildungsanstalt, brachte ihn seine streng orthodoxe Einstellung bald in Gegensatz zur eher liberal eingestellten Lokaltradition. S. sammelte bald eine Gruppe von Theologiestudenten um sich („Preßburger Schule“) und gründete 1892 einen protestant. Männer- und Jünglingsbund. 1891 eröffnete S. das Mutterhaus der aus Gallneukirchen (OÖ) berufenen Diakonissen, wo er 1893–1942 auch als Seelsorger wirkte. 1896 führte S. den alten reformator. Choral – in diesem Sinne wurde auch das Gesangbuch neu aufgelegt – in der Liturgie ein. Dem 1895 von der Dt. ref. Gemeinde Budapest unternommenen Versuch, die gesamte ung. Kirche der Baseler Mission zu unterstellen, wirkte S. energ. entgegen und nahm seinerseits Verbindung mit der Leipziger Mission auf, deren Dir., Karl v. Schwarz, er nach Ungarn einlud. 1909 wurde auf sein Bestreben der ungarländ. Missionsver. gegründet, wodurch sich die Beziehungen zur Leipziger Mission festigten. S. nahm 1898 an der Generalsynode der luther. Freikirche in Breslau (Wrocław) teil. Ab 1903 gehörte er als einziger Vertreter der ung. Protestanten der Allg. Luther. Konferenz an. Ab 1910 Senior des Seniorats der Stadt Preßburg, unterrichtete S. auch als Prof. für prakt. Theol. an der Theolog. Akad. Preßburg. S., der während des Ersten Weltkriegs zusätzlich als Militärseelsorger fungierte, bemühte sich 1918 bes. um die Organisation des dt. Protestantismus in der Slowakei: Nachdem sein auf der Synode von Trentschin-Teplitz (Trenčín-Teplice) 1921 unternommener Versuch, die dt. Gemeinden zusammenzufassen, gescheitert war, wollte er die Preßburger Gemeinde stärker an die dt. evang. Kirche von Böhmen, Mähren und Schlesien binden, doch konnte er sich aufgrund des Opponierens der slowak. Mehrheit nicht durchsetzen. 1920–25 war S. Abg. der Fraktion „Christlich-soziale Partei und dt. -ung. Wahlblock“ im tschechoslowak. Parlament. 1924 begründete er den dt. Pfarrver. in der Slowakei, dessen erster Vorsitzender er wurde. Nach der territorialen Umgestaltung des Seniorats Preßburg 1925 blieb S. bis 1932 Senior. S. nahm an zahlreichen protestant. Kongressen, bes. des Gustav-Adolf-Ver., teil (so in Eisenach, Stuttgart, Augsburg, Hamburg und Prag/Praha) und hielt ab 1926 Vorträge auch in evang. Gemeinden Böhmens, Mährens und Schlesiens. Nach seiner 1930 in Augsburg vorgetragenen Forderung nach einem Zusammenschluß der dt. evang. Gemeinden der Slowakei drohte ihm ein kirchliches Disziplinarverfahren. 1941 legte S. seine Ämter zurück. Aus Altersgründen blieb ihm nach 1945 die Ausweisung erspart. 1921 wurde S. Dr. theol. h. c. der Univ. Wien. S. war ab 1892 mit der Tochter eines Rechtsanwalts, Adele v. Kolényi, verheiratet. Sein Sohn Karl fiel 1914, sein Sohn Walter starb 1923, sein Sohn Felix wurde 1944 in das KZ Mauthausen eingeliefert.

W.: Auf dunklen Pfaden, 1885; Beitrr. zur Geschichte der evang. Gemeinde A.B. zu Preßburg. Die Lebensläufe der Pfarrer, 1906; zahlreiche Predigten; usw. Hrsg.: Christliches Gesangbuch für evang. Gemeinden A. B., 1895, 3. Aufl. 1903; Der Friedensbote 1ff., 1897ff.
L.: Brümmer (s. S. Karl E.); G. Reschat, Das dt. sprachige polit. Ztg. Wesen Preßburgs. Unter bes. Berücksichtigung der Umbruchsperiode 1918/20 ( = Südosteurop. Arbeiten, 26), 1942, S. 47, 171; A. Hudak, C. E. S. Ein Beitr. zur Geschichte der luther. Kirche im Karpatenraum, 1965 (mit Bildern und Werksverzeichnis); R. Rudolf u. a., Preßburger Land und Leute, 2. Aufl. 1985; G. Schlag, Burgenland. Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien. 20. Jh., (1991); UA Wien; Mitt. I. Chalupecký, Levoča, Tschechoslowakei.
(R. Rill)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 247f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>