Schmidt, Carl Friedrich Heinrich (1824-1894), Kunsttischler und Innenausstatter

— Carl Friedrich Heinrich Schmidt, Kunsttischler und Innenausstatter. Geb. Stralsund, Preußen (Deutschland), 29. 6. 1824; gest. Seewalchen (OÖ), 22. 10. 1894. Evang. AB. Sohn eines preuß. Mjr. aus einer ursprünglich aus dem sächs. Hohenhaida stammenden Zimmermannsfamilie, Vater von Otto S. (s. unten), Erich August S., Max S. (beide s. d.) und Carl Leo S. (s. unter Max S.). In Hamburg zum Kaufmann ausgebildet, kam er 1850 nach Prag und trat dort in die Papiertapetenfabrik Sieburger ein, 1853–57 leitete er deren Filiale in Pest (Budapest). 1858 gründete S. in Wien I. die „Tapetenniederlage F. Schmidt & Sugg“, die 1864 sogar Tapeten für das Appartement der Kn. Elisabeth in Schönbrunn lieferte, und konnte schließlich die Fa. zur Gänze erwerben. Seinen Aufschwung erlebte das Unternehmen, als zu Beginn der 70er Jahre der älteste Sohn, Otto S. (geb. Budapest, Ungarn, 4. 10. 1854; gest. Wien, 16. 3. 1895), in das nunmehr „Friedrich Otto Schmidts technisches Atelier für Zimmerdecorationen“ genannte Unternehmen eintrat, das komplette Einrichtungen bis hin zur Stuckdekoration und Zimmereinrichtung liefern konnte. Die Fa. gehörte nicht nur zu den kommerziell erfolgreichsten Ausstattungsunternehmen der Wr. Gründerzeit (so schuf S. u. a. die Innenausstattung zahlreicher Adelspalais und arbeitete auch mit dem als „Theaterbauer“ bekannt gewordenen Architektenteam Fellner und Helmer [beide s. d.] zusammen, für das er die Innenausstattungen besorgte), das seinerseits eine Reihe von Bildhauerwerkstätten unter Vertrag hatte, sondern nahm auch aktiv an den vom Österr. Mus. für Kunst und Ind. ausgehenden kunstgewerblichen Reformbestrebungen teil (so gestaltete sie etwa die „altdeutschen Zimmer“ auf der Eröffnungsausst. des Mus. 1871 und auf der Wr. Weltausst. 1873). Den zeitgenöss. Intentionen folgte auch die Ausstattung der 1874 fertiggestellten Schmidt-Villa in Seewalchen, wo freundschaftliche Kontakte mit Musikern, Literaten und Malern, wie Amerling und Makart (beide s. d.), gepflegt wurden. Schon bald wandte sich die Fa. jedoch von der im Historismus üblichen oberflächlichen Nachahmung hist. Stilvorbilder ab und der Herstellung detailgenauer Kopien alter Vorbilder zu. Nach dem Tod S.s übernahmen seine Söhne Max und Carl Leo S. die Leitung des florierenden Unternehmens.

L.: vgl. auch Literaturverzeichnis Max Schmidt, E. B. Ottillinger, in: 22. Wr. Kunst- und Antiquitätenmesse, Wien 1990, S. 177ff. (Kat.); L. A. Frankl, F. v. Amerling, 1889; H. Pemmer – N. Lackner, Die Währinger Strasse ( = Beitrr. zur Heimatkde. des IX. Wr. Gemeindebez. 3), 1968, s. Reg.; V. J. Behal,Möbel des Jugendstils. Smlg. des Österr. Mus. für angewandte Kunst in Wien ( = Materialien zur Kunst des 19. Jh. 29), 1981, s. Reg.; Wr. Stadt- und Landesbibl., Hss.Smlg., Wr. Stadt- und LA, beide Wien; Mitt. I. Schmidt, Wien, und E. Uffermann, Seewalchen am Attersee, OÖ.
(E. Hann – E. B. Ottillinger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 248f.
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