Schmidt, Carl Wilhelm (1794-1872), Klavierbauer

— Carl Wilhelm Schmidt, Klavierbauer. Geb. Köthen, Anhalt-Köthen (Deutschland), 20. 6. 1794; gest. Preßburg/Pozsony, Oberungarn (Bratislava, Tschechoslowakei), 9. 6. 1872. Sohn eines Bildhauers, Vater des Vorigen, Großvater des Theologen und Seelsorgers Carl Eugen S. (s. d.); evang. AB. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, ging S. 1812 nach Wien, wo er schließlich das Klaviermacherhandwerk (die Synthese von Handwerk und Musik entsprach seinen Neigungen) u. a. bei Joseph Wachtl erlernte; zuletzt war er Geschäftsleiter bei Beethovens Freund Konrad Graf. 1822 ließ er sich als Klaviermacher in Preßburg nieder, wo er 1825 das Bürgerrecht erhielt, 1839–61auch Mitgl. des Äußeren Rates war. S. erzeugte 1823–59 (Geschäftsübergabe an seinen Sohn) 1311 Klaviere, alle mit Wr. Mechanik, die auch in Deutschland guten Ruf hatten. Er trieb auch akust. Stud.; 1829–54 erzeugte er 56 Klaviere mit gepreßten und gewölbten Resonanzböden, einer Neuerung, die ihm zugeschrieben wird. S. hatte großen Anteil am kulturellen, insbes. musikal. Leben der Stadt: bei ihm verkehrten und konzertierten u. a. der Pianist Sigismund Thalberg, 1834 Johann Nep. Hummel (s. d.), der zu seinen Freunden zählte, 1838 (und dann wieder 1856) Klara Wieck, 1839/40 Liszt (s. d.), der seine Instrumente bes. schätzte. Im Konzertsaal des von S. 1840 erworbenen sog. „Kettenhauses“ konzertierten 1847 Anton Rubinstein, 1853 Hans v. Bülow, es fanden aber auch literar. Veranstaltungen auf Betreiben des Schriftstellers Tobias Gottfried Schröer (Ps. Christian Öser) statt.

L.: (Städt. ) Preßburger Ztg. vom 27. 2. 1823, 28. 2. 1840 und 11. 6. 1872; Neues Preßburger Tagbl. vom 10. 5. 1934; Grenzbote (Preßburg) vom 11. 4. 1943 (mit Bild); Z. Hrabussay, in: Hudobnovedné štúdie 5, 1961, S. 206f.; Černušák – Štědroň – Nováček; K. Benyovszky, J. N. Hummel, 1934, S. 122ff.; A. Hudak, C. E. Schmidt, 1965, S. 17ff.; R. Rudolf – E. Ulreich – F. Zimmermann, Preßburger Land und Leute, 1976; R. Rudolf – E. Ulreich, KarpatenDt. Biograph. Lex., 1988; Z. Nováček, Hudba v Bratislave, o. J., S. 171, 189, 194f.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 249
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