Schmid, Ferdinand (1862-1925), Statistiker und Rechtswissenschaftler

Schmid, — Ferdinand Statistiker und Rechtswissenschafter. Geb. Troppau, österr. Schlesien (Opava, Tschechoslowakei), 18. 8. 1862; gest. Coburg, Bayern (Deutschland), 24. 11. 1925. Sohn eines Gymnasialdir.; stud. 1880–84 an der Univ. Wien Jus, 1885 Dr. jur. Er war zunächst bis 1886 Konzipient an der nö. Finanzprokuratur, kam dann in die Statist. Zentralkomm. und wurde dort 1890 Hofkonzipist, 1895 Vizesekretär. 1894/95 wurde ihm die Einrichtung und Leitung des neu errichteten statist. Amtes der Landesregierung von Bosnien und der Herzegowina in Sarajevo anvertraut; in dieser Eigenschaft leitete S. die dortige Volkszählung. 1898–1901 war S. Vizesekretär im Arbeitsstatist. Amt des Handelsmin., wobei er insbes. die ab 1900 erscheinende Ms. „Sociale Rundschau“ red. Er habil. sich 1895 an der Univ. Wien für Statistik, 1897 auch für Verwaltungslehre und Verwaltungsrecht, und wurde 1901 als Nachfolger V. Johns (s. d.) ao., 1904 o. Prof. dieser Fächer an der Univ. Innsbruck; 1905/06 Dekan. 1908 als o. Prof. für Statistik und Verwaltungslehre an die Univ. Leipzig berufen, leitete S. dort auch ab 1916 als Dir. die vereinigten staatswiss. Seminare der Univ. 1919 trat er wegen eines Augenleidens i. R. S.s wiss. Arbeiten bewegten sich zunächst vorzugsweise auf statist. und verwaltungsrechtlichem Gebiet; er zog neue Quellen für seine Statist. Untersuchungen heran, an die er meist auch für seine Zeit sehr fortschrittliche sozialpolit. Überlegungen knüpfte. An sozialen Strukturproblemen sehr interessiert, hielt er in Innsbruck – neben den Hauptvorlesungen über seine Nominalfächer und Vorlesungen über Agrarpolitik und österr. Agrarrecht sowie über österr. Arbeiter- und Arbeiterversicherungsrecht - auch eine Vorlesung über die „Geschichte der sozialen Theorien“. In seinem Werk „Das Heeresrecht der österr.-ung. Monarchie“, 1903, stellte er in kompendiöser Gestalt erstmals das gesamte Recht des Militärwesens zusammen, in der umfangreichen Arbeit „Bosnien und die Herzegovina unter der Verwaltung Österreich-Ungarns“, 1914, behandelte er unter erstmaliger Vereinigung des einschlägigen reichen Materials die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Verwaltungseinrichtungen dieser Länder. Er galt in Österr. als Autorität in Verwaltungsfragen, sein für seine Arbeitsgebiete vielfach reformator. Wirken wird hervorgehoben.

W.: Stud. über die Reform des österr. Finanzverwaltungsverfahrens, 1909; Kriegswirtschaftslehre, 1915; Beitrr. in Österr. Staatswörterbuch, 2. Aufl., hrsg. von E. Mischler und J. Ulbrich, 1–4, 1905–09; zahlreiche Beitrr. in Fachz., u. a. Statist. Ms., Oesterr. Z. für Verwaltung; usw. Hrsg.: Österr. Verwaltungsarchiv 1–5, 1905–07.
L.: N. Fr. Pr. und Voss. Ztg. vom 27. 11. 1925; K. Přibram, in: Statist. Ms., NF 18, 1913, S. 737 f.; Rektorswechsel an der Univ. Leipzig . . . 1926, o. J., S. 5; F. Klezl-Norberg, in: Allg. Statist. Archiv 28, 1939, S. 171 f.; Handwörterbuch der Staatswiss., hrsg. von J. Conrad u. a., 3. Aufl., 7, 1911; H. Leeb, Geschichte der Univ. Innsbruck von 1898 bis 1908, phil. Diss. Innsbruck, 1968, S. 257 ff.; G. Oberkofler, Stud. zur Geschichte der österr. Rechtswiss. ( = Rechtshist. R. 33), (1984), S. 387 ff.; UA Wien.
(G. Oberkofler)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 254
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>