Schmidt, Florian (1803-1872), Dirigent und Komponist

Schmidt, — Florian Dirigent und Komponist. Geb. Reichenberg, Böhmen (Liberec, Tschechoslowakei), 1. 9. 1803; gest. ebenda, 11. 2. 1872. Sohn eines Tuchmachers, Vater des Dirigenten Josef S. (s. unten); nach Musikunterricht bei dem Reichenberger Chorrektor Wolleck besuchte er 1818 und 1821 den Präparandenkurs und war 1823–25 Schulgehilfe. 1826 war er Violinschüler von F. W. Pixis (s. d.) am Prager Musikkonservatorium. Gem. mit J. Proksch (s. d.) gründete er 1827 den Reichenberger Musikal. Ver., dessen Leitung er 1830 übernahm. 1831 wurde S. in der Nachfolge Wollecks Chorrektor, ein Amt, das er bis 1870 bekleidete. Er bildete das Orchester neu und führte die schwierigsten Messen (z. B. 1832 Beethovens Missa solemnis) ebenso auf wie die Oratorien Haydns oder 1840, 1841 und 1860 Mendelssohn-Bartholdys „Paulus“. Auch auf dem Gebiet der weltlichen Musik war S. die dominierende Persönlichkeit Reichenbergs: 1828–63 Kapellmeister des Schützenkorps, wirkte er auch als Theaterkapellmeister und gründete 1845 den Reichenberger Männergesangver., 1870 den Frauenchor Cäcilia. Höhepunkte waren die ab 1840 abgehaltenen „Musikfeste“, bei denen S. neben Oratorien auch Symphonien der Wr. Klassik aufführte. Sein Sohn Josef S. (geb. Reichenberg, 4. 9. 1846; gest. ebenda, 26. 8. 1914) stud. 1858–64 am Prager Musikkonservatorium und übernahm nach Tätigkeitals Geiger und Dirigent in der Kapelle des IR 53 von seinem Vater die Stelle als Chorrektor, 1872 auch die Leitung des Männergesangver. und des Frauenchors. Auch er erwarb sich große Verdienste um das Kirchenmusik- und Konzertleben Reichenbergs.

W.: Jubiläumsmesse, 1868; Die Grablegung Christi, 1870 (Oratorium); Antiphone; Hymnen; Männerchöre; 3 Messen; 3 Requiems; usw. – Publ.: Prakt.Chorgesangschule, 1864; usw.
L.: Reichenberger Ztg. vom 14.–15. und 17–18. 2. 1872, 15.–16. 10. 1905; C. J. Czoernig, in: Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst 19, 1828, S. 65 f.; F. Moißl, in: Dt. Arbeit 5, 2, 1906, S. 226 f. (mit Bild); Mitt. des Ver. für Heimatkde. des Jeschken-Isergaues 21, 1927, S. 150; R. Müller, J. Proksch, 1874, S. 18 f.; ders., Geschichte der k. k. priv. Reichenberger Schützen-Ges., 1895, S. 119 f., 138 ff.; Reichenberg in der Zeit der Selbstverwaltung . . ., 1902, S. 222 ff., 228; A. F. Ressel, Heimatskde. des Reichenberger Bez. 1, 1903/04, S. 537 ff.; Reichenberg, bearb. von R. Gränzer, 1974, S. 240 ff. – Josef S.: Reichenberger Ztg. vom 27. 8. 1914 (Abendausg.); F. Moißl, in: Dt. Arbeit 5, 2, 1906, S. 227 f.; Mitt. des Ver. für Heimatkde. des Jeschken-Isergaues 8, 1914, S. 180 f.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 255f.
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