Schmidt, Heinrich (1779-1857), Theaterdirektor und Schriftsteller

Schmidt, — Heinrich Theaterdirektor und Schriftsteller. Geb. Weimar, Sachsen-Weimar-Eisenach (Deutschland), 27. 9. 1779; gest. Wien, 14. 4. 1857. Sohn eines Kaufmanns, evang. AB; Schwiegervater des Architekten L. Ch.f. Förster (s. d.); nach Gymnasialbesuch in Weimar stud. er wahrscheinlich ab 1798 an der Univ. Jena Jus und hörte daneben auch philosoph. Vorlesungen (u. a. bei Fichte). Er verkehrte im Hause Schillers sowie Goethes, von dem er – nach seiner eigenen Schilderung – Schauspielunterricht erhielt und 1801 an das Hofburgtheater in Wien empfohlen wurde (wo allerdings sein Auftreten nicht belegt ist). 1805–13 war S. Dir. (aber auch Bassist) des Esterház. Theaters in Eisenstadt, das – nicht zuletzt durch das musikal. Wirken J. Haydns und J. N. Hummels (s. d.) – ein hohes Niveau hatte, zugleich auch für die Kunst- und Musiksmlg. des Fürsten zuständig. Danach lebte er in Wien seinen literar. Arbeiten, ab 1815 leitete er das Theater in Brünn (Brno), in dem Opern, Schauspiele und Singspiele aufgef. wurden. Er verpflichtete immer wieder Gäste aus Wr. Theatern, führte erstmals ein stehendes Chorpersonal ein und erhöhte den Personalstand des Orchesters. Wegen finanzieller Differenzen mit der Stadt legte er 1825 die Dion. des Theaters nieder, nahm sie jedoch Ostern 1831 nach dem Niedergang des Theaters unter seinem Nachfolger Alois Zwoneczek wieder auf und führte die Dion.Geschäfte bis 1837. Danach zog er sich ins Privatleben nach Wien zurück. Er verfaßte seine Erinnerungen, die jedoch, obwohl er mit zahlreichen Größen der Zeit bekannt war – so stand er mit Goethe auch noch in späteren Jahren in Kontakt –, mehr Selbstbespiegelung als von kulturhist. Wert sind. S. war ab 1804 mit der Sängerin (Maria) Theresia Dollinger (geb. Wien, 14. 12. 1786; gest. Kismarton, Kom. Sopron/Eisenstadt, Bgl., 12. 6. 1806), der Tochter eines Postverwalters, verheiratet, angeblich einer Schülerin Haydns. 1813 heiratete er die Sängerin Elise Schneider (gest. 1850), die 1807–13 in Eisenstadt engagiert war (u. a. sang sie die Donna Elvira in Mozarts „Don Giovanni“). Ab 1814 trat sie in Brünn als Erste dramat. Sängerin (u. a. Leonore in Beethovens „Fidelio“) auf. S.s Schwester war die SchwiegertochterHerders.

W.: Ged., 1800; Cendrillon, 1810, Musik von N. Isouard (Zauberoper; bearb. nach dem Französ.); Das Oesterr. Feldlager, 1814; Erinnerungen eines Weimar.Veteranen aus dem geselligen, literar. und Theater-Leben, 1856; Beitrr: in Z.; usw.
L.: Wr. Ztg. (Abendausg.) vom 15. 4. 1857; A. Csatkai, in: Neue Heimatbll. 1, 1935/36, S. 41ff.; f. Probst, in: Burgenländ. Heimatbll. 14, 1952, S. 55ff. (auch für Theresia Dollinger); ADB; Brümmer, 18. Jh.; Goedeke, s. Reg.; Kosch; Kosch, Theaterlex.; Wurzbach; A. Rille, Die Geschichte des Brünner Stadt-Theaters 1734–1884, 1885, s. Reg.; R. M. Prosl, Zur Geschichte des Bühnenwesens in Niederdonau ( = Niederdonau, Ahnengau des Führers 33/34), 1941, S. 56ff.; M. Horányi, The Magnificence of Esterháza, 1962, s. Reg.; E. Steiner, Die Brünner und ihr Stadttheater, (1964), S. 30ff., 35ff. – Theresia S.: H. Schmidt, Erinnerungen . . ., 1856, S. 182f.; Die Tagebücher von J. C. Rosenbaum 1770–1829, hrsg. von E. Radant ( = Das Haydn Jb. 5), (1968), S. 134; Pfarramt St. Stephan, Wien. – Elise S.: M. Horányi, The Magnificence of Esterháza, 1962, S. 186, 244; Haydn Year book 14, 1983, S. 122.
(A. Hofmann-Wellenhof – H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 268
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