Schmid, Johann Joseph (1785-1851), Pädagoge und Fachschriftsteller

Schmid Johann Joseph Pädagoge und Fachschriftsteller. Geb. Au (Bregenzerwald, Vorarlberg), 25. 12. 1785; gest. Paris (Frankreich), 14. 3. 1851. Sohn eines Viehhändlers, Bruder der Lehrerin und Erzieherin Maria S. (s. d.); trat 1801 als Schüler in Johann Heinrich Pestalozzis Erziehungsinst. in Burgdorf (Schweiz) ein, wo er, seiner bes. Begabung entsprechend, bereits 1803 Unterlehrer für Rechnen und Zeichnen wurde. Er übersiedelte mit dem Inst. 1804 nach Münchenbuchsee und wurde von Pestalozzi 1805 als Lehrer der Mathematik nach Yverdon-les-Bains/Iferten berufen; dort blieb er, pädagog. und fachlich sehr erfolgreich, bis 1810. Seine 1809 und 1810 erschienenen, nach Pestalozzis Methode gearbeiteten Lehr- bzw. Übungsbücher für Mathematik und Zeichnen zeigen S.s prakt.realist. Orientierung, die ihn in Gegensatz zu mehr theoret.-idealist. Strömungen im Inst. brachte. Nach Zwistigkeiten mit deren Hauptvertreter, Johannes Niederer, verließ S. 1810 das Inst. und faßte seine Kritik in den „Erfahrungen und Ansichten über Erziehung, Institute und Schulen“, 1810, zusammen; doch verraten seine nun folgenden Pläne, in Vorarlberg eine Ind.- und Armenschule und eine Lehrerbildungsanstalt zu begründen, weiterhin den Einfluß seines Lehrers. 1812 Schulvorsteher in Bregenz, kehrte er 1815 auf Pestalozzis und Niederers Bitten nach Yverdon zurück, wo er beinahe die gesamte äußere Leitung des Hauses besorgte. Die Rivalität des menschlich gewiß problemat. S. mit Niederer führte jedoch zum offenen Streit und 1817 zu dessen aufsehenerregender Lossagung von Pestalozzi. S. – seine jüngste Schwester, Maria Katharina (1799–1853), war ab 1822 mit dem Enkel Pestalozzis, Gottlieb, verheiratet – stand seinem Lehrer weiterhin zur Seite und suchte auch die immer schwieriger werdende ökonom. Lage des Inst. durch die Betreuung von Pestalozzis „Sämtlichen Schriften“ (15 Bde., 1819–26) zu bessern. Anfeindungen polit. und persönlicher Art führten schließlich 1824 zu seiner Ausweisung aus dem Kt. Waadt, dann auch aus dem Kt. Aargau und 1825 zur Auflösung des Inst. in Yverdon. S. ging 1825 und 1826 nach Paris und London, um Übers. von Pestalozzis Schriften zu befördern, 1827–29 lehrte er Mathematik am Inst. Morin in Paris und in Fontenay-aux-Roses; danach war er nur noch als Privatlehrer in Paris tätig. Pläne, wie etwa die Begründung von Z., die einer „Lesebibliothek für das Volk“ oder die Veröff. eines Lehrbuchs der Mathematik in französ. Sprache blieben unverwirklicht. Auch sein Bruder Johann Michael (1788–1807) war im Lehrberuf tätig.

W.: Die Erhebung der Zahlen in ihre Quadrate, 1804; Das Ausziehen der Wurzel, 1804; Die Elemente des Zeichnens, nach Pestalozzi’s Grundsätzen bearb., 1809; Die Elemente der Form und Größe (gewöhnlich Geometrie genannt). . ., 3 Tle., 1809–11; Die Anwendung der Zahl auf Raum, Zeit, Werth und Ziffer . . ., 1810; Die Elemente der Zahl, als Fundament der Algebra . . ., 1810; Die Elemente der Algebra . . ., 1810; Gedanken über Mathematik und über Anwendung der mathemat. Erkenntnisse auf den bürgerlichen Erwerb, 1812; Wahrheit und Irrthum in Pestalozzi’s Lebensschicksalen . . ., 1822 (mit autobiograph. Angaben); Fellenberger’s Klage gegen Pestalozzi, 1827; Pestalozzi und sein Neuhof, 1847; Reden; usw. Hrsg.: Georg Sigrist’s Briefe an S. über seine Ansichten . . . der Erziehungs-Inst. etc. . . ., 1811.
L.: L. Battista, in: Erziehung und Unterricht, 1951, S. 359f.; J. Hiller, Au im Bregenzerwald, (1890), S. 222 ff; H.f. Wagner, Pestalozzi und die Geschwister S., 1891 (im wesentlichen Abdruck von J. Hiller); C. M. Halter, J. S., phil. Diss. Zürich, 1943 (mit Bild); f. Huber – W. Klauser, Der Lehrerstreit in Iferten, 1946, bes. S. 109ff.; J. Köppl, J. S., 1949; Lex. der Pädagogik 3 (1952) (s. S. bzw. Pestalozzi); Landes- und Volkskde., Geschichte, Wirtschaft und Kunst Vorarlbergs, hrsg. von K. Ilg. 2, 1968, S. 494; s. auch Literaturverzeichnis Maria S.
(K.-H. Burmeister – H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 274f.
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