Schmidt, Walter (1885-1945), Mineraloge und Geologe

Schmidt, — Walter Mineraloge und Geologe. Geb. Wien, 4. 3. 1885; gest. Berlin (Deutschland), 26. 4. 1945 (gefallen). Sohn des Historikers, Geographen und Schulmanns Wilhelm S., Bruder des Meteorologen Wilhelm M. S. (beide s. d.). Stud. ab 1903 Geol. und Zool. an der Univ. Wien, u. a. bei O. Abel und Grobben (beide s. d.). 1907 Dr. phil., setzte er seine Stud. an der Montanist. Hochschule in Leoben fort, wurde dort 1910 Aushilfsass., nach Ablegung der Zweiten Staatsprüfung für Berging. (1912 Dipl.Ing. mont.) Ass. an der Lehrkanzel für Geol., Paläontol. und Lagerstättenlehre, 1913 Adjunkt. Schon 1915 Doz. für ausgewählte Kapitel der Geol., wurde er 1918 o. Ass. sowie Tit. ao. Prof. für Mineral, und Gesteinskde., 1923 Priv.Doz. für theoret. Mineral. und theoret. Geol., suppl. längere Zeit die Lehrkanzel in Leoben und wirkte 1926/27 als Lehrbeauftragter für Mineral. und Petrographie an der Univ. Göttingen. 1927 als o. Prof. ad personam auf das Extraordinariat für Mineral. und Petrographie an die Univ. Tübingen berufen, erhielt er dort 1928 nach der Ablehnung einer Berufung an die Univ. München ein Ordinariat und übernahm 1930 den Lehrstuhl für Mineral. und Petrographie an der Techn. Hochschule Berlin-Charlottenburg. Während des Ersten Weltkriegs war S. mit kriegswirtschaftl. Aufgaben der Erzaufbereitung in Böhmen, Sachsen und am Balkan befaßt. Schon bald wandte er sich von stratigraph.-paläontolog. Arbeiten ab, widmete sich aufgrund des Zusammentreffens von geolog.-petrograph. und mechan.-technolog. Ausbildung der Erforschung des Mechanismus der Gesteinsumformung und legte als erstes Ergebnis eine Publ. über mechan. Probleme der Gebirgsbildung vor, der grundlegende Bedeutung zukommt. Aus dem messenden Stud. des Gesteinsgefüges und den Vergleichen mit der technolog. Metalldeformation entwickelte er eine neue geowiss. Arbeitsrichtung, mit der er der petrograph. Betrachtungsweise von Bruno Sander in Innsbruck nahekam. In wechselseitiger publizist. Diskussion schufen die beiden Autoren als neues Fachgebiet die Gefügekde., die bald auch in die anglo-amerikan. Literatur Eingang fand. Der Tod S.s beendete die gem. Arbeit, sodaß heute vielfach die Gefügekde. als alleinige Schöpfung Sanders angesehen wird. S., schon im Ersten Weltkrieg für kriegsuntaugl. erklärt, wurde auch im Zweiten mit prakt. geolog. Aufgaben betraut, aber in den letzten Kriegstagen zum Volkssturm einberufen und fand im Kampf um Berlin den Tod. Mitbegründer der weltweit angewendeten tekton. Gefügekde., war es S. als erstem gelungen, durch Einführung der Statist. Methode Gefügeregelungenquantitativ zu erfassen (Schmidtsches Netz).

W.: Mechan. Probleme der Gebirgsbildung, in: Mitt. der Geolog. Ges. in Wien 8, 1915; Statist. Methoden beim Gefügestud. krystalliner Schiefer, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 126, Abt. 1, 1917; Gesteinsumformung ( = Denkschriften des Naturhist. Staatsmus. . .., 3), 1925; Gefügestatistik, in: Tschermaks Mineralog. und Petrograph. Mitt., NF 38, 1925; Zu Sanders „Zur petrographisch-tektonischen Analyse“, in: Verhh. der geolog. Bundesanstalt, 1926; Tektonik und Verformungslehre, 1932; Lehrbuch der Mineral., gem. mit E. Baier, 1935; Scherung, gem. mit H. W. Lindley, in: Mineralog. und Petrograph. Mitt., NF 50, 1939; usw.
L.: H. P. Cornelius, in: Mitt. der Geolog. Ges. in Wien 36/38, 1949, S. 325ff. (mit Werksverzeichnis); W. E. Petrascheck, in: Berg- und hüttenmänn. Monatshe. 130, 1985, S. 276f.; Kürschner, Gel.Kal., 1931–40/41; Poggendorff 6–7a; W. Ebel, Cat. Professorum Gottingensium 1734–1962, 1962, S. 182; H. Strunz, Von der Bergakad. zur Techn. Univ. Berlin, 1770–1970, (1970), S. 52 (mit Bild); H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae ( = Cat. Fossilium Austriae 15), 1971; W. Frh. v. Engelhardt – H. Hölder, Mineral., Geol. und Paläontol. an der Univ. Tübingen . . . ( = Contubernium 20), 1977, S. 47.
(W. E. Petrascheck)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 299
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