Schmidt, Wilhelm (1817-1901), Historiker

Schmidt, — Wilhelm Historiker. Geb. Olmütz, Mähren (Olomouc, Tschechien), 28. 5. 1817; gest. Suczawa, Bukowina (Suceava, Rumänien), 30. 5. 1901. Sohn eines Off. Stud. Geschichte, Germanistik, Geographie sowie klass. Philol. an der Univ. Lemberg (L’viv) und bildete sich 1856 an der Univ. Wien bei Aschbach, A. Jäger (s. d.) und Friedrich Simony weiter. Ab 1848 lehrte er am Staatsgymn. in Bochnia und wurde 1854 an das kath. Staatsgymn. nach Hermannstadt (Sibiu) berufen. Im Zuge neuer, ab dem Schuljahr 1868/69 geltender Sprachenverordnungen zur Disponibilität gestellt, wurde er als Supplent 1868 dem Obergymn. in Czernowitz (Černivci) zugewiesen, von wo er im folgenden Jahr an das Griech.-oriental. Gymn. in Suczawa kam und darauf1870/71 am Staatsreal- und Obergymn. Freistadt (OÖ) wirkte. 1871 als def. Lehrer an das Gymn. Iglau (Jihlava) berufen, war er dort 1872/73 beurlaubt und trat mit November 1873 i. R. S., der schon in Bochnia mit hist. Forschungen befaßt war, stand in Hermannstadt in enger Beziehung zu den Vertretern der siebenbürg.-sächs. Geschichtswiss., in deren Publ. er zahlreiche Abhh. veröff. Seit seiner Übersiedlung nach Suczawa, wo er auch seinen Ruhestand verlebte, widmete er sich v. a. Forschungen zur Geschichte der Moldau und Bukowina und war im Rahmen des 1892 begründeten Bukowiner Landes-Mus.Ver. tätig. Es gelang ihm zwar nicht, die von ihm geplante umfassende Geschichte der Moldau zu vollenden, aber mit der Monographie über die Hauptstadt Suczawa, in der er auch Quellen veröff., schuf er sein bedeutendstes Werk. Verdient machte er sich ferner durch die 1871–73 im Auftrag der Stadt durchgeführte Ordnung sowie Anlage von Regesten der Urkunden des sog. alten Archivs von Olmütz, in welchem er mehrere für Siebenbürgen interessante Diplome entdeckte, die er dann auswertete. S., Mitgl. mehrerer wiss. Ges., wurde 1889 zum Korrespondenten der Central-Comm. zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und hist. Denkmale für die Bukowina ernannt. Mit seinen auf gründl. Quellenstud. basierenden Arbeiten schuf er bleibende Grundlagen für weitere Forschungen und beschäftigte sich als erster wiss. mit der Geschichte der Moldau.

W.: Friedrich der Schöne v. Oesterr. im Kampfe mit Ludwig dem Bayer, in: Programm des k. k. Staats-Gymn. in Bochnia . . . 1852, 1852, auch selbständig; Die Geten und Daken, in: Archiv des Ver. für siebenbürg. Landeskde., NF 4, 1859; Die Besitzergreifung Siebenbürgens durch die Magyaren . . ., in: Transsilvania, NF 1, 1861; Das Jahr und seine Tage in Meinung und Brauch der Romanen Siebenbürgens, 1866; Die Stiftung des Kath. Theresian. Waisenhauses bei Hermannstadt . . ., 1869; Einfluss der angelsächs. Gelehrten auf die Cultivirung Deutschlands, in: Programm des griech. orient. Gymn. in Suczawa . . . 1870, 1870; Suczawa’s hist. Denkwürdigkeiten von der ersten hist. Kenntnis, bis zur Verbindung der Bukowina mit Oesterr., 1876; Hist. Splitter, in: Archiv des Ver. für siebenbürg. Landeskde., NF 15, 1880; Romano-Catholici per Moldoviam episcopatus et rei Romanae-Catholicae res gestae, 1887; Eine moldau. Sturmfahne 300jähriger Vergangenheit, in: Jb. des Bukowiner Landes-Mus. 2, 1894, auch selbständig; Der Zug nach Valea alba, 1900 (dramat. Ged.); Ged. in Buchenbll. und Bukowiner Ztg.; Abhh. in ung. Z., u. a. in Erdélyi Múz. und Századok; usw.
L.: Czernowitzer Ztg. vom 2. und 5. 6. 1901; 2. Programm des k. k. Staats-Real- und Obergymn. zu Freistadt in Ober-Oesterr. . . . 1871/72, (1872), S. 12; H. Hackel, in: 23. Jahresber. des K. Franz Josef-Staalsgymn. zu Freistadt in OÖ . . . 1893, 1893, S. 19 f; Jb. des Bukowiner-Landes-Mus. 9, 1901, S. 153; Szinnyei; Trausch, s. Reg.; Wurzbach; Filiala Arhivelor Statului din Judetul Sibiu (Kreisfiliale der Staatsarchive in Hermannstadt), Sibiu, Rumänien; Mitt G. Gündisch, Gundelsheim a. Neckar, Deutschland.
(F. Hillbrand-Grill)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 299f.
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