Schmidgruber, Anton (1837-1909), Bildhauer

Schmidgruber Anton, Bildhauer. Geb. Wien, 25. 3. 1837; gest. ebenda, 18. 4. 1909. Stud. 1850–64 (mit Unterbrechungen) an der Wr. Akad. der bildenden Künste bei Radnitzky und F. Bauer (beide s. d.) und trat ab 1861 u. a. mit Porträtarbeiten hervor. Zwei Staatsstipendien ermöglichten es ihm, seine Ausbildung in Dresden bei Ernst Julius Hähnel zu vertiefen und 1868 einen Romaufenthalt anzutreten, 1869 wurde er Mitgl. der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus). Bereits ab 1866 fand S. auch regelmäßig Beschäftigung als Bauplastiker und arbeitete als solcher bei den bedeutendsten Monumentalbauten mit, die damals in Wien entstanden: so entwarf er Bauplastiken u. a. für Votivkirche, Hofmus., Parlament, Burgtheater, Rathaus und Univ. Daneben sind auch die Stier-Gruppen am Zentralviehmarkt in Wien, 1883, die beiden Kolossalstatuen „Handel“ und „Gewerbe“ für die Wr. Weltausst., 1873, und die Dürer-Statue am Wr. Künstlerhaus, 1882, hervorzuheben. Ohne je in der ersten Reihe zu stehen, verkörpern seine Werke das gepflegte Niveau der Ringstraßenära. Zugleich repräsentiert er mit seiner der neobarokken Strömung eher gemäßigt folgenden Stilsprache eine charakterist., von den Hähnel-Schülern nicht unwesentl. geprägte Spielart der Wr. Plastik.

W.: zahlreiche Büsten; Maximilian I, Maria Theresia, beide 1867 (beide Standbilder, Festsaal, Akadem. Gymn., Wien); Wickenburg-Denkmal, 1887 (Bad Gleichenberg, Stmk.); J. Stefan, 1896, J. Loschmidt, 1899 (beide Denkmäler, Arkadenhof, Univ. Wien); Grabmäler, Zentralfriedhof, Wien; usw.
L.: N. Fr. Pr. (Nachmittagsausg.) und Illustrirtes Wr. Extrabl. vom 19. 4. 1909; Bénézit; Eisenberg, 1893, Bd. 1; Kosel 1; Thieme–Becker; Wurzbach; C. v. Vincenti, Wr. Kunst – Renaissance, 1876; C. Bodenstein, Hundert Jahre Kunstgeschichte Wiens 1788–1888, 1888, S. 173ff.; Das geistige Deutschland am Ende des 19. Jh. 1, 1898; H. Pemmer, Der Wr. Zentralfriedhof, 1924, s. Reg.; Die Denkmäler im Arkadenhofe der Univ. Wien, 1932, S. 20, 28; R. Schmidt, Das Wr. Künstlerhaus . . ., 1951, S. 51, 184; R. Wagner-Rieger u. a., Die Wr. Ringstraße – Das Kunstwerk im Bild ( = Die Wr. Ringstraße 1), 1969, Objekt 131; G. Kapner, Ringstraßendenkmäler ( = ebenda, 9/1), 1973, S. 35, 148; W. Krause, Die Plastik der Wr. Ringstraße ( = ebenda, 9/3), 1980, s. Reg.; Die Kunstdenkmäler Wiens. Die Profanbauten des III., IV. und V. Bez., bearb.von G. Hajós und E. Vancsa ( = Österr. Kunsttopographie 44), (1980), S. 179; W. Kitlitschka, Grabkult & Grabskulptur in Wien und NÖ, 1987, s. Reg.
(W. Krause)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 318f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>