Schmidl, Carlo (1859-1943), Musikverleger, Musikwissenschaftler und Sammler

Schmidl Carlo, Musikverleger, Musikwissenschafter und Sammler. Geb. Triest, Küstenland (Trieste, Italien), 7. 10. 1859; gest. ebenda, 7. 10. 1943. Sohn des ung. Komponisten und Dirigenten Anton S. (geb. Pest/Budapest, Ungarn, 19. 1. 1814; gest. Triest, 6. 4. 1880), von dem er auch die erste Ausbildung in Musiktheorie und auf der Violine erhielt. 1872 begann er als Verkäufer in der seit 1813 bestehenden Musikalienhandlung Vicentini in Triest und arbeitete ab 1883 als Musikverleger. Er gründete 1889 einen eigenen Verlag, in dem zu Ende desselben Jahres auch die Handlung Vicentini aufging und der bis 1892 bzw. 1902–14 als „C. Schmidl e Co.“ firmierte. 1901 gründete er in Leipzig eine Filiale des Verlages Ricordi (s. Ricordi Giovanni), die er bis 1906 leitete. S. erwarb Verlage u. a. in Wien („Mozarthaus“, 1903) – hier führte er 1902–06 ein Detailgeschäft –, Mailand (Cesare Baldin, 1913, A. Pucci, 1914) und Florenz (Raffaello Maurri, 1923). 1913 zog er sich vom Detailgeschäft zurück und widmete sich nur noch dem Verlag. Bei ihm erschienen u. a. die Werke alter und neuer (Busoni, Respighi) italien. Komponisten, bes. auch jener aus dem Triestiner Umfeld, wie Antonio Smareglia und Pennello (s. d.). 1913 umfaßte sein Verlagskat, ca. 6.000 Nummern, darunter die wichtige Smlg. „Tesori musicali d’Italia“. S. war eine Schlüsselfigur im Triestiner Musikleben am Ende des 19. und am Beginn des 20. Jh.: Er gründete 1884 die „Società dei Concerti“ und brachte in der Folge Kammermusikauff. mit namhaften Musikern wie Busoni, Alfred Grünfeld (s. d.), Sarasate, David Popper (s. d.) sowie dem Böhm. Streichquartett und dem Hellmesberger-Quartett zustande. 1889 gründete er die „Concorsi per la canzonetta popolare triestina“, die bis zum Ersten Weltkrieg bestanden und deren Ergebnisse – populäre, im Triestiner Dialekt gehaltene Schlager – er hrsg. Neben allen diesen Aktivitäten betrieb S. auch musikwiss. Stud., publ. Biographien von Schumann und Simone Mayr; sein Hauptwerk auf diesem Gebiet ist der „Dizionario universale dei musicisti“, noch heute ein unersetzl. bio-bibliograph. Hilfsmittel, das sonst schwer zugängl. Mitt. bes. auf dem Gebiet der italien. Oper des 17. und 18. Jh. enthält. Darüber hinaus sammelte S. Dokumentationsmaterial (Musikmanuskripte, seltene Ausg., Libretti, Photographien, Autographen, Porträts, Medaillen, Musikinstrumente, Bücher usw.) zur Musik- und Theatergeschichte, das er 1922 der Stadt Triest schenkte und das im Civico Mus. Teatrale – mit S. ab 1924 als Kustos – vereinigt wurde. Nach seinem Tod wurde das Mus., das u. a. auch eine Smlg. von Ztg.Ausschnitten über S. und die Korrespondenz der Fa. S. enthält, an die Civici Mus. di Storia ed Arteangeschlossen. Seine Frau Anastasia (Ps. Nelia Fabretto) war als Übersetzerin von musikal. Lehrwerken, Ged., Dramen, aber auch als eigenschöpfer. Schriftstellerin tätig.

W.: Dizionario universale dei musicisti, 1887–89, 2. Aufl., 2 Bde., 1926–29, Suppl.Bd. 1938; R. Schumann, 1900; Cenni biografici su G. S. Mayr . . ., (1919); usw.
L.: Enc. dello spettacolo; Grove, 1980; MGG; Riemann, 12. Aufl.; Schmidl; (G. Césari), Cent’anni di vita d’uno stabilimento musicale triestino. Le origini dello stabilimento C. Schmidl & Co., 1913, S. 50ff. (mit Bild); A. De Angelis, L’Italia musicale d’oggi, 1928; C. Sartori, Dizionario degli editori musicali italiani ( = Bibl. di bibliografia italiana 32), 1958; V. Levi, La vita musicale a Trieste, 1968, s. Reg.; La Musica, hrsg. von G. M. Gatti, 2, (1971); Enc. della Musica 5, (1972); Dizionario enciclopedico universale della musica e dei musicisti 7, 1988; G. Rodole, Ricerche sulla vita musicale a Trieste (1750–1950), 1988, S. 199ff.
(A. Dugulin – P. Federici)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 321f.
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