Schmölzer, Jakob Eduard (1812-1886), Komponist, Volksliedsammler und Flötist

Schmölzer Jakob Eduard, Komponist, Volksliedsammler und Flötist. Geb. Graz (Stmk.), 9. 3. 1812; gest. Kindberg (Stmk.), 9. 1. 1886. Sohn eines ehemaligen Soldaten, dann Gastwirts und Geldwechslers. Erhielt früh Flötenunterricht und gab 1825 sein erstes Konzert im Musikver. für Stmk. S. war nach dem Tod des Vaters (1825) gezwungen, Kanzleipraktikant zu werden, erhielt aber Unterricht von dem dt. Flötisten Theobald Böhm sowie in Generalbaß und Harmonielehre von Hüttenbrenner und Halm (beide s. d.). Ab 1835 Amtsschreiber bzw. Steuereinnehmer in kleinen steir. Orten, zuletzt im Stift Rein, absolv. S. 1839 eine Konzertreise durch die dt. Staaten, die ihn auch nach Wien führte. 1844 war er Rentmeister und Steuereinnehmer in Oberradkersburg (Gornja Radgona), ab 1845 bei der stand. Buchhaltung in Graz, wo er 1845 das Musikreferat der Ztg. „Stiria“ übernahm und sich 1846 an der Gründung des Grazer Männergesangver. (1849/50 Sangmeister) beteiligte. Auch in Radkersburg (ab 1850 Kontrollör beim Steueramt) und Wildon (1852–57) aktivierte er das Männerchorwesen, nach seiner Anstellung als Steuereinnehmer in Kindberg (1857) gründete er dort im selben Jahr den „Mürztaler-Sängerbund“. S.s dt.naţionale Gesinnung – er nahm 1860 als einziger Österreicher am Coburger Sängertag teil, wo er die Idee eines allg. Dt. Sängerbundes mitpropagierte – führte 1862 zu seiner vorzeitigen Pensionierung, worauf ihn Friedrich Gf. Attems als Gutsverwalter in Oberkindberg anstellte. 1869 begann die freundschaftl. Verbindung S.s mit der Blumenmalerin und Dichterin Maria Kartsch, verehel. Hekimjan (geb. Salzburg, 19. 7. 1847), einer Tochter von J. Kartsch und Cousine Conrads v. Hötzendorf (beide s. d.). Der frühe Verlust eines Auges hinderte S. nicht, zu malen und bis an sein Lebensende zu komponieren. Seine Verdienste um das steir. Volkslied, für das er sich ab Ende der 50er Jahre einsetzte, bleiben durch seine eigenen Ambitionen auf kompositör. Gebiet problemat., wie dies seine zweite Smlg. steir. Volkslieder verdeutlicht, die Eigenkompositionen mit Volksliedern vermengt. Seine Bestrebungen, das Volkslied durch Männerchöre zu popularisieren, stießen auf skept. Ablehnung durch den Musiktheoretiker F. v. Hausegger (s. d.). 1891 wurde S., dem Ehrenmitgl. zahlreicher Gesangsver., in Kindberg ein Denkmal von H. Brandstetter (s. d.) errichtet.

W.: Opern; Singspiele; Männerchöre; Lieder; Stücke für Flöte; usw. (s. auch Wurzbach und Universal-Hdb. der Musikliteratur . . ., hrsg. von F. Pazdírek, 1904); zahlreiche Kompositionen in Steiermärk. Landesbibl., Bibl. des Konservatoriums des Landes Stmk., Stmk. LA, alle Graz. – Publ.: Volkslieder aus Stmk., 1862 und 1880; usw.
L.: Südost-Tagespost vom 15. 8. 1957 (Beilage); Heimgarten 5, 1881, S. 276ff, 10, 1886, S. 457ff, 690ff., 15, 1891, S. 908ff.; W. Suppan, in: Jb. des Österr. Volksliedwerkes 19, 1970, S. 80ff.; ADB 54; MGG; Suppan; Wurzbach; Heini von Steier ( = H. Wastian), J. E. S . . . ., 1891 (für Maria Kartsch S. 64ff); F. Krauss, Die eherne Mark 1, 1892, S. 33, 177 ff. (mit Bild), 270; P. K. Rosegger, Gute Kameraden, 1893, S. 204 ff.; A. Prettenhofer, Der Mürztaler Sängerbund . . ., 1907; K. Schmutz, Kindberg, 1914, S. 12ff., 23; Briefwechsel zwischen P. Rosegger und F. v. Hausegger, hrsg. von S. v. Hausegger, 1924, s. Reg.; R. Latzke, Der junge Rosegger, 1943, S. 182 f.; G. Gatterer, Die Verwendung der Querflöte in der Stmk., phil. Diss. Graz, 1952, bes. S. 75ff., 136ff. (mit Verzeichnis der auf S. bezügl. Artikel in Grazer Ztg.); R. Latzke, Der ältere und der alte Rosegger, 1953, S. 47f., 76; K. Rappold, Die Entwicklung des Männerchorwesens in der Stmk. ( = Musik aus der Stmk. 4/4), 1962, s. Reg. (mit Autobiographie S. s, S. 126 ff); F. Stieger, Opernlex. 2/3, 1978; Musik in der Stmk., Graz 1980, s. Reg. (Kat.); K. Schöberl und G. Schuller, Kindberg 1232– 1982. 1982, s. Reg.; O. Hafner, P. Rosegger im Spiegel der Kunst ( = Beitrr. zur Steir. Kulturgeschichte 1), (1984), S. 83f. – Maria Kartsch: Obersteirerbl. vom 16. 10. 1937; Fuchs, 19. Jh.; Wastler; R. List, Kunst und Künstler in der Stmk. 2, 1971; Erzbischöfl. Konsistorialarchiv Salzburg, Sbg.; Mitt. K. Schöberl, Kindberg, Stmk.
(O. Hafner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 340
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