Schmoll von Eisenwerth, Karl (1879-1948), Maler, Graphiker und Designer

Schmoll von Eisenwerth Karl, Maler, Graphiker und Designer. Geb. Wien, 18. 5. 1879; gest. auf Gut Osternberg (Braunau a. Inn, OÖ), 7. 7. 1948. Die Familie nannte sich ohne Berechtigung S. v. E., erst 1910 bewilligte das Württemberg. Justizmin. S. die Führung des Namens Schmoll v. Eisenwerth als bürgerl. Namen. Sohn des Saarländ. Ing. Anton Adolph S., des Miterbauers der Kronprinz-Rudolf-Brücke (Vorläufer der Reichsbrücke) in Wien, und von Josephine S., Tochter des Wr. Hoteliers Benedikt Uhl; evang. AB. 1889 übersiedelte S. mit der Familie nach St. Wendel im Saarland, 1895 nach Darmstadt, wo er ersten Malunterricht bei Richard Hoelscher erhielt. In der Folge wurde S. stark von der Jugendstil-Künstlerkolonie Darmstadt beeindruckt, bes. nach der Berufung von Olbrich (s. d.) 1899 aus Wien. 1898 bis 1902 stud. er an der Akad. der bildenden Künste in München bei Paul Höcker und Ludwig v. Herterich. Daneben begann S. Kontakte zu den Künstlerkolonien in Dachau und Osternberg und zu der Künstlerfamilie Emil Reynier zu knüpfen. In dieser Zeit entwarf er Kunstgläser für die Glashütte Ferdinand v. Poschinger in Buchenau (Deutschland), wofür er bei der Pariser Weltausst. 1900 u. a. gem. mit Richard Riemerschmid und Julius Dietz eine Goldmedaille erhielt. Ab 1899 beteiligte sich S. an Ausst. mit Gemälden und Graphiken. Daneben entwarf er während der ersten zwei Jahrzehnte des 20. Jh. auch Schmuck und Plakate. 1900 hielt er sich in Paris auf, 1902 gem. mit Paul Klee, Hermann Haller und Carl Kaspar in Rom, 1903 eröffnete er ein Atelier in München-Schwabing. 1905 wurde er Leiter der Abt. Druckgraphik und freies Zeichnen an der „Debschitz-Schule“ (Lehr- und Versuchswerkstätten für freie und angewandte Kunst) in München, im selben Jahr Mitgl. (bis 1939) der Vereinigung bildender Künstler Österr. (Secession). 1907 wurde S. als o. Prof. für dekoratives Entwerfen an die Architekturfak. der Techn. Hochschule in Stuttgart berufen (bis 1946). 1913–15 entstand sein Hauptwerk: die sieben Wandbilder zum Nibelungenthema im Festsaal des „Cornelianum“ der Stadt Worms (kriegszerstört). Der Höhepunkt seines Monumentalstils steht unter dem Einfluß von Ferdinand Hodler und in Kontrast zur lyr. Druckgraphik seiner Frühzeit. Nach 1918 erfolgte eine leise Abwendung vom Jugendstil, Züge des Art Déco zeigen sich in kühlen Bildnissen und Landschaften. 1924 erwarb S. das Gut Osternberg von seinem Vetter, dem Maler Preen (s. d.), wurde Mitgl. der Innviertler Künstlergilde, deren Gildenmeister er ab 1924 war; 1927–29 Rektor der Techn. Hochschule Stuttgart. Wegen seiner nichtkonformen Haltung zum NS-Regime geriet S. in zunehmende Isolierung und zog sich daher in der Folge in seine Ateliers in Stuttgart und Osternberg zurück, wo er Bildnisse, Landschaften und symbolist. Motive schuf und an einem Manuskript zu kunstpädagog. Prinzipien arbeitete (unveröff.). S. wurde für seine Arbeiten vielfach ausgez., so erhielt er auf der Großen Internationalen Kunstausst. in Dresden 1904 eine Goldmedaille für seine lyr. Farbholzschnitte, 1909 die Goldmedaille für Malerei und 1912 bei einer Ausst. in Graz die Österr. Goldene Staatsmedaille.

W.: 4 Opernszenen für die Hauptloge des Stuttgarter Hoftheaters, 1911 (Württemberg. Landesmus., Stuttgart); Urteil des Paris, 1912 (Wandbild, Kunstgebäude, Stuttgart, kriegszerstört); Odysseus in der Unterwelt, 1912/13 (Monumentalgemälde, Lesesaal der Univ.Bibl. Tübingen); Hermes, 1930 (Wandbild, Handelskammer, Stuttgart, kriegszerstört); Der Hl. Michael als Beschützer des Landes, 1936 (Wandbild, Luftkriegsakad., Berlin-Gatow); usw. – Publ.: Die Nibelungenbilder im Cornelianum zu Worms, in: FS der Techn. Hochschule Stuttgart . . . 1829–1929, 1929; Meine Nibelungenbilder im Rathaus zu Worms, in: Der Wormsgau 2, 1939; usw.
L.: Neue Warte am Inn vom 27. 9., Oö. Nachrichten vom 4. 10. 1978; W. Ritter, in: Dt. Kunst und Dekoration 12, 1903, S. 377f. (mit Bild); E. Delpy, in: Die Schönheit – Mit Bildern geschmückte Z. für Kunst und Leben 15, 1915, H. 1, S. 3ff.; J. A. Schmoll gen. Eisenwerth, in: Oö. Kulturz. 28, 1978, n. 4. S. 57ff.; C. H. Watzinger, in: Jb. der Innviertler Künstlergilde 1978/79, o. J., S. 3ff.; Bénézit; Fuchs, 19. Jh.; Fuchs, Erg.Bd.; Thieme-Becker; Vollmer; H. Weizsäcker, Die Wand-Gemälde von K. S. v. E. im Cornelianum zu Worms, 1915; R. Waissenberger, Die Wr. Secession, (1971), S. 273; H. Schmoll gen. Eisenwerth, in: Kunstschulreform 1900– 33, hrsg. von H. M. Wingler, 1977, bes. S. 81; J. A. Schmoll gen. Eisenwerth, in: Die Nibelungen. Bilder von Liebe, Verrat und Untergang, hrsg. von W. Storch, München 1987 (Kat.); ders., in: Die Nibelungen. Ein dt. Wahn, ein dt. Alptraum. Stud. und Dokumente zur Rezeption des Nibelungenstoffs im 19. und 20. Jh., hrsg. von J. Heinzle und A. Waldschmidt ( = suhrkamp taschenbuch 2110), 1991, S. 251 ff.; Allg. Verw.A., Wien.
(J. A. Schmoll gen. Eisenwerth)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 342f.
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