Schmoranz, Gustav (1858-1930), Regisseur, Theaterdirektor und Kunsthistoriker

Schmoranz Gustav, Theaterdirektor, Regisseur und Kunsthistoriker. Geb. Slatinan, Böhmen (Slatiňany, Tschechien), 16. 9. 1858; gest. Prag, ČSR (Praha, Tschechien), 21. 12. 1930. Sohn des František S. (s. d.), Bruder des Vorigen. Er stud. 1876–80 am böhm. polytechn. Inst. in Prag (bei Josef Bernhard Schulz) Baukunst; es folgten Stud.Aufenthalte inParis (zwei Jahre an der École des Beaux Arts), Wien (ein Jahr Hospitant bei J. V. Berger bzw. Eisenmenger, beide s. d.), Salzburg und Innsbruck, danach Stud. (mit Staatsstipendium) in München, Paris und London. 1887–1900 war S. Prof. an der Kunstgewerbeschule in Prag, 1892–93 stud. er in Kairo oriental. Keramik und Glaskunst, 1899 war er Reg.Koär. der österr. Kunstgewerbeausst. in St. Petersburg. Schon früh auch für das Theaterwesen interessiert, sammelte S. auf seinen zahlreichen Reisen einschlägige Erfahrungen. Er arbeitete mit J. Kvapil (s. d.) am Prager Theater „Urania“ und war 1900–1922 Dir. des Prager Nationaltheaters, gem. (ab 1912) mit Kvapil, dem Leiter des Sprechtheaters, und (ab 1900) Kovařovic (s. d.), dem Leiter des Musiktheaters. S. wirkte nicht nur als geschickter Administrator, sondern nahm auch Einfluß auf das Repertoire und die Rollenbesetzungen. Im Gegensatz zur Modernisierungslinie Kvapils pflegte er als Dramaturg, Regisseur und Bühnenbildner eher die „Kassenstücke“, wie das französ. Salon- und das Ausstattungsstück, wobei er auf Eleganz des Dialogs bzw. auf szen. Realismus Wert legte. Einen seiner größten Erfolge erzielte er mit Dumas’ „Dáma s kameliemie“ (Kameliendame), 1916, mit Anna Sedláǩ ková in der Titelrolle. Nach dem Ausscheiden Kvapils 1918 übernahm S. auch die Leitung des Sprechtheaters, ohne jedoch neue Impulse zu setzen. In seiner Regie wurde auch Janáčeks (s. d.) Oper „Výlety páně Broučkovy“ (Die Ausflüge des Herrn Brouček) 1920 im Nationaltheater erstaufgef. S. war auch schriftsteller., u. a. als Übers. französ. Konversationsstücke (von A. Bisson, A. Capuis usw.) tätig.

W.: Inszenierungen (s. Národní divadlo . . ., 1988); Bühnenbilder und ausstattungen. – Publ.: Altoriental. Glas-Gefässe, 1898, auch engl. (Tafelwerk); Osmnáctý (Devatenáctý . . . Dvacátý. . .) rok Národního divadla (Das 18. [19., 20.]Jahr des Nationaltheaters), 1901–03; E. Vojan ( = Divadelní umění 2), 1930; Artikel über bildende Kunst, Theater sowie Reisefeuilletons in Z., u. a. in Čas, Lumír, Světozor und Zlatá Praha; Mitarbeit an Ottův slovník naučný; usw.
L.: N. Fr. Pr. vom 22. 12. 1930; Masaryk; Otto; Otto, Erg. Bd. V/2; Výstava originálních stud. (akvarelů) prof. G. S. k jeho dílu Altoriental. Glas-Gefässe,Chrudim 1899 (Kat.); Uvedení do výstavy keramických stud. (akvarelů) prof. G. S., Chrudim 1900 (Kat.); J. Kvapil, O čem vím 1–2, 1932, s. Reg.; O. Fischer, in: Československá vlastivěda 8, 1935, s. Reg.; Dějiny českého divadla, red. von F. Černýund L. Klosová, 3, 1977, s. Reg.; Národní divadlo . . ., 1988 (mit Bild);Československý biografický slovník, 1992; České vysoké učení technické v Praze (Tschech. Techn. Hochschule), Praha, Tschechien.
(J. Opelík)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 344f.
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