Schnarf, Karl (1879-1947), Botaniker

Schnarf Karl, Botaniker. Geb. Wien, 12. 12. 1879; gest. ebenda, 18. 6. 1947. Entstammte einem Montafoner Gebirgsbauerngeschlecht, Sohn eines weitgereisten Kleinhändlers. Stud. nach Absolv. des Staatsgymn. in Wien-Mariahilf ab 1898 Med., ab 1900 Naturwiss., speziell Botanik, an der Univ. Wien, u. a. bei Richard Wettstein, Erich Tschermak v. Seysenegg und Julius v. Wiesner, wurde 1904 zum Dr. phil. sub auspiciis imperatoris prom. und legte im selben Jahr die Lehramtsprüfung für Naturgeschichte als Hauptfach, Mathematik und Physik als Nebenfächer ab. Wurde 1904 Probekandidat und im selben Jahr Supplent am Staatsgymn. Wien-Mariahilf, kam 1906 als w. Gymn.Lehrer an das Staatsgymn. Iglau (Jihlava), wurde 1907 Prof., kehrte 1912 an das Staatsgymn. Wien-Mariahilf zurück und trat 1936 in den zeitl. Ruhestand. 1923 für Systemat. Botanik mit bes. Berücksichtigung der Entwicklungsgeschichte an der Univ. Wien habil. und seit 1931 Tit. ao. Prof., wurde er 1939 ao. Prof. und leitete nach kurzer Enthebung vom Dienst 1945 ab 1946 das Pflanzenphysiolog. Inst. der Univ. Wien. S. widmete sich schon seit seiner Tätigkeit in Iglau, vorerst nebenbei, wiss. Arbeiten und war unter dem Einfluß Wettsteins bemüht, die Ergebnisse anatom.-embryolog. Forschungen für das System auszuwerten. Er konnte die Stellung mehrerer neuentdeckter Pflanzengattungen darin bestimmen und trug bes. durch seine Samenuntersuchungen zur Verbesserung der Grundlagen für die systemat. Aufgliederung des Pflanzenreiches bei. Mit den beiden 1929 und 1933 erschienenen Bänden im Hdb. der Pflanzenanatomie unternahm er den ersten Versuch einer Gesamtdarstellung der botan. Embryol., deren Bedeutung für die Systematik er schon 1931 anhand der Angiospermen, der Blütenpflanzen mit Fruchtknoten, unterstrichen hatte, denen sein bes. Interesse galt. Später beschäftigte er sich speziell mit Liliengewächsen. In seinem letzten Lebensjahrzehnt wies er u. a. für die Kormophyten die paarweise Bildung weibl. und männl. Geschlechtszellen (Gameten) nach und stellte dafür das sog. Zweier-Gesetz, in Amerika als Schnarfsches Gesetz bezeichnet, auf. S., lange Jahre Bibliothekar der Zoolog.-Botan. Ges. in Wien, erfuhr mehrere Ehrungen, so erhielt er u. a. 1936 die Rainer-Medaille der genannten Ges., war 1940/41 deren stellv. Generalsekretär und wurde 1942 korr. Mitgl. der Akad. der Wiss. in Wien. Er wirkte bahnbrechend auf dem Gebiet der Embryol. der Pflanzen und zählt zu den erfolgreichsten Pflanzenanatomen Österr.

W.: Beitrr. zur Kenntnis des Sporangienwandbaues der Polypodiaceae und der Cyatheaceae und seiner systemat. Bedeutung, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 113, Abt. 1, 1904 (Diss.); Beitrr. zur Kenntnis der Samenentwicklung einiger europ. Hypericum-Arten, ebenda, 123, Abt. l/l, 1914; Beitrr. zur Kenntnis der Samenentwicklung der Labiaten, in: Denkschriften Wien, math.-nat. Kl. 94, 1918; Über die Endospermentwicklung von Ornithogalum, in: Österr. Botan. Z. 173, 1928; Embryol. der Angiospermen ( = Hdb. der Pflanzenanatomie, hrsg. von K. Linsbauer, Abt. 2, Tl. 2, 10/2/1), 1929; Vergleichende Embryol. der Angiospermen, 1931; Embryol. (der Gymnospermen) ( = Hdb. der Pflanzenanatomie, hrsg. von K. Linsbauer, Abt. 2, Tl. 2, 10/2/2), 1933; Anatomie der Gymnospermen-Samen ( = ebenda, Abt. 2, Tl. 3, 10/1), 1937; Vergleichende Cytol. des Geschlechtsapparates der Kormophyten ( = Monographien zur vergleichenden Cytol. 1), 1941; Der Umfang der Lilioideae im natürl. System, hrsg. von R. Wunderlich, in: Österr. Botan. Z. 95, 1949; Mittelschullehrbücher; usw. Red.: Verhh. der Zoolog.-Botan. Ges. in Wien 85ff., 1936ff. – Privater Nachlaß, UA Wien.
L.: K. Höfler, in: Almanach Wien 101, 1952, S. 415ff. (mit Werksverzeichnis); R. Biebl, in: Berr. der Dt. Botan. Ges. 68 a, 1955, S. 61ff.; Kürschner, Gel.Kal, 1926–1940/41; O. Wittmann, Botan. Abhh. in den Mittelschulprogrammen und ihre Verf. 1850–1950, phil. Diss. Wien 1958, 2, s. Reg., bes. S. 352ff. (mit Bild); G. Berka, 100 Jahre Dt. Burschenschaft in Österr. 1859–1959, 1959, S. 87; E. Cermak, Beim, zur Geschichte des Lehr körpers der philosoph. Fak. der Univ. Wien 1938–45, phil. Diss. Wien, 1981, S. 287ff. (mit tw. Werksverzeichnis); f. A. Stafleu & R. S. Cowan, Taxonomic literature 5 ( = Regnum vegetabile 112), 2. Aufl. 1985, S. 266f.; UA Wien.
(Ch. Riedl-Dorn)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 359
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