Schneegans, Ludwig (1842-1922), Schriftsteller

Schneegans Ludwig, Schriftsteller. Geb. Straßburg, Dep. Bas-Rhin (Strasbourg, Frankreich), 16. 12. 1842; gest. Wien, 12. 8. 1922. Evang., später konfessionslos. Entstammte einer liberalen elsäss. Familie, Sohn des Ludwig S. (geb. Straßburg, 21. 8. 1812; gest. ebenda, 1. 4. 1858), Archivar, Anwalt, Historiker und Publizist in Straßburg, und der (Elisabeth) Louise, geb. Bartholmé(geb. Straßburg, 1. 6. 1814; gest. München, Bayern/Deutschland, 20. 8. 1883), die als Sängerin und Liederkomponistin im Straßburger Musikleben hervortrat. Musik und Literatur wurden im Elternhaus sehr hoch gehalten, so war S. ’ Vater u. a. mit Ludwig Uhland und Justinus Kerner befreundet. S. wuchs zweisprachig auf, besuchte das Protestant. Gymn. in Straßburg, stud. Literatur an den Univ. Straßburg, Jena (1862) und Berlin (1862–63). Nach dem Staatsexamen für dt. Sprache in Paris war er Lehrer in Le Mans und Rennes. Sein erstes bekanntgewordenes Drama, „Tristan“, entstand 1865, im Jahr der Übersiedlung nach München. 1867–70 lebte S. in Wien, wo er sich mit den Schriftstellernf. v. Saar und M. Ebner v. Eschenbach (beide s. d.) befreundete und von Gelegenheitsdichtungen, Übers. und Französ.-Unterricht lebte. Im Herbst 1869 war S. kurz in München, schloß Freundschaft mit Paul Heyse und versuchte, eine Stelle als Hofdichter bei Kg. Ludwig II. zu erhalten, was 1870 gelang. In München schrieb S. Übers. und Bearb. hauptsächl. französ. Klassiker für den Kg., dazu Stücke für die Hofbühne. Viele Werke wurden nur in Separatvorstellungen für Ludwig II. gespielt, ledigl. vier gelangten zu öff. Vorführungen. Da die vom Kg. bestellten Dramen nicht im Buchhandel erscheinen durften, kam es schon 1872 zu einer Verschlechterung des Verhältnisses zwischen S. und dem Monarchen. S. war auch Mitgl. der Münchner Dichterges. „Bund der Krokodile“. 1876 heiratete er die Münchner Hofschauspielerin Marie Ramlo; die Ehe – der zwei Töchter entstammten, die Malerin Therese Luise, verehel. mit dem Sohn des Komponisten Peter Cornelius, sowie Eva Franziska, deren Tochter Gertrud Marianne Kugel ab 1937 mit dem österr. Schriftsteller Hans Weigel verheiratet war – wurde jedoch bereits 1885 geschieden. 1884 war S. nach Rorschach (Schweiz) übersiedelt, ab November 1888 lebte er, nach kurzen Aufenthalten in München und Straßburg, in Wien, wo er mit Brahms und Max Kalbeck (beide s. d.) Freundschaft schloß. Es entstanden noch eine Reihe unveröff. dramat. Entwürfe (etwa die Volkstragödie „Terror“, 1910, die S. selbst als sein wichtigstes Werk ansah) und Lyrik, auch in elsäss. Mundart. Anhaltende Mißerfolge machten S. zum Misanthropen, der die letzten Jahre in Wien völlig zurückgezogen verbrachte. S. erreichte einige Wirkung als Übers. französ. (v. a. Victor Hugo, auch Corneille und Dumas) und span. Dramatiker (u. a. Calderón), blieb sonst eklektizist. – der Vorliebe Ludwigs II. entsprechend. Sein dramat. Stil ist der der Klassik; als Nachahmer Schillers und Mitgl. des „Münchner Epigonenkreises“ befaßte er sich mehr mit der Dramentheorie der Weimarer Klassik als mit einer eigenständigen.

W.: Maria, Kgn. von Schottland, 1868; Doctor Vorwärts oder Du sollst nicht capituliren, 1871; Der Cid, 1872 (nach P. Corneille); Dreiundneunzig, 3 Bde., 1874 (Übers. nach V.Hugo); Der Doppelgänger, 1877 (2. Fassung: Gfn. Egmont, 1877); Die Herzogin v. Chateauroux, 1880 (Übers. nach S. Gay); Samiel, hilf!, 1881; Die Burgherren, 1882 (auch: Die Burggrafen, Übers. nach V. Hugo); In Straßburger Mundart, in: Neues Münchner Dichterbuch, hrsg. von P. Heyse, 1882 (Ged.); Ueber die orthograph. Anarchie im Schrifttum des Straßburger Dialekts und der nächstverwandten elsäss. Mundarten, 1896; Der Weg zum Frieden, o. J. (1874 aufgef.); Übers. in Novellenschatz des Auslandes, hrsg. von P. Heyse und H. Kurz, 1–3, 8, o. J.; usw. Bühnenmanuskripte usw. u. a. Bayer. Staatsbibl. und Dt. Theatermus., beide München, Deutschland.
L.: Neues Wr. Tagbl. vom 19., N. Fr. Pr. vom 21. 8., Neues Wr. Journal vom 16. 12. 1922; Brümmer; Kosch; Kosch, Theaterlex.; K. Walter, L. Schneegans (1812–58). . . und der Dramatiker L. S. (1842–1922), 1941 (mit Bildern); K. Hommel, Die Separatvorstellungen vor Kg. Ludwig II. von Bayern, (1963), s. Reg. (mit Auff. Verzeichnis); Literatur Lex., hrsg. von W. Killy, 10, (1991).
(G. Heldt)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 364f.
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