Schneid von Treuenfeld, Josef (1839-1884), Beamter und Politiker

Schneid von Treuenfeld Josef, Beamter und Politiker. Geb. Wien, 30. 12. 1839; gest. Laibach, Krain (Ljubljana, Slowenien), 30. 9. 1884. Sohn des Sektionsrats im Min. des Äußeren Josef S., der durch Vielsprachigkeit hervorstach und 1867 nob. wurde; weitläufig verwandt mit Kardinal Rauscher (s. d.). Stud. 1856–60 an der Univ. Wien Jus und schlug danach die Beamtenlaufbahn ein: 1860 Rechtspraktikant, 1861 Auskultant am steir. Oberlandesgericht in Graz, 1866 Kanzleikonzipist in der k. Kabinettskanzlei in Wien (ab 1872 als Hofsekretär), war er dort der erste slowen.sprachige Beamte. In Krain begütert, wurde er 1879 angebl. ohne sein Wissen von der slowen. Nationalpartei in Laibach für den Reichsrat kandidiert. Auf Anordnung des K. mußte er deshalb nach der Wahl aus der Kabinettskanzlei ausscheiden und wurde ins Büro für die Angelegenheiten Bosniens und der Herzegowina im Reichsfinanzmin. versetzt, wo er den Posten eines prov. Kreisvorstehers bekleidete. Im Reichsrat vertrat S. die slowen. Interessen und war Mitinitiator des von Justizminister Pražák (s. d.) 1882 hrsg. Erlasses über die Verwendung des Slowen. bei Gericht. Als Gegner des Dt. Schulver. engagierte er sich u. a. für die Wiedereröffnung des Gymn. in Krainburg (Kranj), trat für eine Reform des Landesschulverfahrens ein und verurteilte die Germanisierung der Kärntner Slowenen. 1881 war S. Mitbegründer der „Südsteirischen Post“ und gehörte deren Eigentümerkonsortium an. Als einer der engagiertesten Mitarbeiter des Bl. verf. er v. a. Leitartikel. Ferner plante er die Einrichtung eines slowen. Korrespondenzbüros, das slowen. Ztg. mit Neuigkeiten versorgen sollte. Wegen seines schlechten gesundheitl. Zustands legte er 1882 sein Reichsratsmandat nieder, schied aus dem Staatsdienst aus, wobei ihm der Titel Reg.Rat verliehen wurde, und übersiedelte nach Görz (Gorizia). 1883 nahm er seine polit. Aktivitäten als Abg. im Landtag von Krain wieder auf, erlag jedoch bald darauf seinem Lungenleiden.

L.: Laibacher Ztg. und Slovenec vom 1., N. Fr. Pr. und Slovenski narod vom 2., Laibacher Wochenbl. vom 4., Südsteir. Post vom 4. und 11. 10. 1884; Hahn, 1879; SBL; J. Vošnjak, Spomini 1, 1905. S. 157, 165, 187; f. Reinöhl, Geschichte der k. u. k. Kabinettskanzlei ( = Mitt. des österr. Staatsarchivs, Erg.Bd. 7), 1963, S. 336; Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Finanz- und Hof kammerarchiv, UA, alle Wien.
(N. Gspan)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 368f.
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