Schneider (Schnayder, Sznejder), Antoni Julian (1825-1880), Sammler

Schneider (Schnayder, Sznejder) Antoni Julian, Sammler. Geb. Olszanica, Galizien (Polen), 12. 6. 1825; gest. Lemberg, Galizien (L’viv, Ukraine), 25. 2. 1880 (Selbstmord). Sohn eines Militärs und späteren niederen Finanzbeamten. Besuchte ab 1836 das Gymn. in Lemberg, das er aber 1842 aus finanziellen Gründen verließ. Vorerst Schreiber in der Rgt.Kanzlei der in Żółkiew stationierten Husaren, übersiedelte er 1848 nach Brody. Als Freiwilliger schloß er sich dann den ung. Aufständ. an, wurde im Februar 1849 verwundet, im August desselben Jahres bei Temeschwar (Timişoara) gefangengenommen, auf die Feste Kufstein gebracht und dort bis 1850 festgehalten. Zu Fuß nach Brody zurückgekehrt, arbeitete er wieder als Schreiber, ab 1853 als Wegmeister und Buchhalter im Straßenbauamt Żółkiew, von wo er 1858 nach Lemberg übersiedelte und in der Folge abwechselnd als Beamter, dann Volksschullehrer sowie 1862–64 in der Verwaltung der Z. „Dziennik Literacki“, 1865–71 bei der Landesverwaltung und ab 1877 als Konservator verschiedener Lemberger Smlgg. tätig war. Schon in Żółkiew hist. interessiert, bildete er sich nach seiner Haft autodidakt. weiter und nützte seine Dienstreisen für ethnograph., regionale und archäolog. Forschungen. In Lemberg rief er im „Dziennik Literacki“ zum Sammeln hist. Realien auf und veröff. dort selbst hist. Artikel. Er trug auch u. a. alte Manuskripte, Drucke, Münzen sowie Ausgrabungsfunde als Arbeitsgrundlage für eine von ihm geplante Regionalenz. von Galizien zusammen. In seinen Bestrebungen wurde er von Jerzy Fürst Lubomirski (s. d.) unterstützt, der ihm auch Raum für Wohnung und Smlg. im Nationalinst. Ossolineum zur Verfügung stellte. 1868 konnte er unter Einsatz eigener Ersparnisse zwei He. der Enz. veröff., weitere erschienen 1869–71 dank einer Subvention seitens der Lemberger Landesverwaltung, ab 1871 aber des galiz. Landtags (Sejm). Nach Kritik aus Univ.Kreisen wurde ihm diese aber gestrichen und 1875 mußte er die Sammelmappen mit über 30.000 Stichworten für die weiteren Bde. an die Akad. der Wiss. in Krakau abliefern, von wo sie 1940 in die Obhut des dortigen Staatsarchivs übergingen. Trotz dieser Maßnahme trug S. bis zu seinem Tod neuerl. Unterlagen zusammen, die in der Bibl. der Ukrain. Akad. der Wiss. verwahrt werden. Möglicherweise beging S. Selbstmord, weil er trotz positiver Rezensionen in Wr., Krakauer und Lemberger Periodika keine Chance mehr für sein Lebenswerk sah, durch das er vielfach Anerkennung erfahren hatte. So war er u. a. 1867 Mitgl. der Lemberger Techn. Ges. sowie der Galiz. Wirtschaftsges. (Towarzystwa Technicznego we Lwowie; Galicyjskiego Towarzystwa Gospodarskiego), der Geolog. Reichsanstalt in Wien und 1873 der Archäolog. Komm. der Akad. der Wiss. in Krakau geworden. Dank eines ausgeprägten Idealismus, großen Arbeitspensums sowie persönl. Anspruchslosigkeit konnte S. einen wesentl. Beitr. zur Landeskde. Galiziens leisten.

W.: Starożytności miasta Żółkwi. . . (Altertümer der Stadt Zółkiew. . .), 1867; Przewodnik po mieście Lwowie (Führer durch Lemberg), 1871, 2. Aufl. 1875; Enc. do krajoznawstwa Galicyi pod względem historycznym, statystycznym, topograficznym, orograficznym, geognostycznym, etnograflcznym, handlowym, przemysłowym, sfragistycznym . . . (Enz. zur Landeskde. von Galizien im Hinblick auf Geschichte, Statistik, Topographie, Ethnographie, Handel, Ind . . . .) 1–2, 1871–74; usw.
L.: W. Podgórski, in: Kłosy 20. 1875, S. 113, 115, 118; B. Schnaydrowa, in:. Rocznik Biblioteczne P AN w Krakowie 21, 1976, s. Reg.; A. Siemionow, in: Ziemia, 1984, S. 236ff.; W. Bieńkowski, in: Roczniki Bibl. 31, 1988, S. 189ff.; Ł. Charewiczowa, Historiograßa i miłośnictwo Lwowa, 1938, s. Reg.
(W. Bieńkowski)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 370
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