Schnek, Isidor (1834-1886), Gummiwarenfabrikant

Schnek Isidor, Gummiwarenfabrikant. Geb. Trebitsch, Mähren (Trěbíč, Tschechien), 14. 8. 1834; gest. Wien, 19. 5. 1886. Aus ärml. Verhältnissen; mos. S. kam nach Wien, um hier das Posamentierhandwerk zu lernen, und richtete 1861 gem. mit Salomon Kohnberger (geb. 30. 7. 1838) – dessen Schwester Jeanette er heiratete – in Wien-Neubau eine kleine Werkstätte für elast. Börtel und Schnüre ein. 1865 nahm das wachsende Unternehmen die Rechtsform einer OHG mit der Bezeichnung „Schnek & Kohnberger“ an. Inzwischen spezialisierte man sich immer mehr auf die Erzeugung von Schuhelastiques (v. a. von der Landbevölkerung verwendete Gummischuhe), und zwar mit solchem Erfolg, daß dafür eine Faktorei in Kreuzberg (Křížová) und 1866 eine Fabrik in Odrau (Odry) eingerichtet werden konnten; dorthin wurde aus Kostengründen 1869 der in Wien verbliebene Teil der Fabrikation verlegt. Einen bes. Impuls erhielt das Unternehmen, als es nach mühevollen Versuchen gelang, geklebte Gummizüge selbst herzustellen, sich mit diesem bisher importierten Artikel in Österr. durchzusetzen und ihn sogar exportfähig zu machen (Niederlassung in Leipzig). 1872 löste in Odrau die Dampfkraft den Pferdegöpel ab, und in Kreuzberg hatte sich die Faktorei zu einer selbständigen Fabrik, allerdings noch mit Handbetrieb, entfaltet. 1875 erhielt die Odrauer Fabrik, bisher im Stadtzentrum gelegen, einen Standort im Odertal, wo sie modernst ausgestattet wurde. Die Reduzierung der Exportmöglichkeiten, die durch die Schutzzollpolitik Rußlands, des Dt. Reichs und Italiens herbeigeführt wurde, konnte von S. durch Teilumstellung der Produktion von geklebten Gummizügen auf die in Mode gekommenen gewebten Terryzüge ausgeglichen werden. 1881 wurde von S., Kohnberger und Arnold Mandl in Breitensee (Wien XIV) die „Österrreichisch–amerikanische Gummiwarenfabrik“ gegründet (mit zunächst 40, nach vier Jahren bereits 125 Mitarbeitern), die später mit der „Semperit Gummiwerke GmbH., Traiskirchen, N.Ö.“ zur „Österreichisch-Amerikanischen Gummiwerke AG“ fusioniert wurde. S., Träger mehrerer Orden, k. Rat, war ab 1872 Mitgl. der nö. Handels- und Gewerbekammer, Zensor des Creditver. der Ersten Österr. Spar-Casse und Vorstandsmitgl. des Creditoren-Ver., Mitgl. des Kuratoriums der K.-Franz-Joseph-Stiftung zur Unterstützung des Kleingewerbes sowie Handelsgerichtsbeisitzer. Fleiß, techn. Geschick und Anpassung an die Erfordernisse des Marktes, aber auch die Nutzung billiger, noch unorganisierter Arbeitskräfte in der Provinz ermöglichten den Aufbau eines verzweigten Unternehmens, an dessen Entfaltung er als Leiter und Risikoträger entscheidenden Anteil hatte.

L.: N. Fr. Pr. vom 20. 5. 1886 (Abendausg.); Großind. Österr. 3, S. 390ff., Erg.Bd. 3, S. 119f.; f. Mathis, Big Business in Österr., 1987, S. 269f.; AVA, HHStA, WStLA, alle Wien.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 50, 1994), S. 391f.
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