Schnell, Karl Ernst (1866-1939), Politiker

Schnell Karl Ernst, Politiker. Geb. Kronstadt/Brassó, Siebenbürgen (Braşov, Rumänien), 30. 1. 1866; gest. ebenda, 21. 4. 1939. Sohn des Friedrich S. (s. d.); kath., ab 1884 evang. AB. Stud. 1884/85 Jus an der Univ. Graz, 1885–88 an der Univ. Budapest und wurde 1897 in Klausenburg (Cluj-Napoca) zum Dr. jur. prom. 1888–89 Mitarbeiter der „Kronstädter Zeitung“, dann Advokaturskandidat, führte er 1905–11 eine Rechtsanwaltskanzlei und fungierte 1911–26 als hauptamtl. Bgm. der Stadt Kronstadt. Schon ab 1890 in der die offizielle Politik des Zentralausschusses der Siebenbürger Sachsen (genannt die „Schwarzen“) ablehnenden sog. „grünen Partei“ tätig, die gegen eine auf Kompromissen basierende Zusammenarbeit mit der ung. Regierung plädierte, machte er eine steile Karriere im Rahmen der bei den Siebenbürger Sachsen eng miteinander verknüpften Kommunal-, Volks-, und Kirchenpolitik: 1897 Mitgl. der städt. Gemeindevertretung von Kronstadt, 1906 des ständigen Ausschusses der Stadtvertretung, 1911–26 Bgm. der Stadt Kronstadt; 1905 Mitgl. des Kom. Verwaltungsausschusses, 1910–11 Kreisausschußobmann der Kronstädter Dt., 1912–28 Vizepräs. des Zentralausschusses bzw. nach 1918 des Volksrates der Siebenbürger Sachsen, 1928–33 dessen Vors.; ab 1909 Mitgl. des Presbyteriums, 1918–28 Gemeinde- und Bez.Kurator der evang.-sächs. Kirchengemeinde Kronstadt und ab 1912 Mitgl. des Landeskonsistoriums der evang.-sächs. Kirche. S. hat durch fast vier Jahrzehnte in allen entscheidenden siebenbürg.-sächs. Gremien maßgebl. mitgearbeitet. Er gehört zu den bedeutendsten siebenbürg.-dt. Politikern, die beim Zerfall Österr.-Ungarns an führender Stelle standen. Als Bgm. Kronstadts besaß er das Vertrauen der verschiedensprachigen Bürger, sodaß er auch nach 1918 im Amt verbleiben konnte. In dieser Position hat er sich zweifellos seine größten Verdienste erworben. Durch zahlreiche Statuten, Verwaltungs sowie Baumaßnahmen, die während seiner Amtszeit und z. Tl. auf seine Initiative verwirklicht wurden, trug er entscheidend zur Modernisierung Kronstadts bei, mußte jedoch erleben, wie nach 1918 der Einfluß der Dt. allmähl. zurückgedrängt und die jahrhundertealte Selbstverwaltung der Stadt im großrumän. Königreich zugunsten eines staatl. Zentralismus auf ein Minimum reduziert wurde und Kronstadt begann, eine rumän. Stadt zu werden. Als Kirchen- und dt. Volkspolitiker bemühte er sich stets um eine loyale Zusammenarbeit mit dem ung. bzw. rumän. Staat. 1933 zog er sich aus dem öff. Leben zurück und verfolgte besorgt die unter dem immer umfassender werdenden Einfluß der nationalsozialist. orientierten „Erneuerer“ ausgelösten Auseinandersetzungen innerhalb der Rumänien-Dt. sowie den Abbau der traditionellen völk. Einrichtungen. S. hatte sich als Politiker – wie seine Reden und Erinnerungen zeigen – vom rebellierenden jungen „Grünen“ zum konservativen sächs. Volksvertreter entwickelt und trat für die Wahrung der überlieferten Strukturen ein.

W.: Aus meinem Leben. Erinnerungen aus alter und neuer Zeit, 1935; Reden usw. in Tagesztg., u. a. in Siebenbürg.-Dt. Tagebl. und Kronstädter Ztg.
L.: Kronstädter Ztg. vom 30. 1. 1916; Siebenbürg.-Dt. Tagebl. vom 31. 1. 1936 und 28. 4. 1939; f. Stenner, Die Beamten der Stadt Brassó (Kronstadt) . . . ( = Quellen zur Geschichte der Stadt Brassó/Kronstadt 7, Beih. 1), 1916, S. 128f.; vgl. auch oben unter W.
(M. Kroner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 50, 1994), S. 393f.
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