Schnitzer, Igna(t)z (1839-1921), Journalist und Schriftsteller

Schnitzer Igna(t)z, Journalist und Schriftsteller. Geb. Pest (Budapest, Ungarn), 5. 12. 1839; gest. Wien, 18. 6. 1921. Mos. S. sollte auf Wunsch des Vaters Arzt werden und besuchte in seiner Heimatstadt das Gymn., ging jedoch 1857 nach frühen dichter. Versuchen nach Wien, wo er für diverse Z. und Ztg. tätig war; u. a. wurde er von I. Heller (s. d.) in die Red. von dessen neugegründeter Ztg. „Der Fortschritt“ geholt. In die erste Wr. Zeit fällt auch der Beginn seiner Bekanntschaft – und späteren Freundschaft – mit Johann Strauß Sohn; sie regte ihn nach dessen Tod zur Abfassung seines – tw. autobiograph. – zweibändigen Strauß-Buches an, das zugleich Streiflichter zur Kulturgeschichte Wiens und Budapests in der zweiten Hälfte des 19. Jh. bietet. 1867 kehrte S. nach Budapest zurück und gründete dort in der Folge ein eigenes Periodikum, das „Neue Pester Journal“, ein erfolgreiches polit. Tagbl. nach Wr. Zuschnitt. 1881 übersiedelte er endgültig nach Wien, wo er sich nun v. a. als routinierter Operettenlibrettist etablieren konnte. Sein in zweijähriger tw. enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten entstandenes Textbuch zu Strauß’ „Der Zigeunerbaron“, 1885 (nach einem Roman von M. v. Jókai, s. d.) sowie das zu E. Eyslers (s. d.) „Bruder Straubinger“, 1903 (gem. mit Moritz West), sind wohl seine bekanntesten und erfolgreichsten Werke. Daneben bearb. er auch ung. Bühnenstücke, sowie überhaupt Übers. bzw. Nachdichtungen, insbes. der Werke Petőfis (s. d.), sein Schaffen fast bis zuletzt begleiten. S. gilt auch als Entdecker der Schauspielerin Gallmeyer (s. d.) und – infolge seines finanzstarken Freundeskreises – als Wegbereiter des 1895 eröffneten Vergnügungsparks „Venedig in Wien“. Er war mit der Arzttochter Gabriele, geb. Laszky (geb. Gyöngyös, Ungarn, 10. 4. 1846; gest. Wien, 28. 9. 1913), verehel., die von Strauß sehr geschätzt wurde und mit dessen Frau Adele befreundet war.

W.: Meister Johann. Bunte Geschichten aus der Johann Strauß-Zeit, 2 Bde., 1920. Nachdichtungen: Held János. Ein ung. Märchen von Petőfi, 1878; Rauschgold. Nach dem Ung. des E. Szigligeti, 1879 (Lustspiel); Herodes. Nach S. Phillip, 1901 (Tragödie); A. Petőfi, Poet. Werke in 6 Bde., 1910; usw. Libretti zu: S. Bachrich, Muzzedin, 18834aufgef.; M. Wolf, Rafaela (gem. mit A. Schirmer), 1884 aufgef.; R. Fuchs, Die Königsbraut, 1889 aufgef.; E. Eysler, Pufferl (gem. mit S. Schlesinger), 1905 aufgef.; usw. Hrsg.: Franz Joseph I. und seine Zeit, 2 Bde., (1898).
L.: (tw. auch für Gabriele S.): N. Fr. Pr. vom 19. 12. 1909, 23. 10. 1910, 29. 9. 1913, 19. 6. 1921; H. Zeman, in: Jb. des Wr. Goethe-Ver. 86/87/88, (1982/1983/1984), S. 463; Eisenberg, 1893, Bd. 1; Hall–Renner, Nachlässe; Kosch, 3. Aufl.; Kosel 1; Nagl–Zeidler–Castle 3–4, s. Reg. (mit Bild); Riemann, 12. Aufl.; R. M. Prosl, E. Eysler, 1947, passim; A. Bauer, 150 Jahre Theater an der Wien, (1952), s. Reg.; F. Stieger, Opernlex. 3/3, 1981; Fle Zi Wi Csá & Co. Die Wr. Operette, Hist. Mus. der Stadt Wien (91. Sonderausst.), 1984/85, bes. S. 65f., 97 (Kat.); F. Mailer, Weltbürger der Musik. Eine Oscar-Straus-Biographie, (1985), s. Reg.; J. Strauß (Sohn). Leben und Werk in Briefen und Dokumenten, hrsg. von F. Mailer, 3, 1990, s. Reg.; M. Prawy, J. Strauß, (1991), s. Reg.; WStLA Wien.
(S. Leskowa)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 50, 1994), S. 406f.
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