Schnitzler, Julius (1865-1939), Chirurg

Schnitzler Julius, Chirurg. Geb. Wien, 13. 7. 1865; gest. ebenda, 29. 6. 1939. Sohn des Vorigen, Bruder von Arthur S., Schwager von M. Hajek (beide s. d.); mos. Stud. nach Absolv. des Akadem. Gymn. in Wien ab 1882 an der dortigen Univ. Med., u. a. bei E. Albert, Billroth, E. W. v. Brücke sowie Nothnagel (alle s. d.), und wurde 1888 zum Dr. med. prom. Seine weitere Ausbildung erhielt er 1887/88 als Aspirant an der Klinik Nothnagel, ab 1889 bei Albert, wo er 1891–95 als Ass. wirkte. 1895 habil. er sich an der Univ. Wien für Chirurgie und wurde 1907 Tit. ao., 1927 unbesoldeter ao. Prof. 1895/96 stand er der Chirurg. Abt. an der Wr. Allg. Poliklinik vor, kam 1896 als Primarius für Chirurgie an das K.-Franz-Josef-Spital, 1902 an das Wiedner Krankenhaus und trat 1934 i. R. S. gestaltete die von ihm geleiteten Abt. gemäß den modernen Erfordernissen der Chirurgie aus, unterhielt eine ausgedehnte Privatpraxis, widmete sich aber daneben auch wiss. Forschungen und veröff. gegen 100 Arbeiten. Sein bes. Interesse galt den Bauchorganen, so den Ursachen von Blasenentzündung bzw. -katarrh, v. a. aber natürl. chirurg. Problemen. Als einer der ersten beschäftigte er sich mit der operativen Behandlung der akuten Blinddarmentzündung, propagierte umfangreiche Resektionen bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, erarbeitete Vorbeugungsmaßnahmen gegen postoperative Thrombosen, wies auf die Existenz vererbbarer Dispositionen zu diesen bzw. zu Embolien hin und beschäftigte sich zuletzt auch mit Fragen der Krebserkrankung der weibl. Brust. S., ein hervorragender Lehrer sowie Vortragender, besaß sprühenden Geist und feinen Humor, pflegte literar., v. a. aber musikal. Interessen und betrieb als ausgez. Geiger selbst Kammermusik. Aufgrund seiner Leistungen fand er auch öff. Anerkennung, wurde 1917 Reg.Rat, 1929 Tit. HR und erhielt u. a. 1935 das Komturkreuz des Österr. Verdienstordens. Durch sein Bemühen um die Diagnostik der Blinddarmentzündung und sein entschiedenes Eintreten in Theorie und Praxis für umgehende Operationen konnte S. die Sterblichkeitsrate bei dieser Krankheit wesentl. senken. S. stand in einem engen persönl. Verhältnis zu seinem Bruder Arthur, das in zwei von dessen erzähler. Werken („Der blinde Geronimo und sein Bruder“, „Flucht in die Finsternis“) Niederschlag fand.

W.: Beitrr. zur Casuistik der branchiogenen Fisteln und Cysten, 1890; Zur Aetiol. der Cystitis, 1892; Periostitis und Osteomyelitis des Kiefers, in: Hdb. der Zahnheilkde, hrsg. von J. Scheff, 2. Aufl., 2/1, 1903, 4. Aufl., 2, 1924; Beeinflussung des Organismus durch operative Eingriffe, in: H. Schlesinger, Die Indikationen zu chirurg. Eingriffen bei inneren Erkrankungen 3, 1905, Anhang; Beitrr. für Lehrbuch der Chirurgie, hrsg. von J. Hochenegg, 1–2 (Chirurgie des Schädels; Die Erkrankungen der Bauchdecken; Die Verletzungen des Bauches), 1907–09, Bd. 2, 2. Aufl. 1918; Rückblick auf 2.000 Operationen wegen Appendicitis, in: Dt. Med. Ws. 35, 1909; Drei Vorträge über Cholelithiasis, gem. mit J. Wiesel und R. Kolisch, 1912; Ober die sog. chron. Appendicitis ( = Aus den internationalen Fortbildungskursen der Wr. med. Fak. 33 = Wr. klin. Ws. 38, Sonderbeilage), 1925; Kritisches zur Operation des Mammakarzinoms, in: Wr. klin. Ws. 42, 1929; Prophylaxe und Therapie der postoperativen Thrombosen und Embolien, ebenda, 42, 1929; usw.
L.: H. Reimann, in: WMW 85, 1935, S. 789f. (mit Bild); W. Denk, in: Wr. klin. Ws. 64, 1952, S. 511; Eisenberg, 1893, Bd. 2; Fischer; Kürschner, Gel.Kal, 1926–35; Wininger; Österr. 1918–34, 1935, S. 320 (mit Bild); Ehrenbuch des Österr. Verdienstordens . . ., 1936, S. 99 (mit Bild); A. Schnitzler, Jugend in Wien, hrsg. von Th. Nickl und H. Schnitzler, (1968). s. Reg. (mit Bild); K. Körrer, Die zwischen 1938 und 1945 verstorbenen Mitgl. des Lehrkörpers an der Univ. Wien, phil. Diss. Wien, 1981, S. 226f.; K. H. Tragl, Das K. Franz Josef Spital, 1985, s. Reg., bes. S. 90f. (mit Bild); E. Deimer, Chronik der Allg. Poliklinik in Wien . . ., 1989, S. 84 (mit Bild); P. Steines, Hunderttausend Steine, (1993), S. 189 (mit Bild); s. auch Werks- und Literaturverzeichnis zu Arthur Schnitzler; UA Wien.
(M. Skopec)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 50, 1994), S. 411f.
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