Schöfmann, Karl d. J. (1886-1945), Musiker, Komponist und Musikpädagoge

Schöfmann Karl d. J., Musiker, Komponist und Musikpädagoge. Geb. Wien, 9. 3. 1886; gest. Freistadt (OÖ), 17. 10. 1945. Sohn des Karl S. d. Ä. (geb. Gmunden, OÖ, 6. 2. 1855; gest. Wien, 30. 1. 1941), eines Klarinettisten (1885–1913) des Wr. Hofopernorchesters. S. besuchte ab 1897 das Schottengymn. in Wien, 1902–05 die Orgelschule der Kirchenmusik-Lehranstalt des Wr. Cäcilien-Ver., 1906–12 das Wr. Konservatorium der Ges. der Musikfreunde, an dem er u. a. von Franz Simandl und Eduard Madensky im Kontrabaß und von Robert Fuchs (s. d.) in der Komposition ausgebildet wurde. 1913 legte er die Lehramtsprüfung für Mittelschulen (Gesang, Klavier- und Orgelspiel) ab, 1924–26 stud. er an der Fachhochschule für Musik und darstellende Kunst u. a. bei Joseph Marx Komposition, bei Clemens Krauss Dirigieren. Diese vielfältige Ausbildung, 1912–14 ergänzt durch Gesangsunterricht bei Olga Homolatsch, befähigte S. zu einer starken Präsenz im Wr. Musikleben: Er war 1910–19 Domorganist von St. Stephan, an zahlreichen Wr. Kirchen Organist (u. a. 1905–07 St. Karl Borromäus, 1917–21 Deutschordenskirche, 1924–30 St. Augustin, 1932–33 Maria vom Siege) und Regenschori, u. a. 1917–22 von St. Johann Evangelist, Wien X. (in welcher Funktion er detaillierte Aufzeichnungen über Programm, Mitwirkende und Honorare hinterlassen hat). Als Orchestermusiker war S. ab 1917 Substitut, 1919–44 def. Mitgl. der Bundestheater und spielte in deren Orchestern (Burgtheater, Akademietheater, Staatsoper) Orgel, Klavier, Kontrabaß und Schlagzeug. Auch darüber hat er (für den Zeitraum 1922–41) Aufzeichnungen über seine jeweiligen Orchesterdienste und -einkünfte geführt. 1921–23 war S. zudem Kontrabaß-Stimmführer im Wr.- Frauen-Symphonie-Orchester. Weiters unterrichtete er zeitweise Gesang an Wr. Mittelschulen und wirkte (1923–29) am Lutwak-Patonay Konservatorium sowie an anderen Wr. Musiklehranstalten als Lehrer für Orgel, Klavier, Kontrabaß und Musiktheorie. S. reiches, schon frühzeitig einsetzendes kompositor. Schaffen, das einen Schwerpunkt in der Kirchen- und Orgelmusik und im Melodram hat, erlebte zu seinen Lebzeiten zahlreiche, von der Kritik günstig beurteilte Auff., bei denen auch seine zweite Gattin, die Konzertsängerin Elisabeth Paulexel (geb. Freistadt, 17. 11. 1885; gest. ebenda, 13. 1. 1961), Künstlername Else Schöfmann-Paulis, mitwirkte. Sein Lehrer Marx charakterisiert S. als gediegenen Tonsetzer und tadellosen Kontrapunktiker, der sich von Modeströmungen fernhielt. S.s für 1907–21 bzw. 1937–43 erhaltenen Tagebzw. Notizbücher haben hohen Quellenwert: Sie dokumentieren Alltags- und Berufsleben, aber auch künstler. Schaffensprozesse eines Universalmusikers.

W. (s. die Verzeichnisse in Oö. Kulturber. und im Nachlaß): Messen; geistl. Chorwerke, Lieder und Orgelwerke; Melodramen (u. a. „Sanssouci“); Orchesterwerke (u. a. „Andantino lirico“, uraufgef. 1926); Kammermusik (u. a. Streichquartett a-Moll, uraufgef. 1914); weltl. Orgelwerke; Klavierwerke; usw. – Nachlaß, Musiksmlg., Österr. Nationalbibl., Wien.
L.: Neuigkeits-Welt-Bl., 26. 2., RP, 27. 2., Volksztg., 28. 2. 1928; Die Neue Ztg., 1. 1., Wr. Allg. Ztg., 26. 10. 1933; Wr. Ztg., 12. 12. 1948; Linzer Volksbl., 1. 10., Oö. Nachrichten, 8. 10. 1956; Oö. Kulturber. (Beilage zur Amtl. Linzer Ztg.), 25. 3. 1960 (mit Werksverzeichnis und Bild); Der Kapellmeister, 1928, n. 16; R. Alexander, in: Sveta Cecilija 22, 1928, S. 68f.; Müller; Wr. Philharmoniker 1842–1942, (1942), S. 123 (für Karl S. d. Ä.); J. Gmeiner, Verzeichnis der Nachlässe … in der Musiksmlg. der Österr. Nationalbibl., Typoskript, 1992; HHStA, Wien.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 14f.
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