Schöll, Jakob Friedrich (1770-1841), Fabrikant

Schöll Jakob Friedrich, Fabrikant. Geb. Güterstein bei Urach, Württemberg (Deutschland), 14. 9. 1770; gest. Brünn, Mähren (Brno, Tschechien), 30. 11. 1841. Sohn eines Gestütsverwalters, Onkel des Vorigen, Vater von Adolf S. (s. d.), Großvater von Rudolf und Fritz S. (s. u. Adolf S.); evang. AB. S. war Färbereileiter bei der Fa. Pastor & Co. in Burtscheid, 1792 bei Mundy in Brünn, mit dem er jedoch einen Prozeß führte, nach dessen Beendigung er 1793 als Dir. und Kompagnon bei der Fa. Herring, die die Gloxinsche Färberei in Pacht hatte, eintrat. 1795 machte er sich selbständig und errichtete in Brünn eine eigene Schönfärberei. 1816 erhielt S. gem. mit dem Mechaniker und Maschinenkonstrukteur Johann Reiff (geb. Urach, 24. 3. 1772; gest. Schlapanitz, Mähren/Šlapanice, Tschechien, 7. 3. 1820) – er war mit den Schölls verwandt bzw. verschwägert und wurde von ihnen nach Brünn geholt – sowie mit August Schöll und (Christian) Friedrich Mem(m)ert für deren Fabrik Reiff et Comp. ein Privileg zur „Wollschrobblerei und -spinnerei“ in Schlapanitz bei Brünn. S. hatte dort bereits 1814 Baulichkeiten erworben, darunter die sog. Paulanermühle, 1819 wurde das Unternehmen durch Kauf des sog. Freihofschlößls wesentl. erweitert, wodurch die Umsiedlung der fabrikseigenen Maschinenerzeugung dorthin ermöglicht wurde. Diese, hauptsächl. wegen des Ausfuhrverbots für engl. Maschinen notwendig, war von den Gesellschaftern schon früh ins Auge gefaßt worden, zumal in der Person Reiffs ein äußerst begabter Konstrukteur zur Verfügung stand. Nach Reiffs frühem Tod wurde sein bisheriger Mitarbeiter, der Mechaniker Heinrich Alexander Luz (geb. Metzingen, Württemberg/Deutschland, 15. 8. 1787; gest. Brünn, 5. 6. 1852), 1821 Partner und techn. Leiter in der Fa., die unter dem neuen Namen „Schöll & Luz“ geführt wurde; 1822 traten August Schöll und Mem(m)ert als Gesellschafter aus. Luz wandte sein Hauptinteresse vermutl. bereits 1821 der Erzeugung von Dampfmaschinen zu, schon 1824 erhielt er – gem. mit S. – ein Privileg auf eine Dampfmaschinenverbesserung. Mit dieser Schwerpunktverlagerung – die Maschinen wurden zunehmend nicht nur für den eigenen Bedarf erzeugt, sondern auch verkauft – vollzog sich der wesentl. Wandel, der mit der Aufspaltung der Fa. endete: 1834 verlegte Luz die Dampfmaschinenerzeugung nach Brünn und gründete die Fa. H. A. Luz, aus der sich in der Folge die renommierte Erste Brünner Maschinen-Fabriks-Ges. entwickelte, während S. die Textilfabrik in Schlapanitz weiterführte und 1841 auch die Geschäftsanteile des ehemaligen Partners erwarb. Nach seinem Tod wurde die Fa. von seinem Sohn Karl S. übernommen, der sie 1855 verkaufte. S., ein weitblickender Unternehmer in der frühen Phase der Industrialisierung Österr., war ab 1826 auch Dion.Mitgl. der k. k. priv. mähr.-schles. wechselseitigen Brandschaden-Versicherungsanstalt, Mitgl. der Mähr.-Schles. Ges. zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskde. in Brünn, in der er auch als Fachreferent hervortrat, usw. Vorstand der evang. Gmd. in Brünn, war er auch auf kommunalem sowie sozialem Sektor tätig.

W.: Etwas über das industrielle Verwenden der Wolle …, in: Mitth. der k. k. Mähr.-Schles. Ges. zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskde. in Brünn 3, 1822, n. 51f.; Ueber den dermaligen Stand unserer Ind., rücksichtl. der Fortschritte in Vervollkommnung inländ. Wollwaaren-Erzeugnisse … (Vortrag), ebenda, 7, 1824, n. 31.
L.: Moravia, 6. 12. 1841; Slokar, S. 332, 337, 612; G. Trautenberger, Die Chronik der Landeshauptstadt Brünn 4, 1897, S. 196, 199f., 206, 208, 5, (1897), S. 41f., 65, 72, 83; Die hundertjährige Geschichte der Ersten Brünner Maschinen-Fabriks-Ges. in Brünn von 1821 bis 1921, 1921, bes. S. 8ff., 18ff., 22ff., 27ff., 39, 49f. (mit Bild); G. Haas, Zur Geschichte der Brünner Ind. …, 1943; Eine Stadt als Vermächtnis. Das Buch vom dt. Brünn, 2. Aufl. 1959, bes. S. 305, 309; B. Steiner, První brněnská – dějiny strojírny, 2. Aufl. 1969, S. 11ff.; Moravský zemský archiv (Mähr. Landesarchiv), Brno, Tschechien; Evang. Oberkirchenrat, Stuttgart, Deutschland.
(E. Lebensaft – F. Spurný)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 17f.
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