Schöller, Ferdinand (Franz Xav.) von (1793-1854), Mediziner

Schöller Ferdinand (Franz Xav.) von, Mediziner. Geb. Hartberg (Stmk.), 26. 5. 1793; gest. Graz (Stmk.), 23. 9. 1854. Sohn des Joseph v. S. (s. d.). Diente nach Absolv. des Akadem. Gymn. in Graz während der Napoleon. Kriege ab 1809 in der Steir. Landwehr, stud. nach deren Auflösung ab 1813 Med. an der Univ. Wien und wurde 1817 zum Dr. med. prom. Anschließend substituierter Armenphysikus in Graz sowie ab 1818 dort auch Gerichtsarzt, bot er in diesem Jahr an, am Joanneum unentgeltl. Vorlesungen über Naturgeschichte zu halten und erhielt hierauf die neuerrichtete Lehrkanzel für Zool. an dieser Lehranstalt übertragen, die er bis 1825 betreute. Ab 1819 suppl. er beim med.-chirurg. Stud. die Lehrveranstaltungen Joseph Polzas aus prakt. Med., vertrat diesen auch als Spitalsordinarius am Grazer Allg. Krankenhaus, übernahm 1821 nach Polzas Tod dessen Lehrkanzel der speziellen Pathol., Therapie und med. Klinik und fungierte 1825/26 als Rektor des Lyzeums, 1841/42 als Rektor der Univ. Graz. Daneben besorgte er 1834 auch die Dion. der Grazer Versorgungsanstalten. S. veröff. mehrere wiss. Abhh. sowie eine als offizielles Lehrbuch anerkannte Darstellung der internen Med. Anerkennung fand er u. a. in der Berufung als Mitgl. in die Ständ. Sanitätskomm. für die Stmk. sowie die Landwirtschaftsges. in Stmk. und als korr. Mitgl. der Ges. der Ärzte in Wien und Athen. Neben seiner wiss. Tätigkeit erwarb sich S. bes. Verdienste um das Gesundheitswesen der Stmk., v. a. 1828, 1831 und 1841 während der damals aufgetretenen Ruhr- bzw. Cholera- und Typhusepidemien sowie als einer der gesuchtesten Ärzte von Graz.

W.: Diss. inauguralis medica de Menstruo fluxu physiologico, 1817; Die innerl. Krankheiten des Menschen …, 1839; Fall einer tödtl. Gastro-Enteritis durch Genuss von Kokelskörnern, in: Oesterr. Medicin. Ws., 1843; Über das in der k. k. Gebäranstalt zu Grätz herrschende Puerperalfieber, in: Medicin. Jbb. 48–49/50, 1844–45; (Weitere Beobachtungen) Ueber die Wirkung des (empyreumat.) Braunkohlen-Oehls (…) bei chron. Gehirnerweichung (…), in: Oesterr. Medicin Ws., 1847; usw. – Nachlaß, Stmk. LA, Graz, Stmk.
L.: Grazer Ztg., 26. 9. 1854 (Abendausg.); Hirsch; Wurzbach (s. u. Schöller Joseph v.); Medicin. Schriftsteller-Lex. der jetzt lebenden Aerzte …, hrsg. von A. C. P. Callisen, 32, 1844; F. v. Krones, Geschichte der Karl Franzens-Univ. in Graz, 1886, s. Reg., bes. S. 511ff.; Botanik und Zool. in Österr. …, 1901, S. 79; Das stmk. Landesmus. Joanneum …, red. von A. Mell, 1911, S. 241; V. Fossel, Geschichte der med. Fak. in Graz von 1863–1913, 1913, S. 5; A. D. v. Rüden, Medicina Graecensis, (1978), S. 86ff.; E. Simandl – W. List, in: Hist. Jb. der Stadt Graz 10, 1979, S. 141f.; H. H. Egglmaier, Das med.-chirurg. Stud. in Graz (= Diss. der Univ. Graz 50), 1980, s. Reg., bes. S. 384f.; D. A. Binder, Das Joanneum in Graz – Lehranstalt und Bildungsstätte (= Publ. aus dem Archiv der Univ. Graz 12), 1983, s. Reg., bes. S. 59.
(H. H. Egglmaier)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 19f.
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