Schoeller, Gustav Adolph von (1826-1889), Großindustrieller, Großunternehmer und Bankier

Schoeller Gustav Adolph von, Großindustrieller, Großunternehmer und Bankier. Geb. Düren, Preußen (Deutschland), 5. 10. 1826; gest. Wien, 25. 6. 1889. Sohn von (Heinrich) Eduard v. S. (s. u.), Neffe von (Wilhelm) Alexander, Cousin von Philipp Wilhelm d. J. und Paul Eduard v. S. (alle s. d.), Schwiegervater von Armand Dumreicher v. Österreicher (s. d.); evang. HB. S., der als Mitschöpfer des Werkes Alexander v. S.s gilt, wurde von diesem 1847 in das Großhandlungshaus „Alexander Schoeller“ (später „Schoeller & Co.“) nach Wien geholt, ab 1869 öff. Gesellschafter. Er konnte seinen Onkel bei der Weiterführung der Firmenunternehmungen wesentl. entlasten, insbes. was die Ternitzer Eisenwerke sowie den Absatz der Zucker- und Mühlenprodukte anlangte. Nach dem Tod Alexanders folgte er diesem als Chef von „Schoeller & Co.“ nach. Unter S.s Leitung wurde 1888 im Berndorfer Werk, das nach seinem Tod 1890 in den alleinigen Besitz von A. Krupp (s. d.) überging, durch die Erzeugung von Blechen und Drähten aus Messing und Tombak und die Aufstellung eines Dampfhammers eine eigene Hülsenfabrik zur Produktion von Kriegsmaterial begründet. Im Ternitzer Werk, der „Ternitzer-Walzwerk und Bessemer-Stahlfabrikations-AG.“, führte S. die noch von seinem Onkel geplanten Neuorganisationen fort; die in Hirschwang und Edlach befindl. Betriebe wurden aus wirtschaftl. Gründen nach Ternitz verlegt, der Hochofenbetrieb wurde eingestellt. Kurz vor S.s Tod wurde die AG aufgelöst. Wegen eines schweren Nervenleidens mußte er die Firmenleitung zuletzt fast gänzl. seinen mitverantwortl. Cousins Philipp Wilhelm und Paul Eduard überlassen. S. bekleidete auch eine große Zahl von Verwaltungsratsstellen bei großen österr. Ind.-, Banken- und Eisenbahnunternehmungen, wie etwa bei der Bodencreditanstalt in Wien und der K. Ferdinands-Nordbahn. Am Gmd.Leben der evang. Gmd. HB in Wien aktiv beteiligt, war S. 1865–89 Gmd.Vertreter, 1867–89 auch Presbyter und betreute – wie auch schon sein Onkel – deren Vermögensverwaltung. S.s Vater, (Heinrich) Eduard v. S. (geb. Düren, Frankreich/Deutschland, 12. 1. 1803; gest. Ternitz, NÖ, 18. 1. 1879), war wie etl. andere Angehörige der Familie S. in der Zuckerind. tätig. Vorerst gem. mit Reich und vermutl. mit finanzieller Unterstützung seines Bruders Alexander pachtete er 1853 die Herrschaft Edelény bei Miskolcz und richtete die darauf befindl. Zuckerrübenfabrik neu ein, hatte jedoch Anfang der 60er Jahre mit schweren Verlusten zu kämpfen. 1873 trat er i. R. und wurde im darauffolgenden Jahr nob.

L.: N. Fr. Pr., NWT (beide Abendausg.), 25. 6. 1889; Wr.Ztg., 10. 6. 1958; Großind. Österr. I, Bd. 5, S. 105; A. V. Schoeller, Geschichte der Familie S., 1894, S. 96, 366; H. Frh. v. Dumreicher, 100 Jahre Haus S., 2. Aufl. 1934, S. 22ff., 38, 40, 44 (mit Bild); H. Benedikt, A. v. Schoeller …, 1958, bes. S. 66f., 94f., 106, 124, 170, 180 (mit Bild); Die Städte NÖ, red. von F. Goldmann, 3 (= Österr. Städtebuch 4/3), 1982, S. 140f.; Die evang. Gmd. H.B. in Wien, hrsg. von P. Karner, 1986, S. 88; Schoeller-Bleckmann. Ber. zum 100jährigen Bestand der Edelstahlwerke, o. J., S. 20; Mitt. Philipp Schoeller, Wien. – (Heinrich) Eduard v. S.: A. V. Schoeller, Geschichte der Familie S., 1894, S. 96, 331; H. Benedikt, A. v. Schoeller …, 1958, S. 103f., 155.
(E. Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 21
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