Schön, Eduard; Ps. E. S. Engelsberg (1825-1879), Komponist, Schriftsteller und Beamter

Schön Eduard, Ps. E. S. Engelsberg, Komponist, Schriftsteller und Beamter. Geb. Engelsberg, österr. Schlesien (Andělská Hora, Tschechien), 23. 1. 1825; gest. Dt. Jassnik, Mähren (Jeseník nad Odrou, Tschechien), 27. 5. 1879. Sohn des Webermeisters Anton S. Er besuchte 1835–43 die Hauptschule bzw. das Gymn. in Olmütz (Olomouc) und stud. dann bis 1846 Jus an der dortigen Univ., 1846–47 an der Univ. Wien; 1850 Dr. jur. in Wien. Zunächst Konzeptspraktikant bei der Hofkammerprokuratur, leistete er ab 1851 Dienst im Finanzmin. (Dep. Kreditoperationen, Bank und Börse): 1852 Konzeptsadjunkt, 1856 Ministerialkonzipist und provisor., 1860 def. Generalsekretär der Wr. Börsekammer (bis 1869, für seine diesbezügl. Verdienste 1867 Ritter des Franz Joseph-Ordens). 1867 Ministerialsekretär, wurde S. 1869 Sektionsrat und Leiter des Dep. für Kreditsachen, im selben Jahr landesfürstl. Börsenkoär. In dieser Funktion nahm er während einer Phase des Aufstiegs wie der Krise (Börsenkrach 1873) eine wichtige Mittlerrolle zwischen Börse und Regierung ein und hatte hervorragenden Anteil an der Ausarbeitung des Börsengesetzes von 1875 und des Börsenstatuts. 1871 wurde S. in die Donauregulierungskomm. berufen, 1872 Min.Rat, 1874 (als Ersatz für die mit mangelndem Durchsetzungsvermögen begründete Nicht-Ernennung zum Sektionschef) Ritter des Leopold-Ordens; 1879 mit dem Titel und Charakter eines Sektionschefs krankheitshalber i. R. Dieses verantwortungsreiche und arbeitsintensive, von Sachkenntnis und Pflichterfüllung gekennzeichnete Beamtenleben trennte S. geradezu ängstl. von seiner zweiten Betätigungskomponente, der Musik. Aufgewachsen in der regen Musikkultur von Engelsberg und Olmütz, bildete er sich in der Musiktheorie selbst aus, erste Jugendwerke (Lieder, Chöre, Klavierstücke) wurden 1845 gedruckt. In Wien fand S. sofort Verbindung zu den musikal. Kreisen, verkehrte im Hause Diabellis (s. d.) und schloß lebenslange Freundschaft mit Hanslick (s. d.), als dessen Vertreter er 1850–52 (bzw. 1852–53 gem. mit ihm) die Musikkritiken in der Wr. Ztg. verfaßte, und dem er vor seinem Tod gem. mit Kremser (s. d.) und Rudolf Weinwurm die Eigentumsrechte an seinen hinterlassenen Kompositionen übertrug. Diese, in der Hauptsache Männerchöre, bildeten – ausgehend von der Urauff. der „Narrenquadrille“ (1863) durch den Wr. Akadem. Gesangver. – fortan einen unverzichtbaren Bestandtl. im Repertoire der Gesangver. seiner Zeit. S. wurde zum Lieblingskomponisten des Akadem. Gesangver., der namentl. seine heiteren, vorwiegend auf ein student.-gebildetes Publikum zielenden Werke (oft nach eigenen Texten) aufführte. Von den ernsten Kompositionen ist das „Deutsche Freiheitslied“ von 1848 mit dem Text seines Freundes Machanek (s. d.) im student. Gesangswesen noch heute präsent. Auch in den Produktionen des Wr. Männergesang-Ver., dessen ausübendes Mitgl. er 1847–50 war und durch den er 1861 (Urauff. des Chores „Waldesweise“) das erste Mal – wenn auch unter dem fortan geführten Ps. – an die Öffentlichkeit getreten war, nahm S. eine dominierende Stelle ein, wobei dieser eher den ernsten Stücken (z. B. „Meine Muttersprache“, 1869, „So weit“, 1870) zur Popularität verhalf. S.s alle Gattungen des Liedes, bes. aber das Chorlied umfassendes Schaffen ist auf leichte Ausführbarkeit gerichtet. Das Hauptaugenmerk liegt auf der schlichten, gefälligen Struktur der melod. Linie bei starker Rhythmisierung, die Harmonik ist durch häufige Verwendung des Nonenakkords bzw. der None als Vorhalts- oder Wechselnote charakterisiert. S. wurden mehrere Denkmäler gesetzt, er war Ehrenmitgl. von 23 Gesangsver. und Ehrenbürger von Engelsberg (1872).

W.: 12 Kirchenkompositionen, 169 Chöre, 63 Lieder usw. (s. Verzeichnis bei Neußer – Hausleithner); musikal. Hss., Archiv des Wr. Männergesang-Ver., Wien. – Publ.: Die Wr. Börseordnung vom 11. Juli 1854 …, 1860; Das allg. dt. Handelsgesetzbuch und die Wr. Börse, 1864; Die Liquidation an der Wr. Börse und Vorschläge zur Reform derselben, 1869; usw. Briefe, Hss.Smlg., WStLBibl., Wien.
L.: N. Fr. Pr., 14. 2., 28. 5. (Abendausg.), 3. 6. 1879, 25. 12. 1902; Wr. Ztg., 28. 5., 1. 6., Fremden-Bl., 28. (Abendausg.), 29. 5., NWT, 29. 5. 1879, 18. 1. 1925; Troppauer Ztg., 29., Mähr.-schles. Correspondent, 30. 5. 1879; ADB; Riemann, 11. Aufl.; Wurzbach; Ch. d’Elvert, Geschichte der Musik in Mähren und Oesterr.-Schlesien … (= Schriften der Hist.-statist. Sektion der Mähr.-schles. Ges. zur Beförderung des Ackerbaues 21), 1873, S. 171, 256f.; Jahresber. des Wr. akadem. Gesangver. 21, 1879, S. 9ff.; Jahresber. des Wr. Männer-Gesang-Ver. … 1879, S. 37ff.; A. v. Wouwermans, E. S. Engelsberg, 1882; J. Machanek, Engelsbergiana, 1883; L. (Herbeck), J. Herbeck, 1885, S. 105f.; E. Hanslick, Aus meinem Leben 1, 1894, S. 149, 194f., 197ff., 2, 1894, S. 118ff.; ders., Concerte, Componisten und Virtuosen der letzten 15 Jahre …, 1896, S. 308ff.; D. Siebert, in: Die Kultur 7, 1906, S. 81ff.; H. Neußer – A. Hausleithner, E. S. Engelsberg … Leben und Werk, 1925 (mit Bildern und Werksverzeichnis); J. Jernek, Der österr. Männerchorgesang im 19. Jh., phil. Diss. Wien, 1937, S. 166ff.; K. Adamek, Hundert Jahre Wr. Männergesang-Ver., (1943), s. Reg. (mit Verzeichnis der im Archiv befindl. Notenhss.); J. Frieben, R. Weinwurm, phil. Diss. Wien 1962, s. Reg.; R. v. Braun, in: Nordmähr. Heimatbuch 20, 1973, S. 89ff.; R. Jirka, Hdb. der Grabstätten von Persönlichkeiten auf dem Grinzinger Friedhof zu Wien, 1986, S. 205ff.; E. Ramminger, Der Wr. Männergesang-Ver. Sein Repertoire … 1–2, phil. Diss. Wien, 1989, s. Reg.; Finanzarchiv, UA, beide Wien; Mitt. Gernot Ludwig, Lauingen a. d. Donau, Deutschland.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 31f.
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