Schoen (Schön), Johann Carl; eigentl. Carl Borr. (1805-1848), Beamter und Eisenbahnarchitekt

Schoen (Schön) Johann Carl, eigentl. Carl Borr., Beamter und Eisenbahnarchitekt. Geb. Wien, 18. 7. 1805 (Taufdatum); gest. bei Cilli, Stmk. (Celje, Slowenien), 27. 7. 1848 (Badeunfall). Sohn eines bürgerl. Obsthändlers, Vater des Folgenden. Stud. nach Absolv. der Realschule des Polytechn. Inst. in Wien dort 1820–24 an der Techn. Abt., bes. Land-, Wasser- sowie Hochbau, 1824/25 Architektur an der Akad. der bildenden Künste bei P. Nobile (s. d.). 1828 trat er als Praktikant in den Dienst des Hofbaurates, rückte 1829 zum Diurnisten, 1831 zum Ingrossisten, 1837 zum Rechnungsoffizial, 1842 zum Rechnungsrevidenten auf und war ab 1843 als Ing. 1. Kl., ab 1846 als Obering. eingesetzt. Vorerst in Wien, ab 1837 beim Baudep. Venedig, kam er 1842 zur Gen.Dion. der Staatseisenbahnen. Nach langer Tätigkeit im Rechnungswesen fand er schließl. die seiner Ausbildung gemäße Verwendung und leitete den Bau der Gebäude der südl. Staatseisenbahn in der Stmk. und in Krain. Bes. Verdienste erwarb er sich jedoch durch Entwurf und Errichtung des 1844 begonnenen, 1845 eröffneten Bahnhofs von Prag, der ersten großen derartigen Anlage in Österr. Durch zwei Gebäude, zwischen denen sich die hallenüberdeckten Gleisanlagen befanden, wurde erstmals eine Trennung zwischen Abfahrts- und Ankunftstrakt geschaffen.

L.: Geschichte der Eisenbahnen 1/1, S. 222ff., 2, S. 332f. (über Prager Bahnhof); Poggendorff 4 (s. u. Schoen Johann Georg); AVA, Finanz- und Hofkammerarchiv, Archiv der Techn. Univ. und der Akad. der bildenden Künste, alle Wien.
(F. Hillbrand-Grill)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 35
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