Schönfeld, Baruch (1787-1852), Schriftsteller und Lehrer

Schönfeld Baruch, Schriftsteller und Lehrer. Geb. Senitz/Szenicz, Oberungarn (Senica, Slowakei), 29. 8. 1787 (1778); gest. Pest (Budapest, Ungarn), 29. 12. 1852. Mos. Aus armen Verhältnissen stammend – sein Vater war Schriftführer, Lehrer, Schächter und Vorbeter der jüd. Gmd. –, konnte sich S. die von ihm angestrebte wiss. Bildung nur als Autodidakt aneignen und stud. bereits in frühen Jahren Hebr., Dt., Latein, Geschichte usw. 1801 ging er nach Prag, wo er sich insbes. mit der klass. latein. (später auch griech.) sowie dt. Literatur beschäftigte; insbes. die Dichtung Schillers, von dem er viele Ged. ins Hebr. übers., wirkte auf seine eigenen Arbeiten. S.s Beschäftigung mit Moralphil. fand ihren Niederschlag in seinem 1814 in Wien erschienenen hebr.sprachigen Erstlingswerk „Tsror prachim“ („Blütenstrauß“), 1824–29 gehörte er neben B. Schlesinger (s. d.) zu den fruchtbarsten Mitarbeitern der Jbb. „Bikkure-ha-’ittim“, in denen er Ged. (u. a.Übers. von Klopstock und von Schillers „An die Freude“), Übertragungen aus Horaz, Fabeln sowie Aufsätze zu archäolog. und ethnograph. Themen veröff. S. blieb zwölf Jahre in Prag, war dann Erzieher und Hauslehrer in verschiedenen mähr. Orten. Zuletzt kam er nach Proßnitz (Prostějov), wo er, nach Ablegung der Zulassungsprüfung an der Normalhauptschule bei St. Anna in Wien (1832), als Lehrer an der öff. jüd. Schule wirkte, diese Stelle jedoch wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Gmd. bald wieder verließ und ein unstetes Gelehrtenleben führte. 1838 zog er sich in seine Heimatgmd. zurück, um die Midraschim als literar. Stoff zu stud. 1839 ermöglichten ihm Freunde und Gönner (u. a. I. N. Mannheimer, s. d.) einen Kuraufenthalt in Marienbad (Mariánské Lázně), der ihm nicht nur Gesundung, sondern auch die Bekanntschaft einiger dort weilender dt. Gelehrter verschaffte, woraufhin er 1840 eine Reise durch Deutschland unternahm, wo er Vertreter des aufgeklärten Judentums traf und der Besuch der Gräber von Moses Mendelssohn und Salomon Maimon einen starken Eindruck bei ihm hinterließ. 1844 kehrte er nach Szenicz zurück, wo ihm der – seinerzeit von ihm selbst initiierte – jüd. Schulver. die Leitung bzw. Reorganisierung der in seiner Abwesenheit errichteten Schule übertrug. Hier schien S. sein Bildungsideal, die Kinder systemat. in den religiösen und weltl. Fächern zu unterrichten, verwirklichen zu können. Die Feindschaft des Rabbiners jedoch sowie die schlechte materielle Entlohnung und nicht zuletzt der Tod eines Sohnes (1846) verbitterten sein Leben und bewogen ihn, wieder auf Wanderschaft zu gehen. Not und Krankheit überschatteten seine letzten Jahre.

W.: Verzeichnis seiner Beitrr. für Bikkure-ha-’ittim bei B. Wachstein, s. u., S. 204f.; Mussar heskel (Sittenbüchlein), 1831; ’Anaph ’ets’ abhot (Zweig vom Baum der Väter), 1841 (Dichtungen nach Midrasch-Stoffen); usw.
L.: M. Zsidó Lex.; Szinnyei; I. Reich, Beth-El. Ehrentempel verdienter ung. Israeliten, 2. Aufl., 1868, S. 204ff.; Jew. Enc.; B. Wachstein, Die hebr. Publizistik in Wien (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Dt.Österr. 9), 1930, s. Reg.
(N. Vielmetti)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 71f.
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