Schönfeld, Ignaz von (1778-1839), Beamter und Genealoge

Schönfeld Ignaz von, Beamter und Genealoge. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 1778; gest. Wien, 11. 11. 1839. Sohn des Folgenden, Onkel des Anton Frh. v. S. (s. d.) und des Wenzel v. S. (s. u. Anton Frh. v. S.), vermutl. Cousin von Peter v. S. d. Ä. (s. d.). Wirkte nach jurid. Stud. an der Univ. Prag ab 1800 bei den Landrechten in Tarnów und Czernowitz (Cernivci), avancierte 1805 zum Landrat, verließ jedoch 1813 den Staatsdienst, um in Prag die Leitung der Schönfeldschen Druckerei sowie der Prager Oberpostamtsztg. zu übernehmen. Bei dieser Tätigkeit zeigte er sich wenig erfolgreich, verlor vermutl. durch Spekulationen größere Summen und zog sich 1818 wieder vom Geschäft zurück. Nach Ablegung der entsprechenden Prüfung erhielt er eine Hofagentenstelle und übersiedelte nach Wien. Schon im folgenden Jahr einer der Subskribenten des von Johann Bapt. Weber, Pfarrer in Wien-Leopoldstadt, geschaffenen Fonds zur Errichtung einer Sparkasse, war er bald maßgebl. Mitgl. des daraus hervorgegangenen „Vereins der Ersten österreichischen Spar-Casse in der Leopoldstadt in Wien“ und legte noch im selben Jahr dessen Statuten vor. 1819–21 Vorsteher und Kanzleivorsteher, 1822–28 permanenter Kanzleivorstand des Inst. sowie 1825–28 Referent der örtl. Versorgungsanstalt, verzichtete er 1826 auf die Hofagentenstelle. Zwei Jahre später trat er wegen Differenzen bezügl. seiner z. Tl. von den Ver.Zielen abweichenden Geschäftsführung auch von seinen Funktionen in der Sparkasse zurück. Er begab sich daraufhin im Auftrag der Familie Logothetti, deren Güter in Bessarabien er schon während seiner Dienstzeit beim Landrecht verwaltet hatte, kurzfristig nach Odessa und widmete sich nach seiner Rückkehr Angelegenheiten der Sparkasse, von der er bis zu seinem Tod Gewinnanteile bezogen haben dürfte. Daneben war er um die Geltung des 1821 geerbten und durch ihn vermehrten diplomat.-herald. Adelsarchivs bemüht. Es als „Schönfeld’sches Adelsarchiv“ öff. für die Klärung rechtl. Fragen anzubieten, wurde ihm jedoch verwehrt. 1824 konnte er den ersten Bd. eines in Geschlechter-, Adels- und Ahnenbuch gegliederten österr. Adelsschematismus vorlegen, in dem er auch Biographien österr. Genealogen veröff. Wahrscheinl. veranlaßt durch die Haltung der Behörden, veräußerte er aber 1826 seine Smlg., die schließlich nach einer 1840 durchgeführten öff. Versteigerung, vor der die Behörden mehrere Stücke hatten beschlagnahmen lassen, zerstreut wurde. Mit dem Verkauf stellte S. auch die Hrsg. des Adelsschematismus ein und gab seinen Plan eines Adelslex. auf. Den Verkaufserlös investierte er in das gem. mit anderen errichtete Holzzerkleinerungsunternehmen „Phorus“. Daneben wirkte er als Geschäftsführer der 1823–26 bestehenden „ersten“ Donaudampfschiffahrtsges. und betrieb auch die Begründung eines österr. Ausstellungsbüros zur Belebung von Handel, Gewerbe und Verkehr usw. nach französ. Muster. 1833 konnte er die im Jahr davor bewilligte Institution eröffnen und in Verbindung damit auch eine Ztg. hrsg. Schon im nächsten Jahr erlitt er jedoch damit einen finanziellen Zusammenbruch, der ihm sogar eine 16monatige Gefängnisstrafe eintrug. Nach seiner Enthaftung hielt er sich häufig in Ungarn auf, wo er in Pest (Budapest) die Errichtung einer Sparkasse und Versorgungsanstalt sowie einer Commerzialbank für Ungarn wie auch einer Ind.Bankfür ganz Österr.-Ungarn anstrebte, über positive Ansätze jedoch nicht mehr hinauskam. S., vielseitig begabt, aber unstet und daher wenig erfolgreich, machte sich jedoch durch seinen entscheidenden Anteil an Begründung und Organisation der „Ersten Österreichischen Spar-Casse“, als deren geistiger Schöpfer er vermutl. zu gelten hat, nicht nur um dieses Inst., sondern darüber hinaus um die weitere Entwicklung des Sparkassenwesens in Österr. verdient, da sich die jüngeren Anstalten an seinen Grundideen orientierten.

W.: Bearb.: Hdb. der erlaeuterten Gerichtsordnung, 1801. Hrsg.: Adels-Schematismus des österr. Kaiserstaates 1–2, 1824–25.
L.: Wurzbach; F. Thausing, 100 Jahre Sparkasse, 1919, S. 448; M. Egger, Die Familie S. und ihre kulturelle Bedeutung für Wien, phil. Diss. Wien, 1951, S. 75ff.; R. Granichstaedten-Czerva, in: Adler 3 (17), 1953–55, S. 298f.; W. Goldinger, in: Mitt. des Österr. Staatsarchivs 13, 1960, S. 491ff.
(H. Jäger-Sunstenau)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 73f.
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