Schönfeld, Theodor von (1816-1879), Politiker und Buchhändler

Schönfeld Theodor von, Politiker und Buchhändler. Geb. Brüx, Böhmen (Most, Tschechien), 2. 2. 1816; gest. Saaz, Böhmen (žatec, Tschechien), 3. 2. 1879. Sohn von Peter S. d. Ä. (s. d.), Vater von Constantin (s. u.), Großvater des Vorigen, Onkel von Heinrich v. S. d. J. (s. d.). S. übernahm 1842 die von seinem Vater gegründete Buchhandlung in Saaz, die er in ein größeres, moderneres Geschäftslokal am Ringplatz übersiedelte. In den 70er Jahren verkaufte er das Unternehmen, um sich auf seine kommunalen Aufgaben konzentrieren zu können. 1855 wurde S., nachdem er zuerst der Gmd.Vertretung angehört hatte, als Kandidat der konservativen „Bürger- und Bräuhauspartei“ zum Bgm. gewählt. In dieser ersten (bis 1861) wie auch in seiner zweiten Amtsperiode (1876–79) erwarb er sich bes. Verdienste um das kommunale Bauwesen. So wurde insbes. mit der Errichtung eines neuen Gebäudes für die Volks- und Bürgerschule begonnen, Bauarbeiten an der Stadtdekanalkirche, dem Rathaus und einem Stadtkanal wurden durchgeführt. S. engagierte sich auch im Schützenwesen von Saaz und war 1843–56, dann wieder ab 1874 Hptm. und Kmdt. der Saazer Stadtschützen. Sein Sohn Constantin v. S. (geb. Brüx, 25. 2. 1844, gest. Saaz [?], 23. 3. 1921) maturierte 1861 am Saazer Gymn., stud. 1863–67 an der Univ. Prag Jus; 1867 Dr. jur. 1874 eröffnete er eine eigene Advokaturskanzlei in Saaz, die er bis nach 1900 führte. Auch er war bei den Saazer Schützen aktiv, zunächst als Stellv. seines Vaters und von 1879–1900 als Schützenhptm. und Kmdt. des Corps; 1900 Ehrenkmdt. Ab 1876 dt.nationaler Gmd.Rat, hatte er nach dem Tod seines Vaters die Funktion eines Stadtrats inne und wurde 1887 zum Bgm. gewählt, trat jedoch 1898 zurück. Auch er hatte großen Anteil an der Ausgestaltung von Saaz, so wurden in seiner Amtszeit ein neues Krankenhaus, eine Schule und eine Wasserleitung erbaut. 1890–95 war er auch Abg. zum böhm. Landtag, in welchem er u. a. der Budgetkomm. angehörte. S. war ferner in mehreren Funktionen im dt.nationalen Ver.Leben von Saaz aktiv, wie z. B. als Sprechwart des Dt. Turnver. (1878–95) bzw. – ab 1877 – als Obmann des Lese- und Geselligkeitsver. „Casino“. Sein hohes Ansehen und seine Verdienste fanden in der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Saaz ihren Ausdruck.

L. (großteils auch zu Constantin v. S.): (Dt. Ztg.) Bohemia, 5. 2. 1879, 26. 3. 1921 (zu Constantin v. S.); A. Seifert, Die Stadt Saaz im 19. Jh., 1902, passim; Saazer Land. Hopfenland, (1959), 175ff., 212f., 216f.; Státní oblastní archiv (Staatl. Gebietsarchiv), Litoměřice, Födischchronik, Muz. K. A. Polánka, Zatec, und UA Praha (zu Constantin v. S.), alle Tschechien; Mitt. Jana Brabencová, Praha, Tschechien, und Collegium Carolinum, München, Deutschland.
(Ch. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 78f.
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