Schoepf (Schöpf) Merei (Mérey, Mérei), Ágoston (1805-1858), Mediziner

Schoepf (Schöpf) Merei (Mérey, Mérei) Ágoston, Mediziner. Geb. Raab, Kom. Győr (Győr, Ungarn), 24. 9. 1805; gest. Manchester (Großbritannien), 12. 3. 1858. Sohn eines Kaufmanns, früh verwaist; magyarisierte seinen Namen 1849 zu Merei, führte aber dennoch die alte Form später weiter. Stud. nach Absolv.des Lyzeums in Ödenburg (Sopron) ab 1828 Med. an der Univ. Pavia und wurde 1832 zum Dr. med. et chir. prom. und Mag. obstet., worauf er sich an den Univ. Heidelberg, Wien und Pest weitergebildet haben soll. Anschließend Hospitant in Wien, ließ er sich 1834 in Pest (Budapest) nieder, errichtete dort unter Einsatz bedeutender Eigenmittel ein bald angesehenes orthopäd. Spital und gründete nach dessen Verwüstung durch die große Überschwemmung von 1838 einen Armen-Kinder-Spitalsver., mit dessen Hilfe er noch im selben Jahr eine entsprechende Anstalt – nach Wien, Paris und St. Petersburg die vierte ihrer Art – in Pest eröffnen konnte. 1836 bekam er einen Ruf als ao. Prof. der Geschichte der Med. und Chirurgie an die Univ. Pest. Ab 1844 las er dort auch über Kinderheilkde. und erhielt in der Folge eine Erweiterung seines Extraordinariates um diese Disziplin. Da er sich im Rahmen der ung.-italien. Legion der ung. Revolution von 1848/49 als Militärarzt angeschlossen hatte, flüchtete er nach deren Zusammenbruch in die Türkei, ging dann nach Aufenthalt in der Schweiz nach Paris und schließl. nach Großbritannien, erwarb das ärztl. Lizenziat des Royal College of Physicians of London und ließ sich 1850 als Kinderarzt in Manchester nieder. S., der sich als Arzt während der genannten Überschwemmung sehr verdient gemacht, dabei aber auch wiss. Beobachtungen angestellt hatte, legte als erster in Ungarn regelmäßig Krankengeschichten sowie Sektionsprotokolle an und führte den Kehlkopf-Luftröhrenschnitt, Auskultation, Perkussion sowie Muskel- und Sehnenschnitte unter der Haut ein. Obwohl nicht speziell pädiatr. vorgebildet, war ihm die Kinderheilkde. wichtigstes Anliegen, deren Diagnostik er entwickelte und für die er das erste ung. Lehrbuch verfaßte, von dem er jedoch der Revolution wegen nur den ersten Bd. veröff. konnte. Er förderte daneben auch die Bäderkde., trat für die Errichtung einer Findelanstalt in Pest ein und war mit Fragen der Spitalsorganisation befaßt. Auch in Großbritannien entfaltete er eine vielseitige Vortrags- und Publ.Tätigkeit, las zudem an der Chatham Street School of Medicine und gründete gem. mit James W. Whitehead ein Kinderspital in Manchester. S., der in Ungarn Mitgl. des Kaiserhauses behandelt hatte, stand auch später zu prominenten Persönlichkeiten, v. a. literar. und med. Kreise, in Kontakt, und blieb u. a. Joseph Skoda zeitlebens freundschaftl. verbunden. Die polit. Amnestie als Voraussetzung für die von ihm ersehnte Rückkehr in die Heimat erlebte er nicht mehr. S., Mitgl. mehrerer gel. Ges., 1835 zum korr. Mitgl. der Ung. Akad. der Wiss. gewählt und noch fast 100 Jahre nach seinem Tod hoch angesehen, wurde 1945 seitens der ung. Ärzte- und Pflegepersonalgewerkschaft durch Hrsg. einer Medaille geehrt. Er gilt als Pionier der Kinderheilkde. in Ungarn.

W.: Diss. medico-chirurgica de ischuria producta ab urethrae coarctationibus …, 1832; Orvosi rendszerek-, gyógymódok-, ’s némelly rokon tárgyakról (Über ärztl. Systeme, Heilarten und verwandte Gegenstände), 1835; Populäre Andeutungen über Scrofeln …, 1836; Die umstimmenden Einwirkungen und die Krankheiten des Körpers und der Seele während und nach der Überschwemmung von Pesth, 1839; Jahres-Beitr. zur prakt. Med. und Chirurgie in Kinderkrankheiten vom Pesther Kinderspital …, 1841; Die Heilquellen von Szliács in Ungarn …, 1841; A’ mellbetegségek biztosabb megismerése … (Über bessere Kenntnis und Heilung der Brustkrankheiten …), 1842; A pesti gyermekkórház 3 1/4 évi müködésének áttekintése (Überblick über die 3 1/4jährige Tätigkeit des Pester Kinderspitals), 1842; A gyermekgyógyászat tankönyve (Lehrbuch der Kinderkrankheiten) 1, 1847; On spasms and convulsions of children, in: Monthly Journal of Medical Science, 1850, auch selbständig; On the Disorders of infantile development and rickets …, 1855 (tw. auf Vorlesungen basierend); Children’s diseases, 2 Bde., gem. mit J. W. Whitehead, 1856–57; Abhh. in Provincial and Surgical Journal; usw. Mithrsg.: Report of the Clinical Hospital and Dispensary for Children, 1856ff.
L.: Hirsch; M. Életr. Lex. (mit Bild); Pázmány Egyetem 3, s. Reg.; Szinnyei; Wurzbach; Medical Times and Gazette, 3. 4. 1858; British Medical Journal, 1858, S. 296f.; Orvosi Hetilap 2, 1858, Sp. 209ff., 225ff.; S. Lumniczer, Emlékbeszéd … néhai S. M. A. … felett, 1860; MTA Almanach, 1863, S. 288f.; Orvosi Hetilap 34, 1890, S. 75; Századunk névváltoztatásai, 1895, S. 158; E. Hőgyes, Emlékkönyv …, 1896, S. 206ff.; J. Eröss, in: Orvosi Hetilap, 53, 1909, S. 67ff.; ders., in: Pester Med.-Chirurg. Presse 45, 1909, S. 138ff.; J. v. Bokay, Geschichte der Kinderheilkde., 1922, S. 45 (mit Bild); G. Jáki, in: Élet és Tudomány 13, 1958, S. 323ff.; Orvosi lex., 1973; V. Csanád – K. Kapronczay, in: Orvosi Hetilap 119, 1978, S. 1617ff.; I. Csillag, ebenda, 123, 1982, S. 1111ff.; G. Zétény, A magyar szabadságharc honvédorvosai 1848–1948, 1984; Akadémiai Kislex. 2, 1990.
(K. Fülep)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 105
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>