Schöpf (Schoepf, Schöpff), Albin Franz (Francisco, Franciszek) (1822-1886), General

Schöpf (Schoepf, Schöpff) Albin Franz (Francisco, Franciszek), General. Geb. Podgórze, Galizien (Kraków-Podgórze, Polen), 1. 3. 1822; gest. Hyattsville, Md. (USA), 15. 1. 1886. Sohn eines dt.-österr. Geometers und einer poln. Mutter. Wurde in Wien erzogen und ist wohl mit dem ebenfalls aus Podgórze – wo sich für die fragl. Zeit kein zweiter gleichen Namens nachweisen läßt – stammenden Studenten A. F. S. ident, der 1837 als Unterkanonier in das Feldart.Rgt. 3 eintrat, dort im selben Jahr zum Kanonier und, im Jänner 1843 zum IR 15 versetzt, im Dezember 1843 zum Rgt.Kadetten aufstieg. Nach Verlust seines Ranges diente dieser bis zu seiner Entlassung 1851 als Gemeiner. Mit dieser Laufbahn ist allerdings schwer die Angabe zu vereinen, S. hätte – zuletzt als Mjr. und Adj. Gen. Bems (s. d.) – in einem poln. Freiwilligenverband 1848/49 auf Seite der ung. Aufständ. gekämpft: eine Behauptung, die ebensowenig zu verifizieren ist wie jene, S. wäre 1849 in die Türkei geflüchtet, zum Islam übergetreten und Lehrer in Aleppo gewesen. 1851 emigrierte S. jedenfalls in die USA, wo er zunächst als Träger in einem Hotel in Washington arbeitete. Von Joseph Holt, damals Commissioner of Patents, ins Patentamt geholt und 1858 Ass. Examiner, kam er nach dessen Ernennung zum Kriegsmin. ins War Dep. Nach Ausbruch des Sezessionskrieges wurde S. im Dezember 1861 zum Brigadier Gen. of Volunteers ernannt und verblieb bis 1866 im Militärdienst. Nach ehrenvoller Entlassung kehrte er in das Patentamt zurück, wo er bis zu seinem Tod, zuletzt als Chief Examiner, wirkte. Als Gen. 1861 nach Kentucky entsandt, operierte er anfangs erfolgreich gegen konföderierte Truppen unter Gen. Felix K. Zollicoffer, so bei Rock Castle/Cumberland Mountains, mußte sich aber bald in einen überstürzten Rückzug retten. In den Winterkämpfen 1861/62 kommandierte er eine Brig. unter Gen. George H. Thomas, 1862 bei Perryville eine Div. in Gen. Calvin C. Gilberts 3. Korps. Seiner glücklosen Führung wegen kam er anschließend als Kmdt. an das Bundesgefängnis Fort Delaware bei New Castle. S.s Karriere in der Armee der Nordstaaten gilt als typ. für die oft wenig erfolgreichen polit. Ernennungen zu Beginn des Krieges 1861. Er erwies sich als wenig flexibel und hielt an europ. Vorstellungen von militär. Disziplin fest. Diese Charakterzüge, durch die er sich bei Off. wie Mannschaft unbeliebt machte, sollen sein Versagen als Truppenführer verursacht haben.

L.: Wanderer, 15. (Abendausg.), Die Presse, 17. 2. 1862; M. Életr. Lex.; W. Enc. Powsz. PWN; Új Idők Lex.; Wurzbach; Appletons’ Cyclopaedia of American Biography, hrsg. von J. G. Wilson und J. Fiske, 5, 1888; F. B. Heitmann, Historical Reg. … of the United States Army 1/2, 1903; T. W. Herringshaw’s national library of American biography, 5 Bde., 1909–14; E. Vasvary, Lincoln’s Hungarian Heroes, 1939, S. 80, 157 (engl. und ung., mit Bild); E. J. Warner, Gen. in Blue: Lives of the Union Commanders, 1964, S. 424f.; KA Wien; Hadtörténelmi Leveltár (Kriegsgeschichtl. Archiv), Budapest, Ungarn.
(E. A. Schmidl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 99
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