Schöpf, Joseph Anton (1822-1899), Kirchenrechtslehrer und Schriftsteller

Schöpf Joseph Anton, Kirchenrechtslehrer und Schriftsteller. Geb. Umhausen (Tirol), 5. 2. 1822; gest. Guggenthal (Salzburg, Sbg.), 21. 11. 1899. Sohn wohlhabender Bauern. S. besuchte ab 1832 das akadem. Gymn. in Innsbruck, absolv. die phil. Jgg. in Innsbruck und Graz und stud. 1841–45 in Salzburg Theol. Nach der Priesterweihe (1845) wirkte er als Hilfspriester in Stumm (Tirol) und wurde 1848 mit der Supplentur für Kirchengeschichte, 1849 auch für Kirchenrecht, an der Salzburger Theolog. Stud.Anstalt betraut. 1848–51 red. er, von Fürsterzbischof Friedrich Schwarzenberg dazu bestellt, die von diesem zur Förderung kirchl. Interessen gegründete „Salzburger Constitutionelle Zeitung“, wobei S. auf selbständige Reformvorschläge und persönl. Auseinandersetzungen nicht verzichtete. 1851 Dr. theol., 1852 o. Prof. für Kirchengeschichte und Kirchenrecht an der Salzburger theolog. Fak., war er 1855–75 sechsmal Dekan und trat 1884 i. R. S. war ein Mensch von temperamentvollem Wesen und von unglaubl. Arbeitskraft. Stets der kath. Glaubenslehre treu, zeigte er eine wahrhaft liberale Gesinnung. Mit seinem Eintreten für religiöse Toleranz (er wandte sich z. B. gegen die Ausweisung von „nichtkatholischen Mitchristen“ aus Tirol) und seiner Ablehnung des Antisemitismus (den er als „eine Schmach des 19. Jahrhunderts“ bezeichnete) zog er sich manche Gegnerschaft zu. Als akadem. Lehrer war S. wegen seiner anregenden, faßl. Vortragsweise geschätzt. Ihm ist auch eine zeitgemäße Reform des Theol.Stud. zu verdanken: 1852 ersetzte er den in seinen Grundzügen seit 1774 bestehenden Stud.Plan durch einen neuen, der in die Stud.Ordnung von 1858 einging und auf lange Zeit für ganz Österr. verbindl. wurde. V. a. gewann S. nachhaltigen Einfluß durch sein „Handbuch des Katholischen Kirchenrechts …“, das, auf bewährte Autoren gestützt, auf die Praxis der Theologen, Seelsorger und Juristen ausgerichtet war. S. war 1852–74 Präses des auf seine Initiative durch Adolf Kolping gegründeten Sbg. „Katholischen Gesellenvereins“, 1862 Mitbegründer einer Schulkinderbewahranstalt, die er durch sieben Jahre leitete. Auch seine zahlreichen volksschriftsteller. Arbeiten zeigen S. als am öff. Leben interessierten (er war 1861–62 auch Salzburger Gmd.Rat), eifrigen Seelsorger.

W.: Der Weltgeist unter den Bürgern und Bauern Tirols, 1848; Theolog. Stud. in Sbg., 1852, 2. Aufl.: Theolog.Stud. in Österr., 1857; Gemeinfaßliches … über die unbefleckte Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Maria, 1854, 2. Aufl. 1855; Hdb. des Kath. Kirchenrechts mit bes. Rücksicht auf die kirchenrechtl. Verhältnisse Oesterr., 4 Bde., 1854–58, 3. Aufl. 1863–66; Das 91jährige Leben und Wirken des Frühmessers vulgo Höflichkeits-Prof. Ch. Falkner …, 1855, 3. Aufl.: Der Höflichkeits-Prof. Ch. Falkner, 1856; Christian der Wanderbursch, 1869; P. C. Thurwieser, 1871; Denkschrift des Comités für Wiederherstellung der Univ. in Salzburg, 1876; Das St. Anna-Bez.Kranken- und Versorgungshaus. Denkschrift, 1884; Schulrat J. Steger, 1887; Antisemit., zu dt. judenhetzer. Bestrebungen in der Saisonstadt Salzburg, 1888; Sendschreiben an die Herren vom Kyffhäuser …, in: Sbg. Ztg., 28. 1. 1888; Kleine Trias, 1890; Die Tiroler Colonie am Pozuzo in Peru, 1892; (Autobiograph. Mitt., in:) Neuer Sbg. Haus- und Wirtschafts-Schreib-Kal. … (1886f., 1895, 1898), o. J.; z. Tl. langjährige Mitarbeit an Ztg., u. a. Sbg. Ztg., Sbg. Kirchenbl., Allg. Ztg. (Augsburg), Bote für Tirol und Vbg.; Mitt. und Biographien in Neuer Sbg. Haus- und Wirtschafts-Schreib–Kal. – Red.: Sbg. Constitutionelle Ztg., 1848–51; usw.
L.: Nagl–Zeidler–Castle 3–4, s. Reg.; Wurzbach; F. Anthaller, J. A. S., 1900; J. F. Schulte, Geschichte der Quellen und Literatur des Canon. Rechts … 3, 1880, S. 434f.; K. Bachem, J. Bachem und die Entwicklung der kath. Presse in Deutschland 2, 1912, S. 180ff.; L. Stempfl, Die Entwicklung der kath. Gesellenver. in Oesterr., phil. Diss. Wien, 1949, S. 90ff.; H. Glaser, in: Mitt. der Ges. für Sbg. Landeskde. 96, 1959, S. 144; F. Hermann, in: Stud. und Mitt. zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige 83, 1972, S. 522ff., 586f. (mit Werksverzeichnis); N. Grass, in: Im Dienst von Kirche und Staat. In memoriam C. Holböck (= Kirche und Recht 17), 1985, S. 214ff.; F. Grass, ebenda, S. 317ff.; M. Schmolke, Wegbereiter der Publizistik in Österr. (= Neue Aspekte in Kultur- und Kommunikationswiss. 6), (1992), S. 238f.; Biograph.-bibliograph. Kirchenlex. 9, (1995); UA Salzburg, Sbg.
(F. Grass)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 103f.
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