Scholl, Emil; früher Jolles (1875-1943), Schriftsteller und Marinebeamter

Scholl Emil, Schriftsteller und Marinebeamter. Geb. Wien, 4. 1. 1875; gest. bei Mezières (?) (Frankreich), zwischen 1941 und 1943. Hieß bis 1907 Jolles. Sohn eines Branntweinschänkers; bis 1901 mos., dann konfessionslos, 1904 evang. AB. S. erlernte in Wien die Porzellanmalerei, besuchte dann den Separatkurs der Handelsschule Patzelt und schließl. das Technolog. Gewerbe-Mus., wo er Hilfsass. wurde. 1899 trat er als prov. Werkführer für das chem. Laboratorium bei der Kriegsmarine in Pola (Pula) in den Militärdienst, 1900 effektiver Werkführer, 1903 Oberwerkführer 2. Kl. 1905 legte er in Pola als Privatist die Maturitätsprüfung ab, trat 1906 aus Krankheitsgründen i. R. und wurde 1910 in das Verhältnis a. D. übersetzt. 1905–10 stud. S. an der Univ. Wien Naturwiss., wurde 1909 zum Dr. phil. prom. und lebte danach in Wien. Seine schriftsteller. Laufbahn begann S. mit dem breit angelegten Entwicklungsroman „Arnold Bach“, der – einerseits im Wr. Arbeitermilieu, anderseits in der provinziellen Enge der südl. Hafenstadt angesiedelt – als autobiograph. Schlüsselwerk anzusehen ist. Literar. einprägsamer jedoch sind S.s hist. Romane aus der Zeit des Hoch- und Spätmittelalters, „Der letzte Herzog“ und „Der Roßtäuscher“ (letzterer etwa wurde von Stefan Zweig und Felix Braun, mit dem S. befreundet war, sehr positiv aufgenommen). So wird aufgrund der eigenwilligen, „grellen Montagetechnik“, die darauf angelegt ist, die Handlung reflexions- und kommentarlos in realist.-kraftvollen Szenen voranzutreiben, „Der letzte Herzog“ noch von der neueren Literaturwiss. als möglicher „gangbarer Weg für den historischen Roman zum modernen Leser von heute“ (H. Heger) angesehen. Zwar erhielt S. noch 1927 für sein Drama „Die silberne Hochzeit“ (1921 am Salzburger Stadttheater aufgef.) den Volkstheaterpreis, trat aber bereits ab Mitte der 20er Jahre publizist. nicht mehr hervor und war zuletzt weitgehend vergessen. Nach dem „Anschluß“ beabsichtigte er, gem. mit seiner Frau zu seinem Sohn, der als Arzt in Belg. Kongo lebte, zu flüchten, kam jedoch nur bis Belgien, wo er sich zuletzt in Keerbergen aufhielt. Als die Dt. Wehrmacht 1940 in Belgien einmarschierte, wurde S. im Zuge der Evakuierung von seiner Gattin getrennt. Auf seiner Flucht durch Frankreich fand er unter trag. Umständen den Tod.

W.: Über Äthyl-o und -p-Sulfobenzylanilin und Disulfodibenzylantin, in: Mitth. des k. k. Technolog. Gewerbe-Mus., NF 7, 1897; Die Reindarstellung des Chitins aus Boletus edulis, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 117, 1908 (Diss.); Arnold Bach, 2 Bde., 1908; Das Kuckuckskind, 1911; Der Roßtäuscher, 2 Bde., 1920; Das Abenteuer, 1.–3. Aufl. 1921; Der letzte Hg., 1923; usw. – Nachlaß, Familienbesitz, Wien.
L.: N. Fr. Pr., 6. 8. 1920, 6. 11. 1921 und 3. 12. 1927; NWT, 15. 5. 1911 und 4. 3. 1924 (Abendausg.); Giebisch–Gugitz; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle 4, s. Reg.; Renner, Nachlässe WStLB, S. 22; H. Heger, in: 1000 Jahre Babenberger in Österr., Stift Lilienfeld 1976, S. 752 (Kat.); KA, Tagbl.Archiv und UA, alle Wien; Mitt. Eckart Früh und Dorothea Scholl, beide Wien.
(E. Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 115f.
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