Scholz, Alois (1821-1883), Industriebetriebsleiter und Unternehmer

Scholz Alois, Industriebetriebsleiter und Unternehmer. Geb. Bielitz, österr. Schlesien (Bielsko-Biała, Polen), 9. 6. 1821; gest. Zöptau, Mähren (Sobotín, Tschechien), 30. 7. 1883. Sohn des Teschener Kammerdir. und Erbrichters Emanuel Josef S., Schwiegervater von Marie S. (s. d.), Großvater von Helene S.-Zelezny (s. u. Marie S.). Nach Besuch der Realschule in Jägerndorf (Krnov), Troppau (Opava) und Olmütz (Olomouc) wurde S. 1835 Hilfsbeamter des Katastralamtes in Jägerndorf, 1836 trat er in die Dienste der Kammerdion. des Breslauer Bistums. Er stud. privat das Berg- und Hüttenwesen und wurde 1839 Hüttenkontrollor der Eisenwerke in Buchbergsthal (Vrbno pod Pradědem). 1842 war er Bergeleve an der Bergakad. in Schemnitz/Selmeczbánya (Banská Štiavnica). 1844 führte ihn eine Stud.Reise in bedeutende Eisenwerke Mitteleuropas, im September desselben Jahres wurde er – auf Empfehlung Riepls (s. d.) – Hüttenadjunkt, 1845 Hüttenmeister im Reutenhauer (Rejhotice) Eisenwerk der Gebrüder Klein (s. u. Franz und Hubert Klein), die im Eisenbahnbau eine führende Stellung innehatten. 1846–47 besuchte S. im Verlauf einer neuerl. großen Reise dt., französ., belg. und engl. Eisenwerke. 1849 wurde er Verwalter, 1852 Dir. der Kleinschen Eisenwerke in Zöptau und der neuen Eisenwerke in Stefanau (Štěpánov), die, 1855 unter seiner Teilhaberschaft in eine AG umgewandelt, von ihm zielbewußt auf die Erzeugung für die Bedürfnisse der Eisenbahnen hin orientiert wurden. Daneben verwaltete er auch die Eisenwerke in Buchbergsthal. Als äußerst tüchtiger Fachmann auf dem Gebiet des Berg- und Hüttenwesens war S. auch in einer Reihe anderer Eisenwerke in verschiedenen Kronländern der Monarchie tätig, so reorganisierte er die Eisenwerke in Passhammer, führte u. a. die Oberaufsicht über die Eisenwerke in Nadrag, Ruda und Židowar und war als fürsterzbischöfl. Bergrat Dir. der fürsterzbischöfl. Berg- und Hüttenwerke in Friedland (Frýdlant). 1865 leitender Dir. der Zöptau-Stefanauer Bergbau- und Eisenhüttengewerkschaft, war er in den folgenden Jahren am Bau von Eisenbahnstrecken in der ganzen Österr.-ung. Monarchie beteiligt. Ab 1873 wirkte S. als Dir. der Hütten der Witkowitzer Berg- und Hüttengewerkschaft in Mähr. Ostrau (Ostrava), 1876 kehrte er nach Zöptau zurück, konnte jedoch den durch die Zeitumstände bedingten sukzessiven Niedergang der Werke nicht aufhalten. Obwohl hauptsächl. in der Eisenind. engagiert, bewies S. auch in anderen Ind.Sparten unternehmer. Weitblick und Initiative, etwa durch Mitbegründung und Beteiligung an der mechan. Flachsspinnerei in Wiesenberg (Loučná nad Desnou), der Graphitgewerkschaft in Mähr. Altstadt (Staré Město), der Zuckerfabrik in Keltschan (Kelčany), der Dampfmühle sowie der Bergwerke in Czeitsch (Čejč), der Papierfabrik in Olleschau (Olšany), der Spinnerei in Zautke (Sudkov) und der Zuckerfabrik in Chropin (Chropyně).

L.: Wr. Salonbl., 3. 7. 1875 (mit Bild); Mähr.-schles. Grenzbote, 5. 8. 1883; Gedenkbuch der 100jährigen Gründung der kgl. ung. Berg- und Forst-Akad. in Schemnitz …, 1871, S. 191; F. Klein, in: Unsere Heimat 9, 1929, 2. Sonderh., S. 9ff.; A. Strnad, ebenda, 13, 1933, H. 3, S. 19ff.; F. Procházka, in: Sborník KVM Olomouc 4, 1956–58, S. 191ff.; M. Myška, Založení a počátky Vítkovických železáren 1828–80, 1960; ders., in: Spisy Pedagogické fakulty v Ostravě19, 1970; F. Spurný, in: Z dějin hutnictví 7, 1980, S. 81ff.
(F. Spurný)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 124f.
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