Scholz, Marie; geb. Stonawski, Ps. Maria Stona (1861-1944), Schriftstellerin und Gutsbesitzerin

Scholz Marie, geb. Stonawski, Ps. Maria Stona, Schriftstellerin und Gutsbesitzerin. Geb. Strzebowitz, österr. Schlesien (Ostrava, Tschechien), 1. 12. 1861; gest. ebenda, 30. 3. 1944. Tochter eines Gutsund Fabriksbesitzers, ab 1881 verehel. mit Dr. jur. Albert S., 1899 geschieden, Mutter von Helene S.-Zelezny (s. u.), Schwiegertochter von Alois S. (s. d.). S. wurde auf Schloß Strzebowitz nahe bei Mähr.-Ostrau erzogen, wobei sich schon früh ihre Begabung für Malerei und insbes. Poesie zeigte; nach ihrer Heirat lebte sie in Chropin (Chropyně), kehrte jedoch 1888 in ihr Elternhaus zurück. Nach dem Tod ihres Vaters verwaltete sie die Güter Strzebowitz und Martinau (Martinov) selbst und machte ihr Schloß zu einer Begegnungsstätte bedeutender Persönlichkeiten. So zählten etwa Marie v. Ebner-Eschenbach, Herzl, Schönherr (alle s. d.), Roda Roda (s. Roda), Bertha v. Suttner, Georges Clemenceau, Georg Brandes und Oskar Kokoschka zu S.’ Gästen, aber auch junge Künstler, die sie als Mäzenin förderte. Ab der zweiten Hälfte der 80er Jahre trat S. auch selbst als Schriftstellerin mit zahlreichen Buchveröff., Prosa sowie formgewandter und gefühlsbetonter, jedoch epigonaler Lyrik, hervor. In ihren heute ebenfalls vergessenen Romanen und Erz. spiegelt sich – ähnl. wie im Werk der Ebner-Eschenbach, ohne jedoch dessen literar. Rang zu erreichen – häufig die ländl. Welt aus der Sicht der Gutsherrin und, mit gelegentl. satir. Untertönen (etwa „Die Provinz unterhält sich“, 1898), die Ges. der Provinz. Bis ins fortgeschrittene Alter unternahm S. weite Reisen, die in etl. Reisebüchern ihren Niederschlag fanden. Ihre Tochter, Helene S.-Zelezny (geb. Strzebowitz, 16. 8. 1882; gest. Rom/Roma, Italien, 18. 2. 1974), stud. in Brüssel Bildhauerei und wirkte danach vorwiegend in Florenz und – während des Ersten Weltkriegs – in Wien, wo sie zahlreiche Aufträge, u. a. aus dem Kaiserhaus, erhielt; ab 1922 besaß sie ein Atelier in Rom, 1947–49 lehrte sie in Philadelphia Bildhauerei. Insgesamt schuf sie über 400 Werke in Marmor, Stein, Bronze und Terrakotta, u. a. Porträtbüsten von Kn. Zita, Franz Conrad v. Hötzendorf, Thomas G. Masaryk, Papst Paul VI.

W.: Buch der Liebe, 1888, 3. vermehrte Aufl. 1897; Erzählt und gesungen, 1890; Menschen und Paragraphe, 1896; Klingende Tiefen. Neue Ged., (1901); Kg. Eri, 1907; Der Rabenschrei. Roman einer Scheidung, 1907; Die wilde Wolhynierin, 1922; Von Prag in die Provence …, 1922; O du spaßige Welt der Frauen! (= Tagbl.-Bibl. 76), 1924; Der Sträfling mit dem Rosenkranz (= ebenda, 206–207), 1925; Neue Ged., 1928 (mit Bild); Vor dem Sturz, 1934 (mit Bild); Eines Traumes Welt. Neue Ged., 1935; Der Liebe Gewalt. Neue Ged. (1938); Das schöne Spanien, o. J.; Beitrr. u. a. in Berliner, Münchner, Wr. Z.und Ztg.; usw. Hrsg.: Ein Alt-Österreicher. K. E. Kleinert …, 1933 (mit Bild); usw.
L. (auch unter Stona): Wegwarte, 6. 12. 1952; Brümmer; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle 3–4, s. Reg. (mit Bild); R. Wolkan, Geschichte der dt. Literatur in Böhmen und in den Sudetenländern, 1925, s. Reg.; F. Eichler, in: Alte Heimat Kuhländchen 14, 1961, S. 436ff. (mit Bild); J. W. König, Das Schrifttum des Ostsudetenlandes, 1964 (mit Bild); A. Lubos, Geschichte der dt. Literatur Schlesiens 2, (1967), s. Reg.; Zelezny portrait sculpture 1917–70, (1970) (mit Vorwort von A. Mann, zu Helene S.-Zelezny); P. Buhl, Troppau von A bis Z, 1973; J. Mühlberger, Geschichte der dt. Literatur in Böhmen 1900–39, (1981), S. 347f.; E. Friedrichs, Die dt.sprachigen Schriftstellerinnen des 18. und 19. Jh. (= Repertorien zur Dt. Literaturgeschichte 9), 1981; S. Schmid-Bortenschlager – H. Schnedl-Bubeniček, Österr. Schriftstellerinnen 1880–1938 (= Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik, Unterr.: Sbg. Beitrr. 4), 1982; Collegium Carolinum, München, Deutschland.
(Ch. Gruber – G. Ludwig)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 130
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