Scholz, Maximilian (1743-1834), Schauspieler, Theaterdirektor, Regisseur und Schriftsteller

Scholz Maximilian, Schauspieler, Theaterleiter, Regisseur und Schriftsteller. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 23. 6. 1744 (oder 1743); gest. Pankow, Preußen (Berlin, Deutschland), 2. 9. 1834. Unbestätigten Angaben zufolge soll S. der Sohn des preuß. Adeligen Wenzel v. Plümeke gewesen sein, der wegen privater Schwierigkeiten nach Prag flüchtete und dort den Namen Scholz annahm. S. debüt. 1760 bei der Bernadonschen Theaterges. in Prag, wo er sich insbes. in der Rolle des Hanswurst großer Popularität erfreute, dann aber auch in Charakter-, Liebhaberrollen usw. auftrat. 1772 ging er an das sog. Wassertheater nach Linz, dessen Leitung er vermutl. gem. mit Johann Tilly innehatte und an dem es ihm gelang, einen regelmäßigen Spielplan einzuführen und das Extemporieren abzuschaffen; der Hanswurst wurde auf die Bühne des Stegreif- oder Sommertheaters verbannt. In seine Dion.Zeit fällt auch die erfolgreiche Linzer Erstauff. von Lessings „Emilia Galotti“. 1774–79 war S. gem. mit seiner Frau Edmunda, der Tochter Tillys, am sog. Kotzentheater in Prag bei Johann Josef v. Brunian engagiert, wo das Ehepaar bes. als Romeo und Julia sowie Hamlet und Ophelia – angebl. regte ihre Darstellung Friedrich Ludwig Schröder zu seiner „Hamlet“-Bearb. an – erfolgreich war; in Abwesenheit Brunians führte S. auch Regie und die Dion.Geschäfte. Nach Auflösung der Truppe und darauffolgenden Gastspielen in Preßburg (wo er sich 1779 und 1780 jeweils für kurze Zeit auch als Theaterdir. versuchte), Wien und Hamburg kamen beide 1781 zur Doebbelinischen Ges. nach Berlin an das Theater in der Behrenstraße. Hier erregte S. bes. durch seine Darstellung des Otto v. Wittelsbach in Josef Marius Babos gleichnamigem Stück Aufsehen, war aber auch ein sehr erfolgreicher Karl Moor in der Berliner Erstauff. von Schillers „Die Räuber“. Ab 1790 war das Ehepaar S., nach Gastspielen in Wien, St. Petersburg und Hamburg, in Breslau (Wrocław) engagiert, wo S. als gefeierter Schaupieler und ab 1798 auch als Regisseur bis zu seiner Pensionierung 1820 blieb. 1824 begleitete er seine zweite Frau, Auguste, ebenfalls Schauspielerin, nach Berlin, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte.

W.: Die beiden Fächer (= Dt. Schaubühne 131), 1777, Neuaufl. 1788 (Lustspiel); Richard und Karl, 1779 (Trauerspiel); usw.
L.: Eisenberg, Bühnenlex.; Giebisch–Gugitz; Kat. der Portrait-Smlg.; Kosch, Theaterlex.; Wurzbach; O. Teuber, Geschichte des Prager Theaters 2, 1885, S. 28ff., 35ff., 41f.; M. Schlesinger, Geschichte des Breslauer Theaters, (1897), bes. S. 73, 75ff., 85f., 91ff., 107, 120, 150; K. Schiffmann, Drama und Theater in Österr. ob der Enns …, 1905, s. Reg. (mit Bild); Gallerie von Teutschen Schauspielern und Schauspielerinnen, hrsg. von R. M. Werner (= Schriften der Ges. für Theatergeschichte 13), 1910, s. Reg.; K. Benyovszky, Das alte Theater, 1926, S. 52f.; G. Gugitz, in: Heimatgaue 8, 1927, S. 44ff.; F. Pfeffer, in: Oö. Heimatbll. 2, 1948, S. 34f.; H. Kindermann, Theatergeschichte Europas 5, (1962), s. Reg.; F. Fuhrich, Theatergeschichte Oberösterr. im 18. Jh. (= Theatergeschichte Österr. I/2), 1968, S. 34, 185; E. Pies, Prinzipale, 1973; Divadlo v kotcích 1739–83, hrsg. und red. von F. Černý, 1992, S. 270, 278, 284.
(E. Fleissner-Moebius)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 130f.
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