Schossel, András (1824-1874), Bildhauer und Modellierer

Schossel András, Bildhauer und Modellierer. Geb. Felső-Remete, Ungarn (Remetow, Ukraine), 1824; gest. Munkács, Ungarn (Mukačeve, Ukraine), 31. 5. 1874. Sohn eines in einer Eisenfabrik beschäftigten Modelltischlers. S. begann 1832 die Lehre bei seinem Vater, 1840 ging er nach Pest (Budapest), wo er seine Stud. beim Bildhauer Ferenc Uhrl aufnahm. 1843–48 stud. er an der Wr. Akad. der bildenden Künste Bildhauerei bei J. Kässmann (s. d.) und freie Perspektive bei van der Nüll (s. d.) (1846 und 1847 1. und 2. Gundel-Preis, 1847 Neuling-Preis). Nach seinem Aufenthalt in Wien bereiste er Dresden und besuchte mehrere dt. Eisenfabriken, so u. a. in Berlin, Gleiwitz und Hanau. Anläßl. der Revolution 1848 kehrte S. nach Munkács zurück, wo er in der Folge mit dem Modellierer Valentin Willaschek zusammenarbeitete. In den Unterlagen über die dortige Eisenfabrik findet sich sein Name erst nach 1853, vermutl. deshalb, weil er im Herbst 1848 eine Büste von L. Kossuth (s. Kossuth von Udvard und Kossut L.) – es handelte sich dabei um die erste Kossuth-Figur in Ungarn – verfertigte. Wohl deshalb erschien auch die erste informative Kritik über seine künstler. Tätigkeit erst 1863 in der Ztg. „Vasárnapi Újság“, obwohl S. zu diesem Zeitpunkt bereits seit 14 Jahren in der Fabrik arbeitete und die schönsten in der Gießerei angefertigten Kleinplastiken von ihm stammen. Während sich die Mode der als Kunst betriebenen Eisengießerei in Westeuropa nach 1850 ihrem Ende zuneigte, erlebte diese zur selben Zeit in Munkács durch S. eine wahre Blüte. S., der bis zu seinem Tod in der Eisenfabrik von Munkács bzw. in den zu dieser gehörenden Kunstgießereien der Ortschaften Frigyesfalva und Selesztó (beide Kom. Bereg) tätig war, schuf seine mit großer Sorgfalt modellierten Statuen und Zierobjekte im Stil eines ung. „Historismus“; beinahe 60 Klein- und Großplastiken stammen von seiner Hand.

W.: Gf. Károly Schönborn, Gfn. Schönborn, beide 1853; V. Priessnitz, um 1860; Sándor Petőfi, János Arany, beide um 1870; Briefbeschwerer mit Hirsch- und Stiergestalten, um 1854; Zündholzbüchse mit einer liegenden Figur auf dem Deckel, 1854; Ziervase, 1856; Schachspiel unter Verwendung hist. Persönlichkeiten aus Ungarn, 1863; usw.
L.: Bénézit; Művészeti Lex. I; Művészeti Lex. II; Thieme– Becker; Wurzbach; A. Sas, Egy kárpáti latifundium a hűbéri világ alkonyán, 1955; A. Héjjné Détári, in: Az iparművészeti múz. évkönyvei 2, 1956, S. 85f.; L. Pusztai, A beregi öntészet emlékei, 1973; ders., Magyar öntöttvasművesség, 1978, S. 104, 110, 128ff.; G. Kiszely, A magyar öntészet képekben, 1978; L. Pusztai, Ismeretlen munkácsi műöntvények, 1981; ders., Öntöttvasművesség, 1983; ders., Öntöttvas kályhák a munkácsi öntödéből, 1987; Archiv der Akad. der bildenden Künste, Wien.
(L. Pusztai)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 149
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